"Ein gutes Praktikum reicht aus"


Das Aneinanderreihen von Praktika bringt nichts, sagt Hochschulforscher Andreas Sarcletti im Interview. Die Chancen auf einen gelungenen Berufseinstieg erhöhen sich dadurch nicht. Gute Noten, Fach- und Studiendauer zählen mehr.

Ein Praktikant reißt sich die Krawatte am Kopierer ab Nicht jedes Praktikum ist hilfreich für die Karriere Foto: © Arne Pastoor - Fotolia.com

Sie haben sich in einer Studie mit Praktika und studentische Nebenjobs beschäftigt. Wie wichtig sind sie für einen gelungenen Einstieg in den Beruf?
Andreas Sarcletti: Praxiserfahrung ist ein wichtiger Faktor, aber nicht der entscheidende. Wichtiger sind die Abschlussnote, die Studiendauer und vor allem das studierte Fach. In einigen Bereichen haben diejenigen einen Vorteil, die schon eine fachnahe Berufsausbildung absolviert haben. Sie müssen sich im Studium nicht so sehr um Praxiserfahrungen bemühen.

In vielen Studienfächern gibt es kaum oder gar keinen Bezug zum Arbeitsleben. Sind Praktika für Studenten dieser Fächer nicht unverzichtbar?
Besonders in den Sozialwissenschaften und bei den Sprach- und Kulturwissenschaften sind Praktika wichtig, um überhaupt eine Vorstellung vom Arbeitsmarkt zu bekommen und sich beruflich zu orientieren. In den naturwissenschaftlichen Fächern hingegen sind Praktika weniger bedeutend. Die meisten Studenten in Biologie, Chemie oder Physik wollen promovieren und weiter im wissenschaftlichen Bereich arbeiten.

Praktika und Nebenjobs dienen auch dem Knüpfen von Kontakten. Wie groß ist der Nutzen hier tatsächlich?
Etwa ein Fünftel der offenen Stellen besetzen Unternehmen mit Absolventen, die sie bereits aus einem Praktikum oder von einem Nebenjob kennen.

Praktikanten und Studenten, die nebenher jobben, lernen aber unterschiedlich viel, haben Sie festgestellt.
Es gibt natürlich Praktika, in denen Studenten ausgebeutet werden und nur Routinetätigkeiten verrichten. Ein gutes Praktikum aber bietet einen höheren Lerneffekt als die studentische Erwerbstätigkeit, zumindest wenn man denselben Zeitraum betrachtet. Insgesamt haben Praktika am Ende des Studiums den größten Nutzen. Die Studenten haben mehr Hintergrundwissen und lernen so zielgerichteter dazu. Und das Knüpfen von Kontakten ergibt am Ende des Studiums natürlich mehr Sinn.

Wie viele Praktika haben die von Ihnen befragten Studenten während des Studiums im Durchschnitt absolviert?
Die Regel sind zwei bis drei Praktika, in den Naturwissenschaften eins. Es gibt keinen Königsweg. Wenn man vier uninteressante Praktika gemacht hat, ist es richtig, noch ein fünftes zu machen. Findet man schon im ersten Praktikum seine Erfüllung, sollte man sich einen entsprechenden Nebenjob suchen anstatt wahllos weitere Praktika aneinander zu reihen. Die Chancen auf einen gelungenen Berufseinstieg steigen jedenfalls nicht mit der Zahl der Praktika.

Was halten Sie davon, auch nach dem Abschluss noch Praktika zu machen?
Wer das nach dem Studium macht, hat es meist versäumt, vorher Praxiserfahrung zu sammeln. Wenn jemand gar nichts vorzuweisen hat, ist es verständlich, dass Arbeitgeber erst einmal nur ein Praktikum vergeben statt einer Festanstellung.

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