Deutschland

Die Regionen der Zukunft

S. Hergert, C. Sonnet, M. Detering
Von der Old zur New Economy ist es hier nicht weit. Keine 15 Minuten braucht der Regionalzug ins mittelalterliche Ravensburg, der Stadt der Türme und Tore. Die kleinen Gassen der Innenstadt sind das Einkaufszentrum der Region. Am Samstag trifft man sich hier auf dem Markt, abends kommen die Jungen sogar aus Friedrichshafen und bevölkern die Kneipen und Cafés. Kliniken, Reha-Einrichtungen und vor allem die Bäder machen den Landkreis zum Gesundheitsstandort, von Ulm über Biberach bis Konstanz bündeln sich hier Pharmaunternehmen.Jeden Morgen um sechs Uhr geht Tanja Huth auf die Fähre. "Das ist immer noch wie Urlaub, ich kann in Ruhe frühstücken, mit Blick auf die Berge und den See", sagt die Biologin. Sie wohnt in Konstanz, zwischen ihrem Haus und dem Arbeitgeber Vetter Pharma in Ravensburg liegt der See. Vetter stellt Spritzen und andere Behälter her und befüllt sie mit Wirkstoffen großer Pharmahersteller.Tanja Huth prüft diese Stoffe. Die 34-Jährige ist eine von drei Teamleitern in der Produktkontrolle. Aus der Nähe von Neu-Ulm zog es sie an den Bodensee. Wandern, Skifahren, Klettern und Rudern - ihre Hobbys spiegeln wider, was in der Region möglich ist. Zum Wandern auf dem Hausberg Säntis auf Schweizer Seite ist es nicht weit, auf die Piste geht sie am Montafon. In diesem Jahr ist sie auch den Radmarathon rund um den Bodensee mitgefahren, die Gold-Etappe musste es sein, 220 Kilometer an einem Tag.Huth will hier bleiben, hat gerade ein Haus gekauft. Viel Platz ist wichtig. Wenn man am Bodensee wohnt, wird das Heim schnell zum Feriendomizil für Freunde."Fünf-Länder-Eck"
Der Bodensee - das Drei-Länder-Eck. So kennt man die Region. Selbstbewusste Einheimische sprechen gerne auch vom Fünf-Länder-Eck, nämlich dann, wenn sie Bayern, Baden, Württemberg und Vorarlberg als eigenständig betrachten und mit der Schweiz vermählen.
Aber auch der klassische Dreiklang -Deutschland, Österreich, Schweiz - macht die wirtschaftliche und wissenschaftliche Zusammenarbeit deutlich. Die Beziehungen zum österreichischen Vorarlberg sind eng, in der Nordschweiz, wo es weniger Industrie gibt, sind die Unis St. Gallen und Thurgau wichtige Partner.27 Hochschulen aus vier Ländern bilden die Internationale Bodensee-Hochschule, Thurgauer Studenten können zu Vorlesungen nach Konstanz fahren, Forscher arbeiten an gemeinsamen Projekten.Netzwerke wie Biolago mit mehr als 60 Biotechfirmen und Unternehmen der Lebenswissenschaften sowie Forschungseinrichtungen sorgen für länderübergreifenden Austausch. Eine seeumspannende Wirtschaftsförderung soll einmal entstehen. Und privat existieren die Grenzen ohnehin kaum noch. Wer hier lebt, fährt am Wochenende eher nach Zürich als nach Stuttgart oder München.

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