Gorden Wagener

Er ist Design-Chef bei Mercedes

Helmut Werb
Wagener ist froh, bei Mercedes zu seinFoto: © Andy Ridder
Das Management muss überzeugt werden
"Man baut keinen Flop", sagt Wagener. Er hätte das Glück gehabt, von Tiefschlägen bisher verschont geblieben zu sein, sagt einer seiner Kollegen bei Mercedes. Er selbst sieht das etwas anders. "Das ist Einstellungssache. Ich bin versucht, jede Krise positiv zu sehen, ich bin zuversichtlich und vertraue auf mein Talent. Soviel ästhetisches Empfinden würde ich mir zutrauen." Doch dann kommt gleich der Unterbau: "Aber man ist eben auch nur so gut oder so schlecht, wie es das Management zulässt. Es ist nicht immer nur das Können des Designers, man muss das Management überzeugen können, damit die mitziehen."Zweimal im Monat trifft er sich mit Dieter Zetsche um Design-Aspekte abzusprechen. Laut Insidern bei Mercedes und auch außerhalb der Firma, vertragen sich die Beiden bestens, was einerseits auf die gemeinsame USA-Erfahrung zurückzuführen sei, auf der anderen Seite mit dem Design-Verständnis des Autonarren Zetsche zusammenhängt. Die Meetings mit anderen Abteilungsleitern sind nicht immer so harmonisch. "Du musst eine Menge Leute überzeugen, wenn du dein Design verkaufen willst", sagt Wagener. Manchmal käme die Kreativität leider zu kurz im operativen Geschäft. Doch dann gibt es wieder die Erfolgmomente, wenn er ein Auto "durchgebracht" hat. Das sei, so sagt er, wie wenn du bei der Fußball-WM das entscheidende Tor geschossen hast. "95 Prozent der Entscheidung kannst du beeinflussen, die letzten fünf nicht mehr."Der Druck bleibt großEiner von Wageners berühmten Kollegen, der bei einem renommierten Mitbewerber die Design-Abteilung leitet, kennt solche Probleme. "Gorden ist ein enormes Talent", sagt er und bittet, ob des enormen Wettbewerbsdrucks anonym bleiben zu dürfen. "Ob er das auch exerzieren darf, wird sich erst noch zeigen. Das ist nicht immer leicht, ich weiß das aus Erfahrung. Ich drücke ihm die Daumen, er wird's brauchen können."Walter de Silva, ein alter Freund und Vertrauter Wageners, sieht das optimistischer: "Gorden wird einer der glänzenden Stars am Design-Himmel werden", sagt der Italiener. "Er hat mehr Verständnis für Ästhetik, Formen und Proportionen als viele von uns."Mercedes war eine gute EntscheidungWie wird Wageners Design-Olymp aussehen? Gibt es noch schönere Traumjobs für das Design-Wunderkind, oder wird er dem Vorbild seines Mentors Pfeiffer folgen? Schaun wir mal, zuckt er ohne ein Lächeln mit den Achseln. Selbst wenn er seinen Weg noch weiter vorgezeichnet haben sollte, das behält er für sich. Er sei sehr stolz, für Mercedes zu arbeiten, winkt er ab und beginnt einen Rundgang zwischen seinen Babys. Etwas anderes könne er sich nicht vorstellen.Gibt es ein Auto, das er gerne noch designen möchte? Und wie sähe das dann aus? Spontan bleibt er stehen. "Einen mit Flügeltüren!", sagt er ohne lange nachzudenken. Dann zögert er und lächelt sein charmantestes Jungenlächeln: "Aber den habe ich ja schon gebaut!"

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