Deutschland

Die Regionen der Zukunft

S. Hergert, C. Sonnet, M. Detering
Andreas Heinrich arbeitet für den IT-Dienstleister BechtleFoto: © Andy Ridder
Neckarsulm - Das Ländle im Kleinen
Wie wird denn das nun richtig ausgesprochen? Neckars-ulm oder Neckar-sulm? So genau wissen das auch einige Einheimische nicht. Dabei ist es ganz einfach: Neckar und Sulm fließen hier zusammen. Also heißt es Neckarsulm. Die Stadt hat mehr Arbeitsplätze als Einwohner. Audi beschäftigt hier 14000 Mitarbeiter, die Schwarz-Gruppe hat hier ihren Sitz. Bosch forscht und entwickelt wenige Kilometer entfernt. Das sind die Großen. IT-Unternehmen wie TDS, ICP vortex oder Bechtle und zahlreiche Automobilzulieferer sind hier gewachsen. Das sind die Kleineren.Neckarsulm liegt im Landkreis Heilbronn. Und der ist ein Abbild von Baden-Württemberg, das "Ländle" im Kleinen also. Maschinen- und Fahrzeugbau dominieren, hinzu kommen starke Mittelständler aus der IT-Branche, die Arbeitslosenquote ist trotz Krise mit 5,1 Prozent gering. Und auch die Landschaft hier spiegelt das Bundesland wider: An fast jedem Hügel wird Wein angebaut, der Neckar ist das Erholungsgebiet vor der Haustür und die Löwensteiner Berge locken nicht nur Motorradfahrer.Fast 62000 Menschen arbeiten in den vom Wirtschaftsinstitut Prognos herausgearbeiteten Zukunftsbranchen, allein 17000 im Fahrzeugbau. Ein Vorteil: Wer hierher kommt, muss nicht gleich wieder umziehen, wenn er den Arbeitgeber wechselt. "Im Umkreis von 50 Kilometern sitzen ein halbes Dutzend Top-Mittelständler", sagt Heiner Diefenbach, Vorstandsvorsitzender des ITDienstleisters TDS. Hinzu kämen die schöne Umgebung, vielfältige Freizeitmöglichkeiten und ein toller Menschenschlag. Bodenständig sei man hier, wo Franken, Schwaben und Baden aneinandergrenzen. Ein Fleck zum Wohlfühlen.Das findet auch Eva-Maria Werner, die aus dem Westerwald kommt, Maschinenbau an der Hochschule Darmstadt studiert hat und für ihre Anstellung beim Automobilzulieferer Bosch in die Region zog. Nur die Menschen, die seien ja schon ein bisschen gewöhnungsbedürftig, sagt die 32-Jährige. "Man spricht eben auch nicht die gleiche Sprache." Sie bevorzugt, das ist deutlich hörbar, das Hochdeutsche. An Wörter wie "Preschdlengsgsälz" (Erdbeermarmelade) musste sich die Zugereiste erst einmal gewöhnen. Anpassen wird sie sich sprachlich aber nicht.Eva-Maria Werner und ihr Team stimmen bei Bosch Engineering Motorsteuergeräte zum Beispiel auf Sportwagen kleinerer Hersteller ab. Dafür muss sie die Wagen testen. Spaßfaktor: hoch. Nur zu hohe Absätze sollte sie dabei nicht tragen. Die schwarzen Lederpumps mit den kleinen Absätzen, die sie heute zu Jeans, weißer Bluse und kariertem Blazer trägt, sind noch in Ordnung.Die Highlander im ForschungszentrumBosch hat 2004 in Abstatt einen Forschungs- und Entwicklungsstandort mit heute fast 3000 Mitarbeitern eröffnet, die Nähe zum bestehenden Standort war für die Standortwahl entscheidend. Auf einem Hügel thront das Bosch Forschungszentrum: moderne Gebäude, über eine Art Piazza verbunden, mit Blick auf Weinberge und Gänsezucht auf den Nachbarhügeln. "Ein paar Leute in Abstatt nennen uns die Highlander", sagt Bernhard Bihr, Geschäftsführer der Engineering-Tochter von Bosch. In dieser Abgeschiedenheit tüftelt es sich wohl besser.Dabei hätten auch die Winzer diesen Flecken gerne genutzt. Als Bagger den Boden für das Zentrum aushoben, stellte sich heraus, dass die Erde ideal für den Weinbau ist. Doch sie werden es verschmerzen. Immerhin liegt schon die größte Rotweingemeinde Deutschlands im Landkreis. Die vielen Winzer hier verkaufen ihren Lemberger oder Trollinger direkt ab Hof, wenn ihn die Gäste nicht direkt in den Besenwirtschaften trinken. Einmal im Jahr steht das große Weinfest an. "Zum Weindorf in Heilbronn trifft sich dann die ganze Region", sagt Andreas Heinrich.

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