Karriere

Finanzkrise? Lassen Sie sich ja nicht aufhalten!

K. Ludowig, T. Knipper, dfr, tkn, cmo
Jens Ohle vom Personaldienstleister Access kann diesen Gedanken nachvollziehen. Er glaubt, dass sich die Konjunktur und damit auch die Situation auf dem Arbeitsmarkt im Sommer 2010 wieder deutlich entspannen wird. "Die Dax-30-Unternehmen stehen aktuell viel besser da als im Jahr 2000/2001. Wenn man nicht an den Weltuntergang glaubt, werden wir die Konjunkturflaute übernächstes Jahr überwunden haben", prognostiziert er. Was in jeder Finanz- und Wirtschaftskrise früher oder später entbrennt, ist die Suche nach den Schuldigen. Dabei gelten die übertriebenen Praktiken der Investment-Banker als Spitze des Eisbergs."Man muss aufpassen, dass man auf dem Boden bleibt"Eine Kronzeugin ist Andrea Lanz. Die junge Deutsche hat ihre Zeit bei Lehman Brothers als eine Art Hype erlebt. "Man muss aufpassen, dass man auf dem Boden bleibt. Die Investment-Banker haben überwiegend an die Größe des Deals und die damit verbundenen Boni gedacht und zu wenig an das, was danach kommt." Aber was bringt es, die Schuldigen zu kennen? Viel wichtiger ist die Antwort auf die Frage, welche Lehren aus der Krise gezogen werden können. Und welche gezogen werden müssen. Für den Managementphilosophen Andreas Philipp, der Kunden wie BMW, die Postbank und Siemens bei Fragen zur Ethik und zum nachhaltigen Führen eines Unternehmens berät, ist die Finanzkrise die Quittung für entfremdetes Wirtschaften.Für ein Handeln, das nur noch dem Selbstzweck dient und nicht mehr den Menschen. Er bezieht sich in seiner Kritik nicht allein auf die Finanzindustrie, sondern nimmt die Unternehmen aller Branchen in die Verantwortung. "Die Vorbilder in den Chefetagen leben dem Nachwuchs falsche Wertvorstellungen vor", lautet sein Vorwurf. "Es geht häufig nur darum, der Konkurrenz eine Nasenlänge voraus zu sein, ohne zu überprüfen, ob den Geschäften ein angemessener volkswirtschaftlicher Wert gegenübersteht." Er wünscht sich Banker und Manager, die sich wieder mehr mit ihrem Beruf identifizieren und nicht nur an das große Geld denken; die bereit sind, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. "Ob ich ein Finanzprodukt zusammenstelle, ein Auto baue oder Energie erzeuge - ich sollte mich immer fragen: Was bewirkt das für das Unternehmen, für die Gesellschaft, für die Umwelt?"Gerade in der Krise setzt er seine Hoffnungen auf junge Ein- und Aufsteiger. "Die unsichere Situation bietet große Chancen für die junge Generation, ihre ganzheitliche Sichtweise einzubringen. Seit Jahren sind gestandene Führungskräfte erstmals bereit, vermeintlich erfolgreiche Strategien zu hinterfragen", erklärt Philipp. Dabei verlangt er auch von Universitäten, Fachhochschulen und Business Schools Reformen in der Lehre. "Was wir brauchen, sind Pflichtveranstaltungen zu den Themen ethische und soziale Unternehmensführung." Er fordert einen Anteil von 20 bis 30 Prozent.Wo soll es hingehen?Der "Schwarze Montag" 2008 dauerte wie der "Schwarze Freitag" 1929, an dem die amerikanische Börse zusammenbrach und die Weltwirtschaft in eine Krise stürzte, nur einen Tag. Die Folgen solcher Tage spüren die Menschen aber deutlich länger. Doch wenn die Schockstarre überwunden ist, nutzen viele die Gelegenheit, sich neu zu orientieren und noch einmal genau zu schauen, wo es eigentlich hingehen soll. Beispiel Lehmann Brothers. Nach dem Zusammenbruch wurden die Gehälter der Investment-Banker erst mal eingefroren und viele mussten tagelang um ihre Jobs bangen. Doch die Finanzkrise birgt gerade für sie neue Chancen. "Natürlich gab es Exzesse, aber jetzt sind viele deutlich kleinlauter", sagt ein ehemaliger Mitarbeiter von Lehman Brothers, der nicht genannt werden will. "Too big to fail", wir sind zu groß zum Versagen, das war das Motto. Jetzt steht fest: Scheitern kann jeder. Es ist keine Frage der Größe.

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