Porträt

Gegenentwurf zur Altherren-Vorstandsriege

Stefani Hergert
Amel Karboul ist in der ganzen Welt zuhauseFoto: © privat
Bei Neuwaldegg bleibt sie fünf Jahre, bevor sie sich selbstständig macht. Drei Büros führt sie heute: in Köln, in Tunis und in einer Kleinstadt im US-Bundesstadt Virginia. Ihre Assistentin und die Buchhaltung arbeiten in Tunesien. Karboul hat Kunden weltweit, wegen der Kinder hat sie die USA in den vergangenen Jahren ein wenig vernachlässigt, will nun stärker in Asien Aufträge annehmen.
Karboul pendelt nicht nur im Herzen zwischen den Welten. Sie hat zwei Wohnsitze, ein Haus in Tunis, eines in Köln. Eigentlich ist es egal, wo sie wohnt. "Es macht doch keinen Unterschied, ob ich von Köln oder Tunis nach Rom fliege", sagt sie. Etwa ein halbes Jahr lebt sie in Tunis, den Rest in Köln. Die beiden Töchter sind meist dabei. Karboul hat früher Kinderbücher immer doppelt gekauft. Wenn sie unterwegs war, las sie der Tochter am Telefon oder via Skype vor, am anderen Ende konnte die Kleine die Bilder mitverfolgen. Das hat sie erst einmal eingestellt, doch wenn die 13Monate alte jüngere Tochter älter ist, führt sie das vielleicht wieder ein. "Früher hatten wir fast alles dreifach - Sommer-, Winterkleidung, Computer, Drucker", sagt Karboul. Sie hat das reduziert.Was ist Heimat?Ein Leben, wie Karboul es führt, wirft viele Fragen auf. Zum Beispiel, was ist Heimat für jemanden, der in einem fünfsprachigen Haushalt aufgewachsen ist und selbst mühelos zwischen Arabisch, Englisch, Deutsch und Französisch wechseln kann? "Im Beruf bin ich schon ziemlich deutsch", sagt Karboul. Zuverlässig, strukturiert, mit hohem Qualitätsanspruch. Doch im Privaten sei sie sehr arabisch geprägt. Eigentlich ist sie ein Weltbürger, so schrecklich dieses Wort auch klingt. "Wenn ich in Deutschland bin, fühle ich mich nicht deutsch, wenn ich in Tunesien bin, nicht tunesisch."Ohne exakte Organisation funktioniert das Leben der Familie nicht. Ihr Mann, ein Deutscher, katholisch, selbstständig wie sie, reist genauso oft, arbeitet auch mal von Tunis aus, wenn sie und die Kinder dort sind. Sie haben einen Online-Kalender, eine Spalte für die Familie, eine für sie, eine für ihren Mann. So weiß jeder, wer wann wo ist.Karboul versucht, im Schnitt nicht mehr als zweieinhalb Tage in der Woche von den Töchtern getrennt zu sein. Wenn sie und ihr Mann unterwegs sind, springen die Großeltern ein. Fliegen ein, aus Valencia, wo die Eltern ihres Mannes leben, oder aus Tunis. Karboul erklärt ihr Familienleben mit einem Satz, den sie auch gerne den Kunden sagt: "So kompliziert wie das klingt, ist es gar nicht."Vita1973 Sie wird in Tunis/Tunesien geboren.1991 Nach dem Abitur kommt sie zum Ingenieurstudium nach Karlsruhe.1996 Sie steigt als Trainee bei Mercedes-Benz ein.1997 Karboul beginnt im Einkauf bei Daimler-Chrysler, kümmert sich schon hier um Innovationsmanagement.1999 Sie wechselt in die Daimler-Chrysler Corporate University und macht parallel die erste Weiterbildung zum Thema Coaching. Weitere Ausbildungen in Europa und in den USA folgen.2002 Karboul zieht nach Wien und wird geschäftsführende Partnerin bei der Beratungsgruppe Neuwaldegg.2007 Sie gründet ihre Beratung Change, Leadership & Partners mit Schwerpunkt systemische Organisationsberatung und Manager-Coaching, heute hat sie Büros in Tunesien, Deutschland und in den USA.Lesen Sie mehr zum Thema "Frauen im Beruf":
Unternehmerin: Aus Schattenfrau wird Lichtgestalt
Mentoring für weibliche Führungskräfte
Dieser Artikel ist erschienen am 20.04.2010

Der jobturbo: eine suche - alle jobs

Thema des Tages

Büro-Organisation

Allgemeinbildung

Werden Sie eine Fair Company

 

Die besten Trainee-Stellen

Karriere-Städteranking

Jobsuche + Bewerbung

Wer verdient wieviel?

Newsletter bestellen

Berufsreport