Der US-Automobilstadt geht's schlecht, tausende Angestellte bangen um ihre Jobs. Die Sorgen vergisst man beim Ausflug an die großen Seen, da im Zentrum Kriminalität und Gewalt an der Tagesordnung sind. Es berichten zwei Augenzeugen der Krise.
Die Wirtschaftskrise ist für Detroit, die Hauptstadt der US-Automobilindustrie, eine Katastrophe. Die einstigen Vorzeigeunternehmen General Motors, Chrysler und Ford kämpfen um ihr Überleben. Tausende Jobs sind in Gefahr oder bereits verloren gegangen. Damit steht auch die 900000-Einwohner-Stadt am Abgrund. Automobilingenieur Uli Pfahl, 43, bekommt das hautnah mit: "Die Krise trifft viele Amerikaner deutlich härter als uns Europäer. Zuerst verlieren sie den Job, ihre Krankenversicherung, und dann gehen noch Auto und Haus flöten. Motto: Gestern reich in Detroit, heute arm im Zeltlager in Florida."Pfahl, der an der RWTH Aachen studierte und promovierte, lebt seit fünf Jahren mit seiner deutschen Ehefrau in der Metropole im Bundesstaat Michigan an der Grenze zu Kanada. Ihr Sohn ist 15 Monate alt. Pfahl arbeitet für den Autozulieferer Emitec: Das Unternehmen mit Hauptsitz in Köln produziert Katalysatorträger. In Detroit verdient Pfahl "etwas besser" als in Deutschland, "aber es ist ein Gerücht, dass die Steuern hier so niedrig sind".Tempo geht oft vor QualitätEr arbeitet meist in multikulturellen Teams, seine Kollegen erlebt er als "sehr offen, unkompliziert und freundlich". An die amerikanische Arbeitsweise musste er sich allerdings erst gewöhnen. "Die schnelle 80-Prozent-Lösung wird oft höher geschätzt als die langwierige 100-Prozent-Lösung." Sich anzupassen, sei aber ein Gebot der Vernunft: "Besserwisserisch und arrogant aufzutreten, ist der größte Fehler. Das kommt gar nicht gut an." Seine Branche macht schwere Zeiten durch, Pfahl jedoch muss sich keine Sorgen machen, und er lebt gerne in Detroit. In der Woche ist er oft auf Reisen, seine Frau trifft sich dann mit anderen Müttern und den Kindern zu "Playgroups".Das Wochenende gehört der Familie. In seiner Freizeit steigt Pfahl auch gerne aufs Motorrad. "Leider sind die Straßen hier immer geradeaus und voller Schlaglöcher. Das Fahren macht lange nicht so viel Spaß wie früher in der Eifel." Wie fast alle Angehörigen der weißen Mittelschicht lebt Pfahl mit seiner Familie im Vorort, genauer gesagt in Wixom. Im Zentrum leben vorwiegend Afroamerikaner, die Kriminalität ist hoch und Schießereien zwischen den Gangs sind an der Tagesordnung. Ein Problem, das durch die Wirtschaftskrise sicher nicht kleiner wird.
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Foto: G. Altmann/Pixelio
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