Job-Krise

Harte Zeiten rund um die Wall Street

Josefine Köhn
Und selbst dann gibt es im sozialen Netz viele Lücken, durch welche die geschassten Gastarbeiter häufig fallen. Bettina Hein aus Frankfurt etwa, die in Cambridge, Massachusetts, eine Firma etablieren will, die aus Familienvideos professionelle Kurzfilme macht, kann von offizieller Seite keine Unterstützung erwarten. So arbeitet sie derzeit daran, das notwendige Kapital für ihre Firma Pixability aufzubringen: "Wenn wir im nächsten Jahr unsere Ausgaben nicht selbst decken können, müssen wir aufgeben." Auch Lars Dahlhaus, der bisher recht erfolgreich antike Lampen importierte und verkaufte, hangelt sich durchs Leben. Der Wuppertaler jongliert mit immer neuen Kreditkarten, um seinen Betrieb und Lebensstandard in Brooklyn aufrechtzuhalten."Durchhalten" lautet die DeviseModedesignerin Yasmine Özelli, die seit neun Jahren in New York lebt, hat ein Zimmer in ihrem engen Apartment in Harlem untervermietet. Weil die Kunden für ihre maßgeschneiderten Anzüge ausbleiben, arbeitet sie nun als Verkäuferin in einer Boutique: "Wenigstens bin ich nicht arbeitslos." Einfach durchhalten, das ist die Parole.Diese ist auch beim Stammtisch der "German Culture Meetup Gruppe" zu spüren. 80 deutsche Praktikanten, Angestellte und Einheimische, die alle gern ein frisch gezapftes Bier trinken, treffen sich im Porch, einer Bar in Manhattans Lower Eastside, um im wahrsten Sinne des Wortes "liquide zu bleiben" - wie Organisatorin Amy Sander es ausdrückt. Die 33-jährige Deutsch-Amerikanerin arbeitet im Risikomanagement der Euro Hypo, einer Gruppe der Commerzbank. Sie ist sich ihrer Stelle zwar noch sicher, Sorgen macht sie sich aber auch: "Es gibt keine dreimonatige Kündigungsfrist, du stehst hier von heute auf morgen auf der Straße."Nach Deutschland zurückzugehen, kommt aber für keinen der jungen deutschen New Yorker in Frage. Sie alle hoffen auf ein baldiges Ende der Krise. Lars Dahlhaus verkauft neben den teuren handgefertigten Lampen aus dem elterlichen Betrieb nun auch online preisgünstige Versionen "made in China". Bettina Hein setzt auf ihren Charme und ihre Erfahrung. Modedesignerin Özelli hofft auf eine finanzstarke Mitbewohnerin, um nicht noch weitere Nebenjobs annehmen zu müssen. Die Krise will sie einfach nur noch überstehen: "Vorher kauft ja doch niemand einen handgefertigten Anzug."Selbst Wallstreetbroker Rudy nicht. "In der Stadt, in der Geld eigentlich keine Rolle spielt, gehört Sparen jetzt zum guten Ton", sagt er. Selbst nach erfolgreichen Transaktionen sind Freudenkäufe für Wertpapierhändler derzeit tabu.
Dieser Artikel ist erschienen am 01.06.2009

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