Sportwagen

Die Wiedergeburt des "Melkus"

Marcus Pfeil
"Wir können uns ja nicht nur mit der Vergangenheit beschäftigen", sagt Sepp Melkus. Aber ganz ohne geht es auch nicht, denn wer den RS2000 kauft, der kennt die Geschichte der Familie Melkus. Schließlich war Großvater Heinz Melkus so etwas wie der Niki Lauda der DDR, so hat ihn zumindest der Spiegel kürzlich genannt. 80 seiner 200 Rennen hat er gewonnen, er hat den elektronischen Fahrsimulator erfunden, und vor allem hat er den ersten und einzigen Sportwagen der DDR gebaut: den Melkus RS1000, von dem ganze 101 Modelle gebaut wurden. Ein Zweisitzer mit Flügeltüren, angefeuert von einem frisierten Wartburg-Zweitakter bis auf 170 Kilometer in der Stunde.Höchstens eineinhalb Jahre musste man auf das 29 800 Mark teure Auto warten. Aber 1979 war Schluss, fortan verdiente die Familie ihr Geld wieder nur mit der Fahrschule. "Wir bekamen einfach keine Teile mehr", erinnert sich Sepps Vater, Peter Melkus. Dabei hätte der alte Melkus sogar ein Exportschlager werden können. Nachdem der Wagen 1974 auf der IAA in Frankfurt ausgestellt wurde, habe es Anfragen aus Brasilien, Japan, den USA und ganz Westeuropa für den gern als "Zonen-Ferrari" verspotteten Sportwagen gegeben.Sepp Melkus mag die Vergangenheit, sonst wäre er nicht hier. Der neue Melkus soll aber kein Retroauto sein, sondern "ein hübsches Unikat", sagt er. Doch auch der RS2000 basiert auf einem Fremdfabrikat, auf einem englischen Sportwagen, den sie aber erst nennen dürfen, wenn die ersten Wagen den Ansprüchen des Lieferanten genügen.Aus Vorhandenem bauen sie etwas NeuesDraußen vor der Einfahrt zur Garage liegen die Karosserieteile eines Lotus verstreut. "Den haben wir gekauft, um das 65 Kilogramm leichte Monocoque verwenden zu können." Ein bisschen ist es wie früher. Sie nehmen Vorhandenes und machen etwas Neues daraus. "Nur heute können wir aus dem Besten auswählen", sagt Melkus.Das können heute aber auch die Kunden. Sie könnten sich gleich einen Lotus kaufen. "Bei unseren Stückzahlen spielt Konkurrenz keine Rolle", sagt Sepp Melkus. "Mein Großvater hat sich was getraut und es durchgezogen. Das machen wir auch. Und wie es aussieht, haben wir die nächsten Jahre gut zu tun."25 Autos will er pro Jahr produzieren, mehr als zwei kann er mit der kleinen Mannschaft im Monat nicht bauen. "Wir müssen nicht größer sein", sagt er. Rund 100 000 Euro soll der neue Flügeltürer kosten. Die Finanzierung ist gesichert. Vater und Sohn haben zwei Investoren für ihre Sache begeistern können. Eine Bank finanziert einen Überbrückungskredit. "Und klar wollen wir damit Geld verdienen", sagt Sepp Melkus. "Ich will schon davon leben können."
Dieser Artikel ist erschienen am 25.09.2009

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