Gender Pay Gap

Große Unterschiede beim Einstiegsgehalt

Tina Groll / Zeit.de
Nun würden manche einwerfen, so leicht darf man die Frauen nicht aus der Verantwortung lassen.
Natürlich kann man das. Es werden ja immer die gängigen Erklärungsmuster herangeführt. Frauen würden sich in anderen Branchen bewerben als Männer, ihr "Licht unter den Scheffel stellen". Diese Gründe sind möglich. Wir können in unserer Studie nicht die Unternehmen oder die Branche kontrollieren, bei denen sich unsere Absolventinnen und Absolventen beworben haben. Wir wissen auch nicht, ob Frauen schlicht zu wenig Geld fordern. Letzteres vermuten wir tatsächlich als einen Faktor. Frauen scheinen eher zu denken, dass es nur auf ihre Leistung ankäme, wohingegen einem größeren Teil der Männer die Selbstdarstellung wichtig ist. Zumindest weisen einige Studien darauf hin, dass Frauen bei Gehaltsverhandlungen zu defensiv auftreten. Bei aller Wichtigkeit das Selbstbewusstsein der Frauen zu fördern, was unsere Hochschule beispielsweise mit Hilfe von Gehaltsverhandlungstrainings tut, greift doch auch die Förderung des gegenteiligen Verhaltens zu kurz. Die Selbstvermarktung um jeden Preis möchten wir nicht unterstützen. Ehrlichkeit sollte auch im Berufsleben ein hoher Wert bleiben.
Und welche Rolle spielt der Faktor Familie? Ist es wirklich so, dass die Frauen diesen schon beim Berufseinstieg mitbedenken und sich einen entsprechenden Job suchen und die Männer eben nicht?
Dies kann man nur vermuten. Wir können es aus den Daten aber nicht ableiten. Aus dem Kontakt zu den Studierenden weiß ich aber, dass Frauen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf schon zum Berufsbeginn einplanen, Männer in diesem Alter allerdings nicht. Das heißt aber nicht, dass Männer es nicht zu einem späteren Zeitpunkt tun.
Ehrlicherweise muss man festhalten, dass Ihre Studie nicht repräsentativ für Deutschland ist.
Das kann man so nicht sagen. Das Sample ist für die Hochschule Pforzheim repräsentativ. Darüber hinaus hat die Fakultät Wirtschaft und Recht der Hochschule Pforzheim zwar einen leicht höheren Frauenanteil als es dem Schnitt bundesdeutscher BWL-Fakultäten entspräche. Dieses liegt an Studiengängen mit hohem Frauenanteil in Pforzheim. Aber wir differenzieren in unserer Studie ja explizit nach den Studiengängen.
Welche Erkenntnisse zieht die Hochschule Pforzheim aus der Untersuchung?
Wir haben herausgefunden, dass eine höhere Mobilität – also bundesweit statt nur regional nach einem Job zu suchen – zu einem um etwa 3 Prozent höheren Einstiegsgehalt führt. Wer bereits eine Lehre abgeschlossen hat, bekommt etwa 5 Prozent mehr, nach einem Auslandsaufenthalt steigt das zu erwartende Gehalt um 4 Prozent und bei einer um eine ganze Note besseren Abschlussnote ist ein um 6,5 Prozent höheres Gehalt zu erwarten. Nun muss man vorsichtig sein, diese Zahlen direkt zu übertragen, aber wir wissen nun, dass sich diese Faktoren positiv auf die Gehälter unserer Absolventinnen und Absolventen auswirken und wir können die Studierenden besser beraten. Außerdem werden wir ein Mentoringprogramm aufbauen und weiterhin Gehaltstrainings für Frauen anbieten. Es könnte in der langfristigen Evaluation interessant sein, herauszufinden, ob das Training einen positiven Effekt hat.
(Zuerst erschienen bei Zeit Online)Lesen Sie mehr zum Thema "Frauen im Beruf":
Frauenquote: Chefetagen sollen weiblicher werden
Wirtschaft: Noch lange keine Gleichstellung
Weiterbildung: Mentoring für weibliche Führungskräfte
Dieser Artikel ist erschienen am 25.06.2010

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