Urlaub

Erreichbarkeit kann süchtig machen

Tina Groll / Zeit.de
Wie gelingt es, im Urlaub abzuschalten und was sollten insbesondere Führungskräfte beachten im Umgang mit sich selbst und im Umgang mit ihren Mitarbeitern?
Hagemann: Man sollte allen wichtigen Kontakten die Urlaubszeit ankündigen und Abwesenheitsnachrichten auf der dienstlichen Mailbox und E-Mail einrichten und jemanden als Ansprechpartner für dringende Anfragen benennen. Führungskräfte können als Personalentwicklungsmaßnahme Mitarbeiter als Vertreter und somit kompetente Ansprechpartner aufbauen. Sie sollten vor dem Urlaub offene Arbeitspakete auflisten und planen wie und wann diese nach dem Urlaub bearbeitet werden.
Für alle gilt, sich von dem Gedanken zu verabschieden, man sei unverzichtbar. Führungskräfte haben übrigens laut Arbeitsschutzgesetz eine gesundheitliche Fürsorgepflicht für ihre Mitarbeitenden. Erholungsphasen zu stören, stellt insofern für beanspruchte Mitarbeitende ein Gesundheitsrisiko dar.
Kleinschmidt: Wenn man erwartet, dass man von einem 150-Prozent-Tempo am ersten Urlaubstag auf Erholung umschaltet, ist die Enttäuschung eigentlich schon programmiert. Das Umstellen braucht Zeit. Hilfreich können Rituale sein. Erst mal ein Spaziergang am Urlaubsort. Oder eine Unternehmung, von der man weiß, dass sie einen wirklich entspannt. Man sollte eher Dinge tun, die im Gegensatz zum Alltag stehen. Wer viel im Büro sitzt, dem hilft Bewegung. Wer viel körperlich arbeitet, den entspannt vielleicht ein Tag in der Sauna. Eine Führungskraft, die ihre Erholung ernst nimmt, Urlaubstage in Anspruch nimmt und sich ganz selbstverständlich freie Zeiten im Alltag gönnt, ist bestimmt das beste Vorbild für Balance – und sie ist motivierend die Mitarbeiter.Wie halten Sie es selbst?
Hagemann: Ich bin selbst kein gutes Beispiel und beherzige zu wenige von den oben genannten Empfehlungen. Aber ich merke zunehmend, dass ich an meine Grenzen stoße und versuche in meiner Freizeit konsequent abzuschalten.
Kleinschmidt: Ich habe festgestellt, dass ich nicht unbedingt drei Wochen Urlaub am Stück brauche. Aber immer wieder mal freie Tage. Für mich ist es sehr wichtig, nach einem anstrengenden Projekt oder einer Seminarreise wirklich einen Tag runterzuschalten. Ich werte dann die Erlebnisse und Eindrücke aus. Wenn ich diesen Rhythmus einhalte, fühle ich mich kraftvoll und zufrieden.(Zuerst erschienen auf Zeit Online)Lesen Sie mehr zum Thema:

Dieser Artikel ist erschienen am 26.08.2010
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