Fressnapf

Futter bei die Fische

Petra Schäfer
Genauso schnell wie er Konzepte entwickelt, verwirft er sie aber auch, wenn die Zeit noch nicht reif ist. Dazu zählte auch der Internet-Shop. "Wir haben ein paar Millionen Euro im Online-Markt versenkt, weil wir damals einfach zu früh waren", sagt Toeller, der das E-Commerce-Abenteuer schon 2002 beendete. Jetzt soll der zweite Versuch erfolgen. "Wir steigen wieder ein", sagt Toeller. Der neue Internetauftritt soll im November online gehen. Der Markt für den Internet- und Katalogversand von Tierzubehör sei in Deutschland auf über 100 Millionen Euro gewachsen. Daher ist die Zeit für das Comeback reif.Und für eine neue Idee: Im Frühjahr folgt ein Portal im Internet, über das Dienstleistungen wie Reisen und Versicherungen für Tierhalter angeboten werden. Dem eigenen Selbstverständnis entsprechend will Toeller auch mit Fressnapf.de Marktführer werden. Diesmal könnte es aber schwieriger werden, weil die Konkurrenz gewarnt ist. Den Fehler, den Mann mit dem Stoppelbart und dem kleinen Doppelkinn noch einmal zu unterschätzen, werden sie nicht noch einmal machen.Toeller hat schon früh das Unternehmer-Gen in sich entdeckt. Als der Handelsbetriebswirt mit 23 Jahren im Marketing der Handelsgruppe Markant anheuert, wird ihm schnell klar, dass er als angestellter Manager langfristig "nicht tragbar" ist. Auf einer Marktforschungsreise für seinen Arbeitgeber in die USA findet er das Konzept großer Tierbedarfsmärkte besonders spannend. "Ich hätte auch Babyfachmärkte oder Ein-Euro-Läden machen können", erinnert sich Toeller, "aber ich bin mit vielen Haustieren aufgewachsen, die Idee hat mich von der ersten Sekunde an begeistert."Das Firmencredo lautet: "Wir sind der geilste Fachdiscounter der Welt"Auf dem Rückflug skribbelt er Katze und Hund als Logo und überlegt sich den Namen Fressnapf - als neues Vertriebskonzept für Markant und seine Kunden. Doch der Chef zuhause lehnt ab. Toeller zögert keinen Augenblick. Er kündigt seinen Job, leiht sich Geld und eröffnet seinen eigenen Supermarkt für Tiere. "Wollen Sie Zeit verlieren, oder was?", steht Toeller noch heute, zwei Jahrzehnte später und um einige Haare grauer, zu seiner Hals-über-Kopf-Entscheidung. "Es gibt immer ein Zeitfenster für eine Idee - das müssen sie ausnutzen, bevor es sich wieder schließt." Mit seinem Ladenkonzept besetzt Toeller eine Lücke zwischen Lebensmitteleinzelhandel und Zoofachhandel.Doch die Lücke ist zunächst erdrückend eng: Das Geschäft mit dem Tierfutter will nicht anlaufen, Toeller droht die Pleite. Um die Insolvenz zu vermeiden, versilbert der Autonarr sogar seinen BMW - mit den Lieferanten feilscht er um günstigere Preise für die Ware. Daraus entsteht die Idee des Fachdiscounters, die sich bei den Kunden durchsetzt. Zur rechten Zeit, denn Konkurrenten wie das Futterhaus, das mit gleichem Konzept nur wenig später als Toellers Fressnapf startet, bleibt nur Platz zwei in dem neuen Markt.Im Krefelder Laden, gleich vor den Toren seines Zentrallagers und der nagelneuen Verwaltung aus roten Klinkern, Glas und Stahl, läuft Toeller heute mit zügigen Schritten durch die Regalreihen. Er nimmt eine Dose in die Hand, wiegt sie in der Rechten auf und ab und streicht dann mit dem Daumen über das Etikett wie bei einem Feinkost-Hummersüppchen.Dabei ist der Inhalt für die Katze: Wild und Huhn mit Naturreis und Edel-Öl. "Real Nature ist unsere Eigenmarke im High-End-Segment, die ist auf dem Markt eingeschlagen wie eine Bombe", sagt Toeller in seinem besten PR-Deutsch. Gemeinsam mit Wissenschaftlern und Handelsfachleuten entwickelt Fressnapf immer neue Eigenmarken.

Der jobturbo: eine suche - alle jobs

Büro-Organisation

Allgemeinbildung

Werden Sie eine Fair Company

 

Die besten Trainee-Stellen

Karriere-Städteranking

Jobsuche + Bewerbung

Wer verdient wieviel?

Newsletter bestellen

Berufsreport