Gestalter Andrej Kupetz, der den Begriff des Desginmanagers maßgeblich prägte, über die ökonomische Bedeutung guten Designs in der Krise, Vaters Mineralwasserflasche und seinen ganz eigenen Rettungsplan für Opel.
Herr Kupetz, der Rat für Formgebung vergibt alljährlich den Designpreis der Bundesrepublik Deutschland. Haben wir derzeit nicht dringendere Probleme als gutes Design? Einige Unternehmen würden gerade jetzt gut daran tun, sich um Design zu bemühen. Krisenzeiten ermuntern die Firmen dazu, sich stärker mit dem Thema zu beschäftigen. Unternehmen merken doch gerade jetzt, dass sie mit Kriterien wie Preis oder Technologie allein nicht mehr weiterkommen.Kann man sich denn Design überhaupt noch leisten? Man muss es sich leisten. Design verteuert ein Produkt nicht. Diese Sichtweise kommt aus der Marketingkommunikation der 80er-Jahre. Design wurde damals als Begriff eingesetzt. So war es möglich, Produkte, die von einem Designer gestaltet wurden, teurer zu verkaufen. Das führte dazu, dass die Kunden glaubten, der Designer kostet auch mehr Geld. Das stimmt eigentlich nicht. Designer treten sehr früh in den Prozess ein. Auf die Stückzahl von Produkten bezogen, lässt sich das Honorar des Designers unter Umständen gar nicht mehr in Cent berechnen. Im Gegenteil, Designer, die effizient gestalten, können ein Produkt sogar preisgünstiger machen.Sie waren Direktor der Zollverein School in Essen, der einzigen deutschen Hochschule, die einen MBA in Designmanagement anbietet. Zukunft gestalten und Wandel initiieren sind Programmpunkte, die sich die Schule auf die Fahne geschrieben hat ... Design kann in der Tat unsere Gesellschaft verändern. Design schafft es tatsächlich, Bedürfnissen des Wandels, die da sind, ein Gesicht zu verleihen.Wie das? Es gibt diesen Wendepunkt ja schon, in wenigen Produkten. Was wir bei Apple mit dem iPhone erleben, das ist ein Paradigmenwechsel. Arbeitsmittel-Zuhause-Coolnessfaktor - das verschmilzt beim iPhone. Zum ersten Mal arbeitet Apple da mit einer absoluten Reduzierung des Produktdesignanteils. Der Bildschirm ist der Star, die digitale Welt wird mit dem Produktdesign vernetzt.Sie haben Produktdesign studiert. Sind Sie auch mit diesem Anspruch angetreten, mit Design die Welt zu ändern? Es war eher der Anspruch, nichts zu entwerfen, was die Entwicklung unserer Welt, unseres Lebens, unserer Gesellschaft nicht weiterbringt. Ich finde es in unserer Welt, in der unglaublich viel Blödsinn produziert wird, nicht verantwortbar, Dinge einfach zu wiederholen.Ihr Vater hat ein Produkt gestaltet, das bis heute als Meilenstein gilt und unseren Alltag bestimmt - die Mineralwasserflasche. Waren diese Fußstapfen für Sie eher eine Einschränkung oder ein Ansporn? Mein Vater war überhaupt nicht begeistert von der Idee, dass ich auch Design studiere. Er wollte, dass ich eher im juristischen oder betriebswirtschaftlichen Bereich etwas mache. Ich wollte aber Design studieren, vielleicht auch, um mich gegen meinen Vater durchzusetzen. Ich habe dann aber sehr schnell gemerkt, dass mir Design per se nicht genügt, dass mich andere Dinge viel mehr interessieren, vor allem die Arbeit an der Schnittstelle von Design und Wirtschaft. Ich bin jemand, der vermitteln kann, der in der Lage ist, das Kreative auch in Strategien zu formulieren. Das hat mich dann mehr gereizt.
Deutschland ade: Unternehmen verlagern Produktion, Verwaltung und Forschung in alle Welt – weil Schwellenländer wettbewerbsfähiger werden und Manager durch Herkunft und Werdegang so weltoffene wie nüchterne Kalkulierer sind wie keine Generation vor ihnen.
Meterhohe Aktenstapel, Fotos von den Kindern, Spielfiguren aus Plastik: Schreibtische sind nicht nur nüchterne Arbeitsfläche, sondern Spiegel der Seele und unserer Gesellschaft. Weil unsere Arbeitswelt im Umbruch ist, wird der eigene Schreibtisch aber zum Auslaufmodell. Die Zukunft gehört flexiblen Arbeitsplätzen.
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Unternehmen aus Zukunftsberufsfeldern decken ihren Fachkräftebedarf am leichtesten in den drei Großstädten, während sie in München und Stuttgart händeringend danach suchen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Langzeitstudie von karriere.de.
Foto: G. Altmann/Pixelio
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