Porträt

Echter Hingucker

Jeanette Villachica
An seiner Person sehen sie, dass es durchaus möglich ist, eine Krise für eine glückliche Wendung des eigenen Lebens zu nutzen. Und sie kommen zu ihm, weil er ihre Person und ihr Anliegen mit anderen Sinnen erfasst, anders zuhört, einmal Gehörtes abgespeichert hat und früh lernte, Probleme strategisch und rational zu betrachten. "Als ich im Hotel anfing, habe ich mir gesagt: Ich möchte hier arbeiten, ich muss einen guten Job machen - wie kann ich das tun? Wer bringt mich hier weiter und wo lauert die Gefahr?"Damit am Schluss die Zahlen stimmen, muss Kahawatte notfalls genauso hart durchgreifen wie andere Unternehmensberater. Auch in seinem Privatleben scheut er nicht vor radikalen Einschnitten zurück. Um seinen anstrengenden Alltag zu bewältigen - von der Lage der Klingel beim Kunden bis hin zu seinen Terminen hat er alles im Kopf -, hat er sich in den letzten Jahren einen strikten Tagesablauf auferlegt: Täglich Fitness, ayurvedische Ernährung und Meditations- und Entspannungsphasen morgens und abends.Montags bis freitags weicht der praktizierende Buddhist nur im Ausnahmefall davon ab. Von Menschen, die sich nicht in diese Lebensplanung einfügen und ihm womöglich die Kraft rauben, die er braucht, um beruflich perfekt zu funktionieren, trennt er sich beziehungsweise lässt sie gar nicht erst nah an sich herankommen."Sein asketischer Lebenswandel ist dadurch bedingt, dass es die einzige Chance für ihn ist, einigermaßen gesund zu bleiben", sagt sein Freund Skibbe, und erklärt weiter: "Mit den vielen Krankheiten, die er schon hatte, braucht er den strikten Tagesablauf, die ayurvedische Ernährung und den Sport, um sich zu schützen.Den Bonus, den man hat, wenn man weitgehend gesund ist, hat er nicht. Die harten Einschnitte, die er auch in Beziehungen macht, macht er auch zum Selbstschutz. Er braucht Menschen an seiner Seite, die verstehen, dass sein Leben viel geregelter sein muss als das der meisten. Wenn er sich mit Menschen umgeben würde, die das nicht mittragen, würde er seine Gesundheit und seine innere Balance gefährden."Der Alltag - eine HerausforderungJeder Arbeitstag ist für Kahawatte eine Herausforderung. In Outlook ist die Schrift vergrößert, zusätzlich liest ihm das Programm die E-Mail vor und zwar so schnell, dass ein Mensch mit untrainiertem Gehör nichts versteht. Daneben steht ein Lesegerät, mit dem man ausgedruckte Texte auf dem Bildschirm vergrößern kann.Die Lupe, die Kahawatte immer dabei hat, reicht dafür nicht aus. Sein Handy ist ein Modell für Senioren. "Die Schrift darauf kann ich nur erkennen, wenn ich es mir ganz nah vors Auge halte." Er macht es vor. "Damit rufe ich Leute an, mehr nicht. Das ist das neueste Modell. Wenn ich mir frühere Modelle in die Tasche gesteckt habe, stand ich so da." Er stellt sich hin, als ob er unter einer enormen Last zur Seite kippen würde. "Auch wenn ich mich nicht im Spiegel sehe, bin ich doch ein bisschen eitel."Im Dunkeln fühlt sich der Ausnahmeunternehmer unsicher. Tagsüber geht er den Weg vom Büro zur U-Bahn mittlerweile wie im Schlaf, Blindenbinde und -stock benutzt er nur auf unbekanntem Terrain. Aber abends lauert die Gefahr überall: Konturen sind für ihn fast nicht mehr erkennbar.Er weiß nicht, ob die Ampeln auf Rot oder Grün stehen. Im nächsten Jahr möchten er und sein Geschäftspartner, ein Steuerberater, mit dem er sich das Büro teilt, in die Innenstadt ziehen. Dort kann Kahawatte sich freier bewegen, und es soll mehr Platz für weitere Mitarbeiter und eigene Seminarräume geben. Außerdem sitzen die meisten von Kahawattes Kunden in der City. "Dann muss ich mich nicht mehr so oft mit der U-Bahn verfahren", sagt er und lacht mal wieder. "Hamburg soll ja eine schöne Stadt sein, habe ich gehört."

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