"Es gibt Karrieren jenseits der McKinseys und Goldman Sachs"
Interview mit Stefan Glänzer
"Es gibt Karrieren jenseits der McKinseys und Goldman Sachs"
Thomas Knüwer
Stefan Glänzer hat mit zwei Freunden das Online-Auktionshaus Ricardo gegründet, später in die Musikplattform LastFM investiert und beide für viel Geld verkauft. Heute lebt der Hamburger in London, investiert in Start-ups und berät Gründer.
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Stefan Glänzer berät junge Gründer
Junge Karriere: In den 90ern war die Selbstständigkeit nach dem Studium noch nicht en vogue. Sie haben den Schritt mit zwei Freunden gewagt. Warum?
S. Glänzer: 1991 hatten Stefan Wiskemann, Christoph Linkwitz und ich alle sehr gute Uni-Abschlüsse. Mein Doktorvater meinte, als ich ihm erzählte, was wir vorhatten: "Und wozu habe ich Sie ausgebildet?"Wollten Sie schon immer Unternehmer sein?
Das kann ich gar nicht mehr sagen. Wir drei hatten schon den starken Wunsch, selber etwas zu machen. Vielleicht auch geprägt durch das Plattenauflegen. Das haben wir auf selbstständiger Basis gemacht und diese Freiheit sehr genossen. Der andere Punkt war: Ich hatte promoviert über Finanzinnovationen. Das war etwas sehr Neues. Damals habe ich erkannt: Ich möchte nicht in der Finanzbranche arbeiten. Das wäre zwar lukrativ gewesen, doch die Inhalte fand ich langweilig. Die Medien, ihre Inhalte wie die Menschen, die dort arbeiten, haben uns dagegen gereizt. Vielleicht war auch ein wenig Befriedigung der eigenen Eitelkeit dabei.Woher kam das Startkapital für Ihre Event- und Wergeagentur Companions?
Wir hatten unser eigenes Startkapital. Man konnte damals mit Sacheinlagen gründen. Wir haben also alle Schreibtische und Lampen zusammengekratzt, die wir bekommen konnten. Man brauchte 25 000 Mark, also 8 300 Mark für jeden. Das haben wir hingekriegt. Anders wäre es nicht gegangen: Damals war in Deutschland für eine solche Gründung kein Geld aufzutreiben.Das Schwierigste ist oft, die ersten Kunden zu finden. Wie haben Sie das geschafft?
Wir haben den harten Weg genommen. Akquirieren, irgendwo im weiteren Bekanntenkreis offene Türen finden. Wir haben im Bereich Event-Promotion angefangen, weil wir durch unseren Club eine gewisse Nähe zu diesem Geschäft hatten.Glauben Sie, dass es Konzerne gibt, in denen Mitarbeiter Freiheiten wie Sie genießen?
Ich hoffe, dass sich die Arbeitswelt mehr und mehr dahin entwickelt. Und ich sehe zumindest einige Zeichen. Es gibt natürlich einen schwierigen Punkt: Für eine große Freiheit muss derjenige, der sie genießt, in letzter Konsequenz auch die Verantwortung übernehmen. Das aber geht bei großen Organisationen nicht. Ich glaube aber, dass insgesamt immer mehr Mitarbeiter immer mehr Freiheiten erhalten. Es ist 150 Jahre her, seit die Unternehmen und die Arbeiterklasse begannen miteinander zu ringen. Im 21. Jahrhundert stehen wir in westlichen Ländern vor anderen Herausforderungen. Wenn wir es nicht schaffen, unseren Know-how-Vorsprung zu halten, werden wir ein Problem bekommen. Wir müssen das Wissen der einzelnen Mitarbeiter voll ausnutzen - und das geht mit starren Strukturen eher nicht.Bald kommt die erste Generation junger Menschen in die Büros, die komplett mit dem Internet aufgewachsen ist. Wie wird das die Arbeitswelt verändern?
Man muss beachten: Es geht hier nicht nur um das Internet, sondern um die Digitalisierung insgesamt. Es gibt keine Trennung zwischen alten und neuen Medien mehr, sondern nur noch Medien. Und deren Nutzung wird viel, viel natürlicher werden. Wohin das führt, weiß ich auch noch nicht. Aber ich weiß, dass wir vor großen Änderungen stehen. Ich versuche, jungen Leuten klar zu machen, dass sie sich die richtigen Vorbilder suchen und dass es Karrieren jenseits der McKinseys und Goldman Sachs gibt.
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Foto: G. Altmann/Pixelio
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