Großkanzleien

Gefragte Wirtschaftsjuristen

Kirstin von Elm
Junge Branche: Viele Jura-Absolventen sind noch keine 25 Jahre altFoto: © Fotolia IX - Fotolia.com
Obwohl Unternehmen auf dem Jobmarkt viele berufserfahrene, wechselwillige Anwälte vorfinden, haben auch Einsteiger Chancen auf eine Anstellung in der Rechtsabteilung: "Was die Unternehmen hier beim Gehalt sparen, investieren sie stattdessen lieber in eine maßgeschneiderte Ausbildung", erklärt Szangolies von Michael Page die Strategie seiner Kunden. Die Spezies der Diplom-Wirtschaftsjuristen kann allerdings noch längst nicht jeder Personaler richtig einordnen. "Ich habe drei Praktika gemacht und eine betreute Diplomarbeit geschrieben und musste mein Studienfach jedes Mal erst erklären", hat Busch festgestellt. Sein Jobangebot von Lovells kam über einen persönlichen Kontakt von der Uni zustande. Hochschulen, die Wirtschaftsjuristen ausbilden, bemühen sich folgerichtig um einen guten Draht zu Kanzleien und Konzernen, vermitteln Praktika und Diplomarbeiten und pflegen den Kontakt zu ihren Ehemaligen. Durchaus mit Erfolg. "Firmen, die bereits Absolventen von uns beschäftigen, rufen regelmäßig hier an und wollen mehr", freut sich etwa Thomas Schomerus, Professor der Universität Lüneburg. Besonders beliebt seien seine Studenten in der Energiebranche bei Unternehmen wie Eon Avacon, Statkraft oder Conergy.
Außerdem halten auch die großen Steuerberatungen und Wirtschaftsprüfer Ausschau nach den Newcomern. "Diplom-Wirtschaftsjuristen sind uns sehr willkommen", bestätigt Bernhard Riester, Personalchef bei PricewaterhouseCoopers (PwC).
Foto: © Junge Karriere
Von insgesamt etwa 2000 Wirtschaftsprüfern in Deutschland arbeitet rund die Hälfte bei PwC, bereits seit Einführung des Studiengangs Wirtschaftsjura Mitte der 90er-Jahre beschäftigt das Unternehmen Studenten und Absolventen dieser vergleichsweise jungen Fachrichtung.
Auch bei Deloitte, KPMG oder Ernst & Young weiß man die Kombination aus Jura und BWL sehr zu schätzen. Swetlana Moor hatte jedenfalls keine Probleme bei der Job-suche. Seit November 2007 arbeitet die 24-Jährige, die in Bremen internationales Steuer- und Wirtschaftsrecht studiert hat, bei Ernst & Young in Hamburg. "Eine Kommilitonin hat mir von der Arbeit hier vorgeschwärmt, daraufhin habe ich eine Initiativbewerbung geschickt", verrät sie. Im Team Transaction Tax begleitet sie Unternehmenskäufe und -fusionen von der steuerlichen Seite und berät ihre Mandanten - durchweg weltbekannte Unternehmen -, wie sie am besten auf Gesetzesänderungen reagieren oder durch Umwandlungs- und Neustrukturierungsmaßnahmen Steuern sparen können.Anders als in einer Anwaltskanzlei stehen der jungen Wirtschaftsjuristin, die fließend Englisch und Russisch spricht, bei Ernst & Young die gleichen Karrierechancen offen wie Wirtschaftswissenschaftlern oder Volljuristen. Auf mittlere Sicht kann sie bei guten Leistungen also Senior Managerin und später sogar Partnerin werden. Dass sie 2010 zum Steuerberaterexamen antreten wird, ist bereits Bestandteil ihrer Zielvereinbarung. Ein dreimonatiger Auslandseinsatz gilt als Karrierebeschleuniger und ist ebenfalls vorgesehen. Egal, ob sie bei Ernst & Young bleibt, zu einem Wettbewerber wechselt oder zu einem großen Unternehmen geht oder sich eines Tages als Steuerberaterin selbstständig macht - der Topjob ohne Staatsexamen ist ihr jedenfalls sicher.Moot Court: Verhandeln wie die Anwaltsprofis
Dieser Artikel ist erschienen am 01.04.2008

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