Rainer Schaller

"Ich bin 100 Prozent risikobereit"

Sebastian Arackal
Wie wichtig war für Sie der Einstieg bei der Love Parade? 
Nachdem die Love Parade 2004 und 2005 ausgefallen war, haben wir das Event 2006 reanimiert. Wir wollten mit einem relativ kleinen Budget einen hohen Bekanntheitsgrad erzielen. Ich war bei renommierten Werbeagenturen, die mir sagten, dass man im Jahr zwischen acht bis zehn Millionen Euro braucht, um seinen Bekanntheitsgrad zu steigern. Und das war einfach damals vom Budget nicht möglich. Wir haben uns lange überlegt, was wir denn Verrücktes machen können, um bekannter zu werden. Wir haben uns für die Love Parade entschieden. Das war ein Himmelfahrtskommando.
Bringt Ihnen denn die Love Parade die erhoffte Aufmerksamkeit?
Ja. Anfänglich hat ganz Deutschland darüber gesprochen. Aber leider sehr negativ. Erst am Veranstaltungstag selbst konnten wir beweisen, dass wir es doch können. Auch die mutige Entscheidung, von Berlin ins Ruhrgebiet zu gehen, hat sich gelohnt. Und mit letztlich 1,6 Millionen Menschen waren noch nie so viele Teilnehmer auf der Love Parade wie vergangenes Jahr in Dortmund.
Der Love-Parade-Gründer Dr. Motte hat Sie als Marketing-Heuschrecke bezeichnet. 
Kritiker muss es immer geben. Dadurch wird man nur besser. Dr. Motte wird bald 50 Jahre alt, geht langsam in Pension und hat die letzten Jahre keinen Chart-Hit mehr landen können. Für mich ist die Love Parade eine kulturelle Veranstaltung. Man kann sie mögen oder nicht. Aber man muss anerkennen, dass die Love Parade die bekannteste deutsche Musikmarke der letzten 20 Jahre ist. Auf der Love Parade legen die Künstler bis heute umsonst auf. Das heißt also, wenn es eine reine Marketing-Veranstaltung wäre, würden Weltstars wie Moby oder Paul von Dyk das nicht tun. Es macht mich schon stolz, dass wir in Dortmund das beste Programm geboten haben, das die Love Parade je hatte.
Die Love Parade in Bochum fällt in diesem Sommer aus.
Das war ein Schlag ins Gesicht, ist aber nicht zu ändern. Zur Love Parade reisen 90 Prozent der Teilnehmer mit der Bahn an und der Bochumer Hauptbahnhof wird gerade umgebaut. Die nötige Infrastruktur fehlt. Wir schauen nach vorn: 2010 geht es weiter in Duisburg.
McFit wird häufig als Fitness-Aldi bezeichnet. Stört Sie das? 
Nein, unser Vorbild war früher Aldi, aber das hat sich gewandelt. Heute sehen wir H&M als Vorbild, die sehr günstig sind, aber gleichzeitig auch stylish und jung.
Lange Zeit haben Sie keine Zahlen veröffentlicht. Warum nicht? 
Wir wollten in Ruhe expandieren und erst, wenn wir tatsächlich die Nummer eins sind, die Zahlen veröffentlichen. So kam es auch und die Branche staunte.
Wie hat die Konkurrenz reagiert? 
Erstmal mit Erstarren, viele konnten nicht glauben, dass McFit die Nummer 1 am Markt ist. Die späteren Reaktionen fielen unterschiedlich aus: Die einen unternahmen nichts, die anderen verlassen die tödliche Mitte und versuchen, im Premium-Bereich mehr Leistung zu bieten.

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