Jura

Erfolgreich ohne Prädikatsexamen

Julia Groth, Christoph Hus, Sarah Löhr
Grafik: Beliebte ArbeitgeberFoto: © Junge Karriere
Hohe Ansprüche an ihre Juristen haben auch große Aktiengesellschaften. So stellt zum Beispiel der Rückversicherer Munich Re nur fünf bis zehn Jura-Absolventen pro Jahr ein, die in der Rechts-, Personal- oder Finanzabteilung zum Einsatz kommen. Das Wunschprofil: hervorragende Abschlussnoten, Auslandssemester, sehr gute Kenntnisse in Englisch und am besten noch einer weiteren Fremdsprache. "Internationalität ist bei unserem weltweiten Geschäft natürlich ganz besonders relevant", sagt Personalchef Peter Seemann. Praktika in der Versicherungs- oder Rückversicherungsbranche gelten ebenfalls als Plus.
Kaum Chancen ohne Top-ExamenAuch mittelständische Unternehmen schauen zuerst auf die Examensnoten, wenn sie Juristen einstellen wollen. So ist Michael Steinbach, junger Syndikusanwalt beim Autozulieferer Brose in Coburg, überzeugt: Ohne seine zwei Prädikatsexamen hätte er den Job auf keinen Fall bekommen.
Wer kein Top-Examen hat, braucht oft auch erst gar nicht zu versuchen, Staatsanwalt oder Richter zu werden. "Für den höheren Justizdienst kann sich bei uns bewerben, wer beide juristische Staatsprüfungen mindestens mit der Note Vollbefriedigend bestanden hat", erklärt Staatssekretärin Gabriele Hauser vom Sächsischen Staatsministerium der Justiz. Und ist stolz darauf, in diesem Jahr viele Bewerber eingestellt zu haben, die im Zweiten Staatsexamen sogar die Note Gut geschafft haben. Das gelingt nur etwa zwei Prozent der Absolventen.Viele Absolventen wollen in den StaatsdienstWer dazu zählt, kann im Staatsdienst mitunter eine Menge erleben. Yvonne Lask weiß das: Die 28-jährige Staatsanwältin geht regelmäßig zusammen mit der Polizei zu Haus- oder Wohnungsdurchsuchungen. Und hat dabei immer ein Gesetzesbuch unterm Arm. So fühlt sie sich sicherer, weil sie schnell mal Paragrafen nachschlagen kann.Obwohl Juristen ohne Prädikatsexamen viele Wege versperrt sind, zahlt sich das Studium für viele trotzdem aus. Kanzleigründerin Sabrina Buelli hat rasch bemerkt, wie viel Spaß es macht, sein eigener Chef zu sein. Zumindest wenn man sich darauf einlässt, erst einmal sehr wenig zu verdienen - Gründer einer Sozietät machen laut BRAK im zweiten Jahr durchschnittlich nur 2376 Euro Gewinn. Zum Leben ist das viel zu wenig.Um in den Anfangsjahren nicht zu verhungern und die Kanzlei schnell rentabel zu machen, ist es wichtig, den Weg in die Selbstständigkeit gut vorzubereiten. "Wer eine Kanzlei gründen will, sollte das mit Bedacht tun, denn das wirtschaftliche Risiko ist groß - zum Beispiel wegen der scharfen Konkurrenz", sagt Silke Waterschek, Vorsitzende des Forums Junge Anwaltschaft im Deutschen Anwaltverein (DAV).

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