Interview mit Stefan Glänzer

"Es gibt Karrieren jenseits der McKinseys und Goldman Sachs"

Thomas Knüwer
Wenn jemand gründen möchte, aber keine Idee hat - gibt es ein Rezept, Ideen zu erzeugen? 
Viel sprechen ist eine Möglichkeit, auch viel sprechen mit Multiplikatoren. Das können Universitäten sein oder Angel Investoren oder große Kapitalgeber. Ganz häufig brauchen Gründer noch die Fähigkeiten von ein, zwei, drei anderen Menschen. Es gibt ja Menschen, die Ideen haben, denen aber die Kapazitäten fehlen, sie umzusetzen.
Bei all ihren Investments gab es auch Misserfolge. Wie weh tut es, den Stecker zu ziehen?
Ich mache das, was ich heute mache auch, weil ich gerne das Herzblut mit den meist jungen Teams teile. Sonst würde mir das keinen Spaß machen. Das bedeutet Erfolg und Misserfolg haben eine emotionale Ebene. Nehmen wir Mundwerk, eine Firma für Spracherkennung. Ich war dort 2000 bis 2004 Aufsichtsratschef, dann mussten wir es notverkaufen. Eine fantastische Technologie. Damals war ich traurig. Wenn ich mir aber anschaue, wer dort Praktikum gemacht hat, war es ein Riesenerfolg für die Gründerszene: André Alpar von Hitflip war da oder auch Lukasz Gadowski, der Spreadshirt gründete. Wenn ich mir heute anschaue, welches Klima wir geschaffen haben - dann hatte das auch wieder etwas Gutes.
Sie machen viele Dinge gleichzeitig. Wie lange kann man das durchhalten?
Sehe ich so angestrengt aus? In den ersten Jahren habe ich gelernt, meine Zeit effizient und effektiv zu nutzen. Die eine Seite ist: Wie lange kann man das durchhalten? Die andere: Hält es jung? Ich neige zu zweiterem. "Unser Traumziel war es, ohne ökonomischen Druck zu arbeiten, nicht angewiesen zu sein auf den monatlichen Gehaltsscheck." "Ich weiß, wir stehen vor großen Änderungen. Jungen Leuten versuche ich deshalb klar zu machen, dass sie sich die richtigen Vorbilder suchen."
Das Video zum Interview mit Stefan Glänzer finden Sie hier.Stefan GlänzerWährend seines BWL-Studiums und der anschließenden Promotion am Lehrstuhl für Internationales Management der Uni Hamburg gründete Stefan Glänzer, 48, mit seinen Freunden Christoph Linkwitz und Stefan Wiskemann einen Club. Es folgte Companions, eine Event- und Werbeagentur mit Corporate-Publishing-Ableger und TV-Produktion. 1998 gründeten die drei das Online-Auktionshaus Ricardo, das in der Hitze der New Economy gigantisch wuchs. Im Jahr 2000 verkauften die drei Gründer Ricardo an den britischen Konkurrenten QXL. Vor dem Deal war Glänzer als Teil des Gründertrios ein gefeierter Held, danach wurde der Hamburger für das eingenommene Geld angefeindet. Glänzer zog mit seiner Frau nach London und arbeitet seitdem als Investor. So finanzierte er unter anderem den Musikdienst LastFM, der 2007 von dem Musikkonzern CBS für 280 Millionen US-Dollar übernommen wurde.
Dieser Artikel ist erschienen am 01.06.2009

Der jobturbo: eine suche - alle jobs

Themen im Überblick

Werden Sie eine Fair Company

Allgemeinbildung

Jetzt Neu: Die besten Vertriebsjobs

Die besten Trainee-Stellen

Karriere-Städteranking

Jobsuche + Bewerbung

Wer verdient wieviel?

Newsletter bestellen

Berufsreport