Fressnapf

Futter bei die Fische

Petra Schäfer
Jacky Klinger selbst schätzt den Fressnapf-Erfinder als "starken, fairen und erfolgsorientierten Charakter", mit dem ihn eine echte Freundschaft verbinde. Spätestens, seit Klinger 1995 für seinen ersten Fressnapf in Euskirchen bei Köln schnell und unbürokratisch 20000 D-Mark brauchte. Toeller habe ihm das Geld geliehen - damit Klinger davon mehrere Paletten Katzenfutter beim konkurrierenden Laden in der Stadt aufkaufen konnte.Der Wettbewerber hatte das Futter zu Dumpingpreisen angeboten, um Fressnapf in die Knie zu zwingen. Doch er hatte die Rechnung ohne Toeller gemacht. Am Ende ging der Konkurrenz das Futter aus, Klingers Laden war gerettet und Toeller bekam günstig jede Menge Whiskas.Die Schwänke aus alten Tagen können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass manche Franchisenehmer derzeit um ihre Einnahmen fürchten. Denn in Ballungsgebieten sollen zusätzlich zu den bestehenden Märkten immer mehr Fressnapf-XXL-Märkte eröffnen. In diesen Großflächenmärkten werden neben Tieren und Zubehör zusätzliche Services wie Hundefriseure angeboten.Ein Magnet, der Stammkunden weglocken könnte. Toeller glaubt nicht, dass der Markt bereits gesättigt sei. 23 Millionen Haustiere, die 2008 bei tierverrückten Deutschen lebten, benötigten auch in Zukunft mehr Futter, Körbchen und Co.Trotz Erfolg bleibt Fressnapf-Chef Toeller bodenständigWenn Toeller selbst um seine Franchiseeinnahmen fürchtet, ist er aber auch nicht zimperlich. Einer MarktInhaberin in den neuen Bundesländern schickte er die Kündigung, weil sie die Franchisegebühr nicht gezahlt hatte. Doch damit nicht genug: Der Chef ließ auch gleich die Schlösser am Markt austauschen. Die Sache wird jetzt vor Gericht geklärt. Das sind aber Ausnahmen. Selbst Christian Prasse, stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Franchisenehmer-Verbandes, bezeichnet Toellers System als fair. Er hat als Rechtsanwalt schon mehrfach die Interessen einiger Fressnapf-Betreiber gegenüber der Zentrale vertreten und so immer wieder mit Toeller auf der Gegenseite zu tun gehabt."Ich bewundere, dass er es trotz der vielen Auseinandersetzungen, die wir schon hatten, immer noch sportlich nimmt." Legendär für Prasse: Nach einem Gerichtstermin schloss er in einem Lokal mit Toeller und dessen Anwalt einen Vergleich auf einem Bierdeckel. Danach tranken sie gemeinsam eine Tasse Kaffee.Gemessen an anderen deutschen Unternehmenschefs ist Toeller privat relativ unprätentiös. Er gönnt sich zwar ein paar schnelle Sportwagen und sammelt japanische Koi-Karpfen. Das sind aber die einzigen Ausflüge Richtung Luxus. Vielleicht liegt das auch daran, dass er nach dem Abitur auf der Klosterschule nicht zur Uni gegangen ist, sondern als Azubi im Einzelhandel angeheuert hat. Er weiß, was hartes Arbeiten bedeutet, ist direkt nach der Ausbildung und einem einjährigen Studium an der Bundesfachschule des Lebensmitteleinzelhandels ins Berufsleben eingestiegen.Manchmal bereut er es, dass er nicht studiert hat. Er wäre gerne mal ins Ausland gegangen. In solchen Momenten guckt er kurz aus seinem Fenster auf die rauchenden Schlote in Duisburg, wo er auch wohnt. Er mag diese Industrieromatik, weil sie ihn erdet. "Denn manchmal denke ich, dass ich den ganzen Erfolg nur geträumt habe", sagt Toeller.

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