Junge Menschen sind flexibler und freier als jemals zuvor. Gleichzeitg streben sie nach der absoluten Perfektion, im Job wie in der Liebe. Doch Experten raten von diesem großen Ziel ab. Denn richtig glücklich wird nur der, der sich von zu hohen Ansprüchen verabschiedet.
Für Christian Seitz (Porträt siehe Bildergalerie) ist die eine Welt, die berufliche, in Ordnung. 2003 hatte der heute 31-Jährige den Mut, sich mit einer Tischlerei im niedersächsischen Buxtehude selbstständig zu machen. Er renoviert erfolgreich Fachwerkhäuser und alte Jahrmarktkarussells, hölzerne Schönheiten aus vergangenen Jahrhunderten. Traditionelle Handwerkskunst, das ist seine Leidenschaft. Er beschäftigt heute - je nach Saison - bis zu 25 Mitarbeiter. Und arbeitet selbst rund 15 Stunden am Tag. Auch am Wochenende ist er oft beschäftigt. "Jetzt bin ich noch jung, jetzt kann ich Geld verdienen", sagt er. "Wenn ich jetzt genug arbeite, kann ich mit 50 in Rente gehen. Das ist mein Traum."Die andere Welt, die private, ist dagegen nicht in Ordnung. So zufrieden Seitz im Job ist, so unzufrieden ist er nach Feierabend. Dabei hat er schon alles versucht, nicht mehr allein seine Freizeit verbringen zu müssen. Er sah sich auf dem Schützenfest nach der großen Liebe um, er meldete sich bei einer Dating-Plattform im Internet an, er machte sogar bei der NDR-Fernsehsendung "Land und Liebe" mit.Er lernte jede Menge Frauen kennen, aber sich fest binden, vielleicht sogar heiraten, das hat bis heute nicht geklappt. Seit fast zwei Jahren ist er solo. "Eigentlich bin ich ein totaler Familienmensch", sagt Seitz. Auch Kinder möchte er haben. Doch seine letzte Beziehung scheiterte an seinem Job.Seinen Traumjob hat Seitz gefunden, seine Traumfrau noch nicht: Seitz fehlt eine Partnerin, bei der er sich anlehnen und mit der er am Wochenende etwas unternehmen kann. Über die Fernsehsendung bekam er zwar Dutzende Zuschriften. "Ich hatte aber gar keine Zeit, all die Frauen anzurufen", sagt Seitz. Im Internet lernte er ebenfalls viele Frauen kennen, die sich wie er eine feste Partnerschaft wünschen. Doch die meisten, so seine Erfahrung, gehen lieber langsam vor und wollen erst wochenlang nur mailen. Seitz hat dazu keine Muße."Ich sitze Menschen lieber direkt gegenüber. Wenn ich deshalb gleich zu Beginn ein Treffen vorschlage, finden das aber viele Frauen komisch." Von der Vorstellung, die Traumfrau zu finden, hat er sich inzwischen sogar verabschiedet. Lange war er auf der Suche nach ihr. Heute sagt er: "Sie sollte einfach gut zu mir passen und Verständnis für meinen Job aufbringen."Die Perfektion ist das große ZielSo wie Christian Seitz geht es vielen jungen, gut ausgebildeten Menschen. Wir machen Abitur, ziehen von zu Hause aus, gehen zum Studieren nach Berlin, Hamburg oder München, absolvieren Praktika in China und Südafrika, reisen mit dem Rucksack durch Australien und ignorieren die Krise weitgehend. Wir verdienen unser erstes gutes Geld, gründen eventuell ein eigenes Unternehmen. Kurzum: Wir haben die Freiheit, alles zu tun, was wir möchten. Und nutzen sie auch.Die Ansprüche unserer Generation sind hoch: Nicht nur der Job soll die Erfüllung bringen, auch der Partner sollte möglichst perfekt sein. Mit einem Kompromiss wollen sich die wenigsten von uns zufrieden geben. Doch wer zwölf Stunden pro Tag oder mehr im Büro verbringt, der hat weniger Möglichkeiten, die große Liebe per Zufall zu treffen. So wie Christian Seitz. Er liebt seine Firma, er arbeitet viel und lange. Trotzdem sagt er, "dass ihm irgendetwas im Leben fehlt", um richtig glücklich zu sein.Doch geht das überhaupt, richtig glücklich sein, den perfekten Job und den perfekten Partner zu finden und dann auch zu halten? Experten warnen vor dem Wunsch nach einem Leben ohne Kompromisse: "Glück ist im menschlichen Bauplan nicht angelegt", sagt der Kölner Psychologe Stephan Grünewald."Wer ein stimmiges Privatleben sucht und gleichzeitig auch Karriere machen will, der schafft dies nur, indem er beruflich und privat Abstriche macht und den hohen Erwartungsdruck in allen Lebensbereichen hinter sich lässt." Grünewald weiß, dass die hochgesteckten Wünsche an den Job und den Partner nur Probleme schaffen: "Übertriebene Ansprüche sind der Glückskiller Nummer eins."
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Foto: G. Altmann/Pixelio
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