Fressnapf

Futter bei die Fische

Petra Schäfer
Torsten Toeller legt Wert auf MitarbeiterkommunikationFoto: © Emanuel Bloedt
Viele seiner Mitarbeiter kommen von namhaften Futterherstellern wie Mars und Nestlé oder von Handelskonzernen. Sie tauchen ein in den Fressnapf-Kosmos: "Viele Mitarbeiter, die von Handelskonzernen oder Lebensmittel-Discountern kommen, müssen wir erst mal ,resozialisieren'. Sie sind Einzelkämpfer, aus denen wir vernünftige Menschen machen", sagt Toeller mit einem Augenzwinkern. Als Erstes müssen die neuen Mitarbeiter das Firmen-Credo verinnerlichen, dass auf einer großen Tafel in der Eingangshalle der Zentrale hängt: "Wir sind der geilste Fachdiscounter der Welt."
Dass er um Talente kämpfen müsse, wie sonst im Handel üblich, bestreitet Toeller. "Wir bekommen mittlerweile die Besten", sagt er etwas großspurig. Seine Wachstumsstory komme auf dem Markt an: Bis 2011 sollen allein in Deutschland noch einmal rund 200 Fressnäpfe, Megazoos und Fressnapf XXL hinzukommen.Dieses und nächstes Jahr schafft das Fressnapf-System nach eigenen Angaben 1400 neue Arbeitsplätze. Toeller tut aber auch etwas für seine Mitarbeiter. In der ebenfalls in der Zentrale angesiedelten Fressnapf-Akademie werden pro Jahr 2000 Beschäftigte geschult. Sprachkurse, Strategie- und Verkäuferseminare, Grundlagen der Betriebswirtschaft und der Umgang mit Tieren stehen auf dem Stundenplan.Für die eigenen Mitarbeiter ist das Fort- und Weiterbildungsangebot kostenlos. Die Franchisenehmer müssen für die Kurse dagegen zahlen. So ist die Akademie Qualitätssicherungsinstrument und Einnahmequelle zugleich.Vom Familienunternehmen zum Franchise-KonzernDass nicht alle bei Fressnapf trotz des Haustier-Boom gleichermaßen beglückt sind, liegt auch am Wachstum selber. Toeller konnte nur deshalb so schnell expandieren, weil er früh auf Franchising setzte. 60 Märkte gehören ihm, die mehr als 700 anderen Läden in Deutschland werden von 350 Franchisepartnern getragen, die viel Kapital in den Aufbau investiert haben. Sie zahlen eine Franchisegebühr an Toeller für die Nutzung der Marke und beziehen ihre Ware in der Regel aus der Zentrale."Der eine oder andere ist unzufrieden, weil er an seinem Geburtstag keinen Anruf mehr von Toeller bekommt", sagt Jacky Klinger, selbst Inhaber von zehn Fressnäpfen und Mitglied im Firmenbeirat der Franchisenehmer. Besonders den Partnern der ersten Stunde fehlt der persönliche Draht zum Chef, die neuen Fressnapf-Manager stoßen bei ihnen auf Ablehnung.Aber alles kann der Gründer nicht mehr persönlich machen, weil sein Familienunternehmen inzwischen ein kleiner Konzern geworden ist. Fressnapf selbst ist bereits in zwölf Ländern in Europa aktiv. Vor fünf Jahren übernahm Toeller von seinem Schwiegervater den Getränkehändler Trinkgut. Im vergangenen Jahr kaufte er außerdem noch das Unternehmen Pferd und Reiter mit seinen 46 Pferdesportgeschäften.Das heißt mittlerweile Equiva und soll in fünf Jahren an 150 Standorten vertreten sein. Daneben ist Toeller noch Aufsichtsratsmitglied des Handelskonzerns Tengelmann und sitzt im Beirat der WestLB. "Jeder Mensch hat seine Grenzen", sagt Toeller selbst über sein Arbeitspensum.

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