Porträt

Für die rosarote Brille ist kein Platz

Claudia Obmann
Sie selbst hält sich für konservativ. Und macht das an ihrem zwiespältigen Verhältnis zu ihrem bekannten Namen fest. Das erste Mal entzifferte sie ihn als Vierjährige in einem Schaufenster. "Der Ladenbesitzer war kein Onkel von mir, wie ich dachte, sondern der Optiker nebenan", erzählt die Ur-Urenkelin von Joseph Rodenstock - dem Gründer der Dynastie. Das prägt. Als Kind fühlte sie sich als Teil von etwas Großem. Doch dann, bis zum Ende ihres Studiums noch, wäre sie ihren Nachnamen gern losgeworden, hätte lieber Müller oder Meier geheißen. "In der Schule, im Bekanntenkreis - überall stand ich unter Beobachtung. Dauernd hieß es, was macht die Rodenstock?"Als sie vor fünf Jahren heiratete, entschied sie sich trotzdem für einen Doppelnamen. "Ich wollte klassisch den Namen meines Mannes annehmen. Doch auf der anderen Seite hatte ich Naviget gegründet und das Gefühl, jetzt bin ich auch endlich jemand eigenes unter dem Namen Rodenstock. Meinen Weg zu finden und mich darüber mit meinem Namen anzufreunden, hatte mich so viel Kraft gekostet, dass ich ihn nicht mehr aufgeben wollte."So oder so. Die Brillen-Ära ist vorbei, die Rodenstocks müssen sich entscheiden, mit welchen Werten oder Projekten ihr Name künftig verbunden sein soll - auch einer der vielen Punkte, die die Naviget-Chefin mit Klienten klärt. Einen Workshop dazu hat Beatrice ihrem Vater jüngst zum 62. Geburtstag geschenkt. Und obwohl der konkrete Zeitpunkt noch offen ist, wann ihr Vater als Geschäftsführer derjenigen Gesellschaft abrittt, die die diversen Beteiligungen der Familie verwaltet, ist sich Beatrice Rodenstock sicher: "Unsere Vermögensverwaltung wird mein Paradestück in Sachen Nachfolgeplanung."VITA
Beatrice Rodenstock
wird in München geboren.
Nach dem Abitur geht sie als Presseassistentin zum Modehaus Cerruti 1881 nach Paris.Ihr Studium an der Ludwig-Maximilians-Universität in München schließt sie als Diplomsoziologin ab und steigt bei DaimlerChrysler als interne Beraterin ein. Ihre Hauptaufgabe: Fusionsfolgen mildern.Mit Bekannten gründet sie das Online-Start-up MediaTradeCenter in München, verlässt es aber kurze Zeit später.Sie gründet mit Bekannten die Münchener Beratungsfirma Naviget. Sie berät vor allem Geschäftsinhaber, die eine optimale Nachfolgelösung suchen.
Dieser Artikel ist erschienen am 22.06.2010

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