Ortswechsel

Harte Zeiten in der Autostadt Detroit

Gero Lawecki
Networking ist auch in Detroit wichtigSmalltalk und Networking. Ohne das läuft in den USA beruflich kaum etwas, hat Sara Furtwängler erfahren. Seit gut einem Jahr lebt die 28-Jährige in Royal Oak, einem Vorort von Detroit, seit dem vergangenen September ist sie für eine PR-Agentur tätig. "Unsere Kunden kommen meist aus der Automobilbranche - wie sollte es in Detroit auch anders sein?" Ihr Ehemann Markus arbeitet für einen deutschen Autozulieferer.Mit ihm zog sie nach ihrem Magister in Konstanz (Literatur, Kunst- und Medienwissenschaft und Soziologie) in die US-Stadt, mit der Musikfans vor allem das MotownLabel und Hip-Hop-Musik von Eminem verbinden. Furtwänglers Jobsuche dauerte einige Monate. Ihre Zeugnisse und Arbeitsproben waren den Firmen meist nicht so wichtig. "Bei Amerikanern läuft fast alles auf der persönlichen Ebene, Kontakte sind der Türöffner." Nach 50 Business-Lunches und Kaffee-Dates war ihr Netzwerk groß genug, um beruflich Fuß zu fassen.Amerikaner sind nicht so direktUnd jetzt geht ihre Karriere, auch das ist typisch amerikanisch, zügig voran. "Nach vier Monaten bin ich vom Account Assistant zum Account Manager aufgestiegen. Das wäre in Deutschland undenkbar." So gut die Zusammenarbeit mit den Kollegen funktioniert, die kulturellen Unterschiede werden ab und zu noch deutlich. "Nach einem netten Gruß fange ich oft an, sofort von meinem Projekt zu erzählen. Amerikaner empfinden das als zu direkt. Selbst wenn sie noch so sehr im Stress sind, würden sie erst fragen, wie es mir geht und wie das Wochenende war. Erst dann sprechen sie über das Projekt."Was Furtwängler sehr überraschte: die große Anzahl von Landsleuten. "Wir haben uns anfangs schon Sorgen gemacht, dass wir keine Amerikaner kennenlernen", lacht sie. Die Stadt Detroit gefällt ihr nicht. Leerstehende Häuser und Autowracks prägen das Bild in vielen Straßen. Das Leben in Royal Oak genießt sie umso mehr, vor allem die Freundlichkeit und Offenheit der Nachbarn. Besonders die Natur jenseits der Stadtgrenzen hat es ihr angetan. "Michigan ist ein wunderschöner Staat. Vor allem im Sommer, wenn man an die Seen im Norden fahren kann." Wie so viele Einwohner Detroits machen sich Sara Furtwängler und ihr Mann oft nach Traverse City auf, um an romantischen Seestränden spazieren zu gehen oder aber mit Quads auf den Sanddünen zu fahren.Lesen sie weiterOrtswechsel ParisOrtswechsel HelsinkiOrtswechsel HongkongOrtswechsel Barcelona
Dieser Artikel ist erschienen am 08.05.2009

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