Interview mit Andrej Kupetz

"Heute wird unglaublich viel Blödsinn produziert"

Stefan Wimmer
Wenn Design Vertrauen vermitteln kann, müsste es dann nicht einen gewaltigen Designbedarf bei Banken geben? 
Banker ist ja mittlerweile einer der am schlechtesten angesehenen Berufe. Es geht ganz entscheidend darum zu kommunizieren. Wie kann ich mit den Mitteln des Designs Vertrauen wiederherstellen. Bei den Banken hat es in den letzten zehn Jahren gewaltige Veränderungen gegeben - weg von langweiligen nationalen Champions hin zu großen internationalen Playern. Wie oft hat die Deutsche Bank ihr Erscheinungsbild in den vergangenen Jahren geändert, weil sich das Bankgeschäft geändert hat. Zuerst gab es beinahe die Fusion mit der Dresdner Bank, dann hat man das Privatkundengeschäft in der Bank24 ausgegliedert. Davon ist man mittlerweile wieder zurückgerudert. Seit etwa drei Jahren gibt es jetzt die Kampagne, die mit dem Logo spielt. Das Logo tritt mit in die Bildbotschaften ein - eigentlich ein absolutes Unding in der Markenführung. Mit dem Logo macht man keine Experimente. Aber die Deutsche Bank wählt diesen radikalen Weg, um um Vertrauen zu werben und zu zeigen, dass sie sich demokratisiert.
Gibt es denn neben Briefpapier und Werbung noch Designchancen für Banken? 
Für den Auftritt einer Bank sind die Gestaltungsmöglichkeiten begrenzt: der Eingangsbereich kann entsprechend gestaltet werden oder Räume, in denen der Kunde mit dem Berater in Kontakt kommt. Hier gibt es in der Tat viele Möglichkeiten, durch Design Interaktionsmöglichkeiten zu schaffen. Die Deutsche Bank zeigt das zum Beispiel in ihrer Filiale Q110 in der Berliner Friedrichstraße.
Was wäre ein großes Projekt, das Sie reizen würde? 
Opel ist ein spannendes Projekt. Eigentlich ist der Karren im Dreck, aber wenn man die Chance hätte zu sagen: Wir lösen Opel bei GM heraus, wir wollen diese Marke erhalten. Dann wäre der Zeitpunkt jetzt richtig, zu beweisen, wie diese Marke zu drehen ist. Dinge, die wir im Gespräch nur virtuell diskutieren, könnte man dort exemplarisch vormachen.
Zur PersonAndrej Kupetz wurde 1968 geboren, als der Opel GT auf den Markt kam und sein Vater Günter die "Normbrunnenflasche" gestaltete. Er studierte Industriedesign, Philosophie und Produktmarketing in Berlin, London und Paris und arbeitete zunächst als freier Design-Manager, bevor er ans Design Transfer Institut der Universität der Künste Berlin ging. 1997 wechselte er zur Deutschen Bahn. Seit 1999 ist er Geschäftsführer des Rates für Formgebung.Die 1953 gegründete Stiftung unterstützt die deutsche Wirtschaft bei der Implementierung von Design als Wirtschafts- und Kulturfaktor und verleiht den Designpreis der Bundesrepublik Deutschland. 2006/2007 war Kupetz Präsident der Zollverein School in Essen. Er sitzt im Beirat des Design Management Institute Boston und im Aufsichtsrat der HdK Braunschweig. Er lehrte als Gastprofessor an der UdK Berlin und ist einer der renommiertesten Designlobbyisten in Deutschland.
Dieser Artikel ist erschienen am 30.04.2009

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