Diversity

Homosexualität ist noch immer Karrierebremse

Gero Brandenburg
Ein Prozess, der viel Kraft kostet und damit auch Energie, die eigentlich dem Arbeitgeber zugute kommen sollte. Vor allem in den traditionellen Branchen wie Schwerindustrie und Landwirtschaft tun sich Homosexuelle schwer mit einem Coming out, in Bereichen wie Medien und Werbung hingegen ist dies meist kein Problem.Bernd Schachtsiek setzt sich dafür ein, die Vorurteile auch in anderen Branchen abzubauen. Er sagt: "Schwule rennen nicht nur in Lederkluft und Federboa rum." Schachtsiek ist Vorsitzender des Völklinger Kreises (VK). Der Bundesverband schwuler Führungskräfte zählt 700 Mitglieder, versteht sich als berufliches und privates Netzwerk und bietet regelmäßig Seminare wie etwa "Erfolgreich schwul am Arbeitsplatz" an.Coming out als ChanceIn Arbeitsgruppen lernen die Teilnehmer kritische Situationen im Büro zu meistern, wie sie offen mit mit ihrer Homosexualität umgehen und diese sogar als strategischen Vorteil im Beruf nutzen: Seminarleiter Thomas Bieg, Manager bei einem Dax-Konzern, zählt mögliche Kompetenzen auf: Schwule seien meist nicht nur flexibler und anpassungsfähiger im Beruf, sondern auch sensiblere und tolerantere Teamplayer als viele heterosexuelle Kollegen. Zudem hätten Schwule früh gelernt, Netzwerke zu knüpfen und seien bessere Krisenmanager. Er persönlich bereut sein Coming out nicht: "Wenn ich offen dazu stehe, bin ich auch als Führungskraft authentischer und besser."Ähnlich sieht es wohl auch Ulrich Köstlin. Sowohl im eigenen Unternehmen als auch bei Geschäftspartnern kam sein Outing gut an. Für seine offene und klare Kommunikation gab es Anerkennung. Er glaubt sogar, dass ihm jetzt noch stärkeres Vertrauen entgegengebracht wird, "weil die Menschen annehmen können, dass ich auch mit anderen Themen offen und ehrlich umgehe."NETZWERKEVerbände In Deutschland gibt es ein breites Netzwerk, das sich dem Thema GLBT (Gay, Lesbian, Bisexual und Transgender) in der Wirtschaft widmet. Dazu zählen branchenübergreifende Verbände wie der Völklinger Kreis, Wirtschaftsweiber und Amigas.Firmen-Stammtische Zudem gibt es eine Reihe von firmeninternen Gruppen für Schwule und Lesben wie die Rainbow Group (Deutsche Bank), Queerbeet (Deutsche Telekom) oder Arco (Commerzbank). Arco etwa hat mittlerweile 320 Mitglieder.Karrieremesse Anfang März 2010 feierte die Milk, die erste Karrieremesse für Schwule und Lesben, ihre Premiere in München. Vertreten waren Firmen wie SAP, Accenture und IBM. Das GLBT-Netzwerk des Softwarekonzerns (Eagle) zählt weltweit 1000 Mitglieder. In Großbritannien wurde IBM 2010 laut Stonewall-Index zum schwulenfreundlichsten Unternehmen gekürt.Lesen Sie mehr zum Thema "Diskriminierung":
Gleichberechtigung: Kampf für gleiche Gehälter
Ausländer: Für eine bessere Chance
Studie: Weniger Chancen mit türkischem Namen?
Dieser Artikel ist erschienen am 06.05.2010

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