Jura

Erfolgreich ohne Prädikatsexamen

Julia Groth, Christoph Hus, Sarah Löhr
Grafik: HonorarstrukturFoto: © Junge Karriere
Die gewählte Rechtsform entscheidet mit über den Erfolg
Zunächst müssen angehende Anwälte entscheiden, welche Rechtsform ihre Kanzlei haben soll: Gründet man mit Partnern und will sich das wirtschaftliche Risiko teilen, bietet sich eine klassische Sozietät an. Alternative ist eine Bürogemeinschaft, in der Anwälte zwar gemeinsam arbeiten, aber keine finanziellen Verpflichtungen gegenüber den Kollegen eingehen. Hier arbeitet jeder auf eigene Rechnung, die Kosten für Miete und Einrichtung teilen sich alle. Wer nicht mit Kollegen zusammenarbeiten will, kann natürlich auch ganz allein ein Büro mieten.Generell sollten Kanzleigründer eher extrovertierte Menschen sein, meint Thomas Degen, Geschäftsführer der Rechtsanwaltskammer Stuttgart. Schließlich müssen sie oft eine wirtschaftlich schwierige Anlaufzeit meistern, ohne sich jeden zweiten Tag angenervt in ihrem Büro einzuschließen. Schüchterne Persönlichkeiten bringen nach Degens Erfahrung kaum die Ellbogenmentalität mit, die nötig ist, um sich gegen Konkurrenten durchzusetzen, Mandanten zu akquirieren und sich mit dem neuen Unternehmen schnell einen möglichst guten Platz im Markt zu erkämpfen.Waterschek vom DAV rät angehenden Anwälten, zunächst einen Businessplan auszuarbeiten. Darin müssen Gründer strategische Fragen klären: Wollen sie ihre Kanzlei in einer Stadt oder auf dem Land eröffnen? Wie groß ist hier die Konkurrenz, und für welche Rechtsgebiete gibt es eine Nachfrage? "Wer zum Beispiel auf Patentrecht spezialisiert ist, sollte seine Kanzlei in einer Metropole eröffnen, weil er nur dort Mandanten finden wird", sagt Waterschek.Bei der Auswahl eines oder mehrerer Rechtsgebiete sollten sich Kanzleigründer aber nicht nur von der Nachfrage leiten lassen, sondern sich auch an den eigenen Interessen und Fähigkeiten orientieren, rät Waterschek. "Berät ein Anwalt in einem Rechtsgebiet, das ihm nicht liegt, merken die Mandanten das schnell - und suchen sich einen anderen."Teil des Businessplans ist auch ein Finanzplan. "Gründer sollten sich finanziell nicht überschätzen und zunächst so wenig Schulden machen wie möglich", warnt Waterschek. So sollten sie bei Miete, Möbeln, Büromaterial und Software knausern und sich nicht zu schade sein, Preise zu vergleichen und nach Schnäppchen zu suchen. Auf diesem Weg können sie die monatlichen Belastungen aus einem Kredit senken.Gründer brauchen einen professionellen OnlineauftrittÜbermäßiges Sparen kann jedoch auch schädlich sein. So sollten sich Gründer von Anfang an eine informative und seriös wirkende Website leisten. Denn im Internet nach einem Anwalt zu suchen, ist heute üblich. Wer hier nicht zu finden ist oder online keinen professionellen Eindruck erweckt, verliert potenzielle Mandanten. Ein guter erster Eindruck ist auch in der analogen Welt wichtig. Dabei helfen Marketinginstrumente wie ein unverwechselbares Logo, edel aussehende Visitenkarten und ein individuelles Briefpapier.Wer als Gründer Erfolg haben will, braucht neben juristischem Sachverstand eben auch unternehmerisches Gespür. Doch in der Juristenausbildung lerne man das nicht, kritisiert Waterschek. Sie rät deshalb zum Besuch von Existenzgründerseminaren, wie sie zum Beispiel die Deutsche Anwaltakademie anbietet. Hier erfahren Junganwälte, welche Versicherungen sie brauchen, welche Haftungsrisiken sie eingehen, wie Kanzleimarketing und Netzwerke funktionieren und wie man bei Mandanten einen professionellen Eindruck hinterlässt.

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