Kasper Rorsted

"Für nichts bekommt man nichts"

Tanja Kewes, Martin Maibücher
Noch mal zu den Karrierechancen bei Ihnen. Stellen Sie jetzt in der Krise eigentlich nur den typischen BWLer ein oder auch Exoten? 
Wir stellen in vielen unterschiedlichen Bereichen Absolventen ein, so dass BWL nicht der einzige Weg zu Henkel ist. Gerade Naturwissenschaftler sind in vielen Bereichen sehr gefragt. Aber auch Exoten haben eine Chance, denn es geht vielmehr um die Persönlichkeit. Man muss uns überzeugen, dass man gute Leistung bringen kann und ins Team passt.
Sie sind Vater von vier Kindern. Was raten Sie denen bei der Studienwahl? Sollen sie ihren Leidenschaften folgen oder strategisch vorgehen? 
Ich denke, es ist enorm wichtig, dass sie das machen, was sie selbst wirklich wollen. Was sie am Ende werden, liegt in ihren Händen und weniger bei den Personalabteilungen oder Chefs. Da jedoch mein Vater schon Professor für Wirtschaftswissenschaften war, ich selbst ein Wirtschaftsstudium absolviert habe und auch meine Frau einen MBA hat, sind sie aber schon etwas in Richtung Wirtschaft vorbelastet.
Sie haben ja selbst auch einmal klein angefangen. Gab es mal so einen ganz schlimmen Job den Sie einmal gemacht haben während Ihrer Studienzeit oder als Schüler? 
Ja, davon gab es sehr viele. Ich habe auch schon sehr früh angefangen, mit Ferienjobs mein Taschengeld aufzubessern. Mit 13 Jahren habe ich schon in einer Eisdiele gearbeitet. Und als ich dann an einer Universität in Amerika studieren wollte, wollte mein Vater mir das aber nicht komplett finanzieren. Aus diesem Grund habe ich während meiner Studienzeit viele verschiedene Jobs gemacht. Ich habe auch Klos geputzt, und das nicht nur ein paar Tage lang. Drei Jahre war ich neben meinem Studium bei einer Reinigungsfirma auf Messen tätig. An den habe ich natürlich nicht so gute Erinnerungen. Dafür wurde es aber vergleichsweise gut bezahlt. Und dann habe ich, wie viele andere Studenten damals und heute auch, als Barkeeper gearbeitet. Später war ich dann auch mal Lagerist. Ich habe eigentlich fast alles ausprobiert, aber die Klos sind mir natürlich besonders in Erinnerung geblieben.
Was haben Sie dabei für das Leben gelernt? 
Ich habe alle Ebenen der Gesellschaft kennengelernt. Zudem habe ich erfahren, dass man für nichts tun auch nichts bekommt. Das ist eine sehr wichtige Erfahrung und spornt an. Und man lernt auch, dass Geld, das man selbst verdient, viel wertvoller ist als Geld, das man von seinen Eltern oder sonst wem geschenkt bekommt.
Was wünschen Sie sich für 2010? Ganz privat - oder auch für die Gesellschaft? 
Privat wünsche ich mir etwas mehr Zeit für meine Familie. Für die Gesellschaft wünsche ich mir, dass wir alle durch ein weniger turbulentes Jahr 2010 gehen werden, als es 2009 war.
Zur PersonDer 47-jährige Rorsted ist gebürtiger Däne und leitet den Konsumgüterkonzern Henkel. Er ist damit einer der wenigen Ausländer an der Spitze eines Dax-30-Konzerns. Nach dem Wirtschaftsstudium in Kopenhagen startete Rorsted seine berufliche Laufbahn in der IT-Branche als Marketing- und Vertriebsmanager. Er wechselte schließlich über Oracle zu Compaq und ging nach der Übernahme durch Hewlett-Packard zur neuen Mutterfirma.Im April 2008 übernahm er den Vorstandsvorsitz von Henkel in Düsseldorf-Holthausen. Zusammen mit der neuen Chefin des Aufsichtsrats, Simone Bagel-Trah, 40, bildet er das jüngste Führungsduo im Dax. Rorsted ist verheiratet und hat vier Kinder. Er lebt seit 19 Jahren in Deutschland und ist mittlerweile von München nach Düsseldorf gezogen. In seiner Freizeit geht er am Rhein joggen, spielt Tennis und fährt im Winter Ski. Als Jugendlicher war Rorsted mit seiner Handballmannschaft dänischer Meister.
Dieser Artikel ist erschienen am 01.01.2010

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