Kasper Rorsted

"Für nichts bekommt man nichts"

Tanja Kewes, Martin Maibücher
Kasper Rorsted ist seit April 2008 Vorstandschef beim Konsumgüterkonzern Henkel in Düsseldorf. Im Interview spricht er über die Vielfalt in Führungsetagen, das Recruiting in der Krise und seinen Nebenjob als Kloputzer.
Kasper Rorsted leitet die Geschicke bei HenkelFoto: © PR
Herr Rorsted, Sie waren mit Mitte 30 bereits für 40.000 Mitarbeiter verantwortlich und haben einen Umsatz von 20 Milliarden Euro verantwortet. Wie haben Sie das geschafft?
Ich habe manchmal das Glück gehabt, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Zur Karriere gehört aber sicherlich auch eine Portion Risikofreudigkeit bei Entscheidungen, oder wie es in Deutschland heißt: "Wer nicht wagt, der nicht gewinnt." Und dann habe ich eine Familie, die akzeptiert, dass ich leider nur wenig Zeit zuhause verbringe.
So früh solche Verantwortung übertragen zu bekommen, kann ja auch schief gehen. Gab es mal kritische Situationen in Ihrer Karriere? 
Ja, natürlich. Im Rückblick sieht immer alles sehr rosig aus. Die Realität ist aber nicht selten eine andere. Im Laufe der Jahre gab es auch bei mir schwierige Phasen. Dazu gehörte ein Karriereknick, den ich im Jahr 2004 hatte. Da muss man sich natürlich die Frage stellen: Was ist passiert? Was hast du falsch gemacht? So eine Erfahrung hilft aber sicherlich dabei, nicht die Bodenhaftung zu verlieren.
Was war das für ein Karriereknick? 
Ich war Europachef von Compaq, der damals größten Computerfirma in Europa. Wir sind dann 2002 von Hewlett-Packard übernommen worden, und ich wurde Europachef von Hewlett-Packard. Etwa zwei Jahre später wurden über Nacht mehrere ehemalige Compaq-Manager entlassen. Ich habe das erfahren, als ich mit meiner Frau und meinen Kindern im Urlaub am Strand saß. Am Telefon sagte man mir: "Kasper, I'm sorry to say that, but we're firing you." Dieser Rausschmiss war schon hart, zumal ich erst vier Wochen zuvor das Angebot angenommen hatte, für Hewlett-Packard in die USA zu gehen. Das muss man erst einmal verdauen.
Wie ging es dann weiter? 
Ich hatte das große Glück, dass ich innerhalb eines Monats elf andere Jobangebote bekommen habe. Das hat mich dann wieder aufgebaut. Ich war damals 42 Jahre alt und hatte keine Eile, irgendeine Entscheidung zu treffen. Mit Henkel war ich dann über einen längeren Zeitraum in Kontakt. Und ich habe mir überlegt, wenn ich einen Branchenwechsel machen möchte, dann ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt. Mit 42 bin ich immer noch jung genug, um etwas ganz Neues zu lernen. Und so habe ich dann für mich eine fantastische Entscheidung getroffen. Ich habe den Vertrag bei Henkel unterschrieben und mir dann eine kurze Auszeit gegönnt. Von Ende Dezember bis Anfang April konnte ich für fast vier Monate Skifahren gehen. Ich bin mit großem Einsatz und Schnelligkeit durch mein Studium gegangen, hatte bis dahin wenig freie Zeit für mich und freute mich umso mehr über diese Geleghenheit.
Wie haben Sie den Wechsel geschafft, von der High-Tech-Industrie zum Konsumgüterhersteller und auch von einem amerikanischen Unternehmen zu einem deutschen Familienkonzern? 
Die Umstellung war groß, aber ich war sehr motiviert und habe mich reingehängt. Und es hat natürlich auch einige Zeit gedauert, bis ich alles wirklich verstanden habe. Jetzt bin ich fünf Jahre bei Henkel und kenne mich sehr gut aus. Aber wie immer in einer neuen Funktion oder Branche sind die ersten Monate enorm hart, weil alles neu ist. Sie müssen die Mitarbeiter, die eigenen Produkte und die Kunden kennenlernen, Netzwerke aufbauen und Erfahrungen sammeln.
Sie sind gebürtiger Däne. Was unterscheidet dänischen und deutschen Managementstil? 
Ich lebe ja jetzt schon seit 19 Jahren in Deutschland und fühle mich auch sehr wohl hier. Was mir aber nach wie vor auffällt, ist, dass die Dänen etwas lockerer sind als die Deutschen und dadurch vielleicht etwas weniger präzise. Ewas übertrieben gesagt und bildlich gesprochen: In Deutschland weiß man ganz genau, in welcher Stadt, in welcher Straße und in welchem Haus es ein wirtschaftliches Problem gibt. Aber man überlegt lange, wie man damit umgehen soll. Der amerikanische und skandinavische Stil ist, dass wir sagen: Irgendwo in Süddeutschland gibt es ein Problem und hier ist die Lösung! Lass es uns einfach versuchen. Also die Herangehensweise ist sehr unterschiedlich.

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