Stefan Wolf

"Ein anderer Job wäre mir lieber gewesen"

Diana Fröhlich
Schwere Stapel schleppen und stundenlang Papier schneiden. Stefan Wolf hatte sich seinen Ferienjob im Verlag ganz anders vorgestellt. Doch die Arbeit zahlte sich am Ende aus. Das hart verdiente Geld investierte er in ein eigenes Mofa.
Stefan Wolf leimte als Teenager HeimatkalenderFoto: © Privat
Für ein Mofa hätte ich als Teenager so ziemlich alles getan. Und obwohl meine Eltern es mir sicher hätten finanzieren können, bestanden sie darauf, dass ich etwas dazu verdienen sollte. Zum Glück war mein Vater damals stellvertretender Chefredakteur beim Schwarzwälder Boten und würde mir einen netten Job in der Redaktion vermitteln - dachte ich.
Doch anstatt am Fernschreiber die Agenturmeldungen zu lesen und an die verschiedenen Redakteure zu verteilen, landete ich in der zum Verlag gehörenden Buchbinderei: Drei Wochen lang half ich dort den Kollegen bei der Produktion eines Heimatkalenders. Der Lärm in der Produktionshalle war ohrenbetäubend, die Maschinen riesig, und von dem Leim, mit dem ich den Buchrücken bestreichen musste, habe ich Kopfschmerzen bekommen.Zuerst haderte ich mit meinem Schicksal, doch dann fand ich mich mit der Arbeit ab. Ich beschnitt stundenlang Papier, heftete die einzelnen Seiten zusammen, leimte die Buchrücken, schnitt die Druckränder ab und schob dann das schwere Papier auf einem großen Wagen quer durch die Halle. Um sieben Uhr morgens ging es los, in der Mittagspause haben wir im Nebenraum unsere Brote gegessen.Harte Arbeit für einen 14-JährigenIch war mir sicher, dass mein Vater mir mit Absicht diesen Job zugeteilt hatte, bei dem man sich so richtig schmutzig macht. Mir wäre der saubere Job in der Redaktion lieber gewesen, ich hatte mich schon so aufs Nachrichtenlesen gefreut.Außerdem gab es dort 3,60 Mark pro Stunde, in der Buchbinderei nur 2,40 Mark. Noch so eine Ungerechtigkeit. Ich beschwerte mich natürlich lautstark bei meinem Vater, doch das Schimpfen brachte nichts.Das Ganze war 1975, heute werden Kalender sicher ganz anders hergestellt. Für mich als verwöhnten 14-Jährigen war es eine ungewohnt harte Arbeit. Beeindruckt haben mich die Kollegen, die den Job jahrzehntelang machten, ohne sich zu beschweren. Ich konnte mir am Ende meinen großen Wunsch erfüllen - mehr als die Hälfte des Mofas, eine Honda mit einem Blinker rechts und links, hatte ich selbst finanziert, den Rest steuerten meine Eltern bei.
Dieser Artikel ist erschienen am 09.03.2010

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