Jobs 2007

Energie, Handel, Auto: Neue Stellen in allen Branchen

Christoph Stehr
Unbegrenzte Möglichkeiten für BerufseinsteigerFoto: © gericoach - aboutpixel.de
Energie: Öko hilft
Alternativen zu den fossilen Brennstoffen müssen her, darin sind sich die Fachleute einig. Öl und Gas reichen nur noch wenige Jahrzehnte, die Skepsis gegenüber politisch und wirtschaftlich wackeligen Lieferanten wie Russland wächst. Das treibt die Nachfrage nach Erneuerbaren Energien. Björn Klusmann vom Bundesverband Erneuerbarer Energien schätzt, dass bis 2020 insgesamt 330.000 Jobs entstehen. Besonders Ingenieure und Projektentwickler würden gesucht. Der Branchenumsatz steige von heute 16 Milliarden auf 120 Milliarden Euro. Durch die Liberalisierung des Strommarktes werden Handel, Vertrieb und Marketing immer wichtiger. Nach Untersuchungen des Vereins die Führungskräfte VAF - VDF liegen die Einstiegsgehälter von Uni-Absolventen in der Energiewirtschaft bei 46.500 Euro, FH-Absolventen können mit 41.000 Euro rechnen. Die Liberalisierung wirkt noch in eine andere Richtung: Energieversorger beschränken sich nicht länger auf ihre Heimatmärkte, sondern versuchen, durch Zukäufe und Kooperationen im Ausland Fuß zu fassen. Eon beispielsweise kauft die spanische Endesa. Das eröffnet gute Chancen für internationale Karrieren, außerdem sichert es bestehende Jobs.Verkehr/Logistik: Bewegte ZeitenBahn und Post bauen ihre Position in den Wachstumsmärkten Asien und Osteuropa aus, Airports, See- und Binnenhäfen melden rasant steigende Frachtzahlen, mittelständische Speditionen können sich vor Aufträgen kaum retten. 2,7 Millionen Beschäftigte erwirtschaften einen Jahresumsatz von 170 Milliarden Euro. "Die Logistik ist die einzige unter Deutschlands Spitzenbranchen, die seit Jahren konstant wächst", sagt Claudia Sterthoff von der Hochschule für Logistik in Hamm. Das birgt vielfältige Jobchancen: "Die meisten Stellenausschreibungen sind an BWL-Studenten adressiert, weil es an akademisch ausgebildeten Logistikern fehlt." Wirtschaftswissenschaftler und Wirtschaftsingenieure fügen als Supply-Chain-Manager die Glieder von Wertschöpfungsketten zusammen, Materialflussexperten ermöglichen Just-in-Time-Produktion in Industriebetrieben. Thomas Wimmer, Geschäftsführer der Bundesvereinigung Logistik, ist überzeugt, dass der positive Trend in der Branche auch 2007 anhält, "deshalb sind die Aussichten für Absolventen zurzeit sehr gut". ITler können von der Öffnung des Briefmarktes 2007 profitieren, indem sie intelligente Lösungen zur Dokumentenlogistik anbieten, auch Kontraktlogistik genannt. Immer mehr Firmen gliedern Dokumentation, Archiv und Versand aus und übertragen diese Funktionen Dienstleistern.Law Firms - Life Science/Chemie - Konsumgüter - Öffentlicher DienstLaw Firms: Wie im AbsolvententraumEinstiegsgehälter über 100.000 Euro, die große Kanzleien wie Shearman oder Skadden zahlen, wecken in vielen der jährlich 10.000 Jura-Absolventen Gelüste. Meist bleibt die Gier ungestillt: "Gute Berufsaussichten haben nur diejenigen mit Prädikatsexamina oder außergewöhnlichen Ideen", sagt Hartmut Kilger, Präsident des Deutschen Anwaltvereins. Insgesamt gibt es in Deutschland 136.000 Anwälte. "Der Markt wird immer schlechter, aber wer ausgetretene Pfade verlässt, hat Chancen." In den Law Firms sind die Spitzensaläre stets auch Entschädigung für unzählige Überstunden und ein Privatleben auf Sparflamme. Wer dieses Joch ein paar Jahre trägt, ist anschließend in den Rechtsabteilungen von Unternehmen willkommen. Dort steigt der Bedarf an Nachwuchsjuristen, vor allem an solchen, die die Themen M&A (Fusionen und Käufe) sowie Steuerrecht beherrschen. Für jene, die kein Prädikatsexamen haben, bieten Anwaltsketten wie Juraxx eine Alternative. Pro Monat macht eine neue Filiale auf. Wen die Laufkundschaft nicht stört und wer sich für die kleinen Rechtsstreitigkeiten des Alltags erwärmen kann, sei dort richtig, sagt Regula Bigler von Juraxx.Life Science/Chemie: Erfolgsformel gefundenDrei große Übernahmen sortieren Deutschlands viertgrößten Industriezweig neu. Bayer schluckt Schering, die niederländische Nycomed übernimmt Altana, Merck kauft sich mit Serono in die Biotech-Sparte ein. Obwohl solche Deals erfahrungsgemäß Jobs kosten, plagen die Pharmariesen Nachwuchssorgen. Noch gibt es genug Bewerber, doch damit das so bleibt, muss nach Einschätzung der Branchenverbände schon im Kindergarten das Interesse an Naturwissenschaften geweckt werden. Spannende Aufgaben locken nicht nur bei den Pillendrehern: "Die Innovationsstärke der Chemiebranche wird nur von wenigen übertroffen", sagt Doktor Renate Hoer von der Gesellschaft Deutscher Chemiker. Die Verdienstmöglichkeiten tun ihr Übriges: Einstiegsgehälter bis 60.000 Euro plus Bonus können sich im internationalen Vergleich sehen lassen. In diesen Gehältern spiegelt sich die gute Branchenkonjunktur wider. Nach Zahlen des Verbands der Chemischen Industrie ist der Umsatz seit 2000 von 135 Milliarden auf 152,8 Milliarden Euro gewachsen. Überhaupt sind deutsche Life-Science- und Chemie-Unternehmen im Wettbewerb gut aufgestellt - nicht zuletzt weil sie am Fusionskarussell so fleißig mitdrehen. Ein kritischer Faktor ist dabei allerdings die Unternehmensgröße. Viele Mittelständler sind auf Dauer zu klein, um zu überleben.Konsumgüter: Machtverlust der MarkeDie Hersteller von Markenartikeln in den Bereichen Nahrung, Körperpflege, Haushalt freuen sich mit dem Handel über das verbesserte Konsumklima. Das Auftragsplus von 1,6 Prozent im Jahr 2006 führen Experten zwar größtenteils auf die Fußball-WM zurück, doch der Gute-Laune-Sommer wirkt nach. Das ifo-Institut geht davon aus, dass die Produktion 2007 um weitere 1,5 Prozent zulegt. ifo-Forscher Hans-Günther Vieweg erwartet allerdings einen Bremseffekt durch die höhere Mehrwertsteuer. Die Jobaussichten in der Konsumgüterindustrie sind durchwachsen. "Während exzellente Absolventen in Vertrieb und Produktmanagement noch Karriere machen können, sieht es im Servicebereich mager aus", sagt Harald Münzberg von Capgemini. Die Möglichkeiten, sich aus dem Support- und Backoffice-Bereich hochzuarbeiten, sind begrenzt, weil diese Tätigkeiten vermehrt ausgelagert werden. Mittelfristig wird es in der Konsumgüterindustrie nur noch für eine kleine Zahl von Absolventen Aufstiegspositionen geben. Dennoch bleibt die Branche beliebt. Vor allem bei Marketingabsolventen haben Namen wie Procter & Gamble, Unilever oder Beiersdorf einen sehr guten Klang.Öffentlicher Dienst: Auf SparflammeJährlich fallen 1,5 Prozent der insgesamt 4,8 Millionen Stellen im öffentlichen Dienst weg, Beamte und Angestellte müssen länger arbeiten, Weihnachts- und Urlaubsgelder werden gekürzt oder gestrichen. Die Kommunen fahren einen noch härteren Sparkurs als die Länder. Peter Heesen, Bundesvorsitzender des dbb beamtenbund und tarifunion, macht Bewerbern wenig Hoffnung: "Hohe Arbeitsbelastung, mangelnde Stellenausschreibungen und Umstrukturierungen erschweren den Einstieg." Der Beamtenfunktionär vermisst "eine nachhaltige Personalpolitik". In den letzten Jahren, moniert auch Politik- und Verwaltungswissenschaftler Werner Jann von der Uni Potsdam, seien "so viele Stellen abgebaut worden, dass die Funktionsfähigkeit zu leiden beginnt". Wer in die Führungsriege strebt, muss lenken, sparen und motivieren wie in der Wirtschaft, und das zu geringeren Gehältern. Silberstreif am Horizont: Bis 2012 staut sich aufgrund vieler Pensionierungen großer Nachwuchsbedarf auf. Eine Top-Adresse im öffentlichen Dienst ist das Auswärtige Amt. Jedes Jahr bewerben sich 2.000 Absolventen, genommen werden 35, die Hälfte davon Juristen. Langfristig verbessern sich die Aussichten für Lehrer, Betriebswirte, Naturwissenschaftler und Ingenieure.
Dieser Artikel ist erschienen am 01.01.2007

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