Jura

Erfolgreich ohne Prädikatsexamen

Julia Groth, Christoph Hus, Sarah Löhr
Yvonne Lask arbeitet in der Abteilung für politisch motivierte DelikteFoto: © www.christophbusse.de
Porträt Yvonne Lask
Wenn Yvonne Lask aus ihrem Alltag berichtet, klingt das ein bisschen nach einer dieser Anwaltsserien, die nachmittags im Privatfernsehen laufen. Die 28-jährige Staatsanwältin beschattet zwar keine Verdächtigen, und sie befragt auch keine zwielichtigen Gestalten in schummrigen Etablissements. Zeugen ruft sie vom Büro aus an. Sie sitzt aber mitnichten den ganzen Tag hinter Aktenbergen. Staatsanwälte ermitteln auch selbst - und so ist Lask etwa einmal im Monat dabei, wenn die Polizei auf ihre Initiative hin eine Wohnung durchsucht. Bisher ist noch kein Verdächtiger aggressiv oder gewalttätig geworden. Doch um sich sicherer zu fühlen, hat Lask immer eine gebundene Ausgabe der Strafprozessordnung dabei. So kann sie im Zweifelsfall schnell Paragrafen nachschlagen. "Mit dem Gesetz fühle ich mich gut gerüstet", sagt Lask.Zusammenhänge erkennenDas Rüstzeug für ihren Job bekam die gebürtige Dresdnerin beim Jurastudium in Leipzig vermittelt. "Ich fand Jura schon immer interessant", sagt sie. Bereut hat sie ihre Wahl nie. "Es geht gar nicht so sehr ums Auswendiglernen, wie viele meinen", verteidigt Lask das oft als staubtrocken verschriene Studium. "Es geht vielmehr darum, Zusammenhänge zu erkennen." Als sie 2008 ihr Zweites Staatsexamen bestanden hatte, wusste sie genau, wie es weitergehen sollte: "Ich wollte Richterin werden, um Gerechtigkeit durchzusetzen und einen Dienst an der Gesellschaft zu leisten", sagt sie. Am liebsten Zivilrichterin. Die Voraussetzung für den Staatsdienst, zwei Prädikatsexamen, erfüllte sie.Lask bewarb sich also als Richterin auf Probe beim Justizministerium, wurde angenommen und zunächst für drei Probejahre der Staatsanwaltschaft zugewiesen. Wechsel zwischen Gerichten und der Staatsanwaltschaft sind in Sachsen üblich. Nachdem sich Lask die ersten zwei Monate mit leichten bis mittelschweren Delikten wie Beleidigung und Diebstahl beschäftigt hatte, kam sie in eine Spezialabteilung, in der sie bis heute arbeitet. Hier sind die Fälle gewichtiger: Es geht einerseits um Verfahren gegen Justizbedienstete, die sich zum Beispiel der Rechtsbeugung oder der Untreue schuldig gemacht haben. Andererseits bringt die Abteilung politisch motivierte Delikte zur Anklage - wie Hakenkreuz-Schmierereien.Bevor ihre Probezeit abgeschlossen ist, würde Yvonne Lask gern noch den Richterjob, ihr ursprüngliches Traumziel, ausprobieren. Auch wenn es ihr bei der Staatsanwaltschaft mittlerweile sehr gut gefällt. Ob sie nach ihrer Probezeit als Richterin oder Staatsanwältin arbeiten wird, weiß sie noch nicht. Diese Entscheidung hängt auch davon ab, in welchem Bereich der Staat mehr Personal braucht. Lask hat sich vorgenommen, in jedem Fall flexibel zu bleiben und eventuell auch einmal zwischen den beiden Berufen zu wechseln. "Es wäre schade, die nächsten 40 Jahre nur ein Rechtsgebiet zu bearbeiten", sagt sie.Der Staatsdienst ist ein sicherer JobHauptsache Staatsdienst - denn da fühlt sich Lask einfach am wohlsten. "Man kann selbstbestimmt arbeiten und sich seine Zeit meist selbst einteilen", schwärmt sie. Die Bezahlung sei zwar nicht hervorragend, aber der Job dafür sehr sicher. In einer erstklassigen Rechtsanwaltskanzlei hätte Lask sicher mehr Geld verdient. Trotzdem ist sie froh, die Jobangebote von Großkanzleien ausgeschlagen zu haben.Um die Auswahl zwischen mehreren Karrierewegen zu haben, rät Lask Jurastudenten, sich mit aller Energie um ein Prädikatsexamen zu bemühen. "Das ist nicht einfach, aber die Mühe wert", sagt sie. "Danach kann man sich seinen Job aussuchen."
Dieser Artikel ist erschienen am 01.11.2009

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