Jura

Erfolgreich ohne Prädikatsexamen

Julia Groth, Christoph Hus, Sarah Löhr
Michael Steinbach arbeitet beim Autozulieferer BroseFoto: © Pr
Porträt Michael Steinbach
Hätte er gewollt - Michael Steinbach wäre nach seinem JuraStudium in Bayreuth in einer großen Wirtschaftskanzlei durchgestartet. Angebote hatte der 31-Jährige genug. Kein Wunder bei seinen Qualifikationen: Prädikatsexamen, wirtschaftswissenschaftliche Zusatzausbildung, Uni-Zusatzkurs "English for Lawyers". Aber: Wirtschaftskanzleien sind nicht spannend genug, entschied Steinbach - und ging direkt in die Wirtschaft. Heute ist er Syndikusanwalt, also Unternehmensjurist, beim Automobilzulieferer Brose in Coburg.Während seines Referendariats hatte der gebürtige Freiburger dort bereits ein Praktikum gemacht. Weil es ihm gut gefiel, bewarb er sich, als nach seinem Uni-Abschluss ein Job in der Rechtsabteilung frei wurde. Und bekam den Job. "Was ich jetzt mache, ist viel abwechslungsreicher als die Arbeit in einer Großkanzlei", sagt Steinbach. Denn Broses Juristen sind nicht streng jeweils auf ein einziges Rechtsgebiet abonniert. Jeder ist für alles zuständig: "In der Rechtsabteilung sind wir alle Generalisten", sagt Steinbach.Steinbachs Aufgabenbereiche sind vielschichtigEin wichtiger Teil seines Berufsalltags ist das Vertragsrecht. Er entwirft Verkaufsverträge, prüft Kaufverträge und verhandelt mit den Vertragspartnern. Auch wenn Brose ein Grundstück mietet, kauft oder verkauft, tritt Steinbach in Aktion. Er behält darüber hinaus die Versicherungspolicen im Auge, die der Autozulieferer abgeschlossen hat, erklärt Mitarbeitern bei Schulungen die Fallstricke der Produkthaftung und kümmert sich um rechtliche Fragen, die aufkommen, wenn ein Lieferant oder ein Kunde seines Arbeitgebers insolvent wird: Leitet der Geschäftsführer das Unternehmen noch, oder hat der Insolvenzverwalter diese Aufgabe bereits übernommen? Stehen noch Brose-Werkzeuge beim insolventen Lieferanten? Wie sieht das Insolvenzrecht im Heimatland des ausländischen Kunden aus? Eine seltene, aber spannende Aufgabe für Steinbach ist es schließlich, wenn Brose Teile anderer Firmen übernimmt. Das passierte zuletzt im April, als die Elektromotorensparte von Zulieferer-Konkurrent Conti in den Besitz von Brose überging.Der junge Anwalt kommt in der Welt herum, denn Brose ist ein international tätiges Unternehmen und hat Standorte in 21 Ländern. Zuletzt war Steinbach im schwedischen Göteborg, um sich dort mit anderen Brose-Mitarbeitern zu treffen. "Urlaub ist das natürlich nicht", betont er. "Aber abends geht man schon mal mit den ausländischen Kollegen etwas essen. Es ist schön, sie auf diesem Weg persönlich kennenzulernen."Steinbach treibt es ins AuslandGut für Steinbach, dass er den fachspezifischen Englischkurs absolviert hat, sonst würde womöglich ein Kollege die Auslandstouren übernehmen. Dabei gefällt es Steinbach im Ausland so gut, dass er gern einmal länger fortbleiben würde: Er kann sich gut vorstellen, ein bis zwei Jahre von einem Auslandsstandort aus für die Brose-Rechtsabteilung in Coburg zu arbeiten.In Deutschland ist er bis dahin nicht unglücklich. In der Zentrale des Autozulieferers gibt es neben ihm nur zwei andere Anwälte, die Hierarchien sind flach, die Arbeitszeiten flexibel. Steinbach ist froh darüber, sich im Studium richtig angestrengt zu haben, so dass es zum Prädikatsexamen reichte. "Das erleichtert den Einstieg in den Job enorm", sagt er. Ohne seinen exzellenten Abschluss, ist er sich sicher, hätte ihn kein Unternehmen so schnell eingestellt.

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