Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger reicht eine Frauenquote nicht. Er strebt eine ganz neue Unternehmenskultur an - mit kürzeren Arbeitszeiten für Manager und E-Mail-Pausen an den Wochenenden.
Herr Sattelberger, Sie haben sich zum Anwalt der Frauen aufgeschwungen. Wie viele Chefinnen gibt es in Ihrem Ressort? Wir haben deutlich über 30 Prozent der neu zu besetzenden Führungspositionen an Frauen vergeben, darunter zentrale Aufgaben wie die der Personalchefin für den Bereich Systemintegration mit über 20 000 Beschäftigten. Insgesamt sind in meinem Ressort ein Viertel der Führungskräfte Frauen. Zu wenig!Im Personalbereich arbeiten meist viele Frauen. Wie hat sich die Zahl der weiblichen Führungskräfte entwickelt, seitdem Sie 2007 Vorstand wurden? Im Personalbereich ist sie um zwei bis drei Prozent gestiegen.Als Sie die Frauenquote Mitte März ankündigten, sagten Sie, weitere Unternehmen würden folgen. Sind Sie enttäuscht, dass es dazu noch nicht gekommen ist? Ich bin immer noch überzeugt, dass weitere Konzerne folgen. Die öffentliche Selbstverpflichtung eines deutschen Unternehmens wie der Telekom auf die Quote hat zu intensiven Diskussionen in anderen Unternehmen geführt. Das höre ich von meinen Kollegen. Das ist ja auch eine Frage der Reputation. Es kann ja auch nicht sein, dass die Wirtschaft sich in dieser Frage von der öffentlichen Meinung isoliert.Wieso haben Sie die Besetzung von Vorstand und Aufsichtsrat von der Quote ausgenommen? Diese Besetzungen bestimmen nicht wir als Vorstand. Aber wir sind dabei, für die Anteilseignerseite der Aufsichtsräte unserer Töchter und Enkelgesellschaften eine Frauenquote einzuführen. 30 Prozent erscheint mir auch hier geeignet.Quoten-Kritiker argumentieren, dann würde nicht mehr der Beste den Job kriegen. Ich sitze seit 20 Jahren auf Stühlen, wo Karrierepolitik gestaltet wird. Ich habe in dieser Zeit ebenso viele Entscheidungen nach Kompetenz und Qualifikation erlebt wie solche nach Seilschaft, Treuebonus, nach strategischer Platzierung oder nach Aufbau von Hausmacht. Das zeigt doch, dass diese Debatte pharisäerhaft geführt wird.Wieso sind denn Frauen bislang nicht nach Treuebonus und Hausmacht befördert worden? Das liegt an den geschlossenen Systemen, die in vielen Unternehmen existieren. Dabei rekrutieren sich die Anführer und Mitstreiter seit vielen Jahrzehnten aus der gleichen Gruppe und folgen den gleichen Ritualen und ungeschriebenen Gesetzen. Auf diese Weise wird immer wieder Ähnlichkeit produziert. Die Frauenquote ist für mich deshalb auch eine ganz bewusste, kulturpolitische Weiterentwicklung eines Unternehmens - und zwar in eine moderne Welt hinein.
Deutschland ade: Unternehmen verlagern Produktion, Verwaltung und Forschung in alle Welt – weil Schwellenländer wettbewerbsfähiger werden und Manager durch Herkunft und Werdegang so weltoffene wie nüchterne Kalkulierer sind wie keine Generation vor ihnen.
Meterhohe Aktenstapel, Fotos von den Kindern, Spielfiguren aus Plastik: Schreibtische sind nicht nur nüchterne Arbeitsfläche, sondern Spiegel der Seele und unserer Gesellschaft. Weil unsere Arbeitswelt im Umbruch ist, wird der eigene Schreibtisch aber zum Auslaufmodell. Die Zukunft gehört flexiblen Arbeitsplätzen.
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Foto: G. Altmann/Pixelio
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