Die Regionen der Zukunft


Eva Cochems vor dem Ortsschild Friedrichshafen Eva Cochems genießt jeden Tag am Bodensee Foto: © Andy Ridder

Friedrichshafen - Arbeiten, wo andere Urlaub machen

In der Manzeller Bucht geht am 2. Juli 1900 der erste Zeppelin in die Luft, schwebt 18 Minuten über dem Bodensee, bis zu 400 Meter hoch. Eine Gedenktafel erinnert daran. Heute ziehen Ruderer in Ufernähe ihre Bahnen, flitzt der Katamaran nach Konstanz auf die andere Seeseite, wo sich massive Berggipfel erheben. Als Urlaubsregion kennen die meisten Deutschen den Bodensee.

Wer sich umdreht, steht vor einer blassgelben, langgezogenen Fabrikhalle. Hier montieren 1500 Mitarbeiter von MTU Friedrichshafen, heute eine Marke von Tognum, Motoren. Ihre rund 4500 Kollegen werkeln am zweiten Standort in der Innenstadt Friedrichshafens. MTU Friedrichshafen, der Automobilzulieferer ZF, EADS, Zeppelin und unzählige Mittelständler haben hier ihren Sitz. Die Region steht für die Old Economy Deutschlands wie kaum eine andere, ist einer der größten Maschinenbaustandorte. Doch als Wirtschaftsregion kennen nur die wenigsten den Bodensee.

Der Bodenseekreis macht gerade einmal 30Prozent seines Umsatzes mit Tourismus, 70 Prozent kommen aus der Industrie, dem Gewerbe und den Dienstleistungen. Zudem haben sich das benachbarte Ravensburg und Konstanz zu bedeutenden Standorten der Gesundheitswirtschaft entwickelt.

Neue Mitarbeiter zu rekrutieren, ist für die Unternehmen hier nicht so schwer. "Die meisten finden sich relativ leicht damit ab, hierher zu ziehen", sagt Tognum-Personalvorstand Joachim Coers. So wie Maschinenbauerin Eva Cochems, die hier Urlaub und Arbeit verbindet. Sie kam für ein Praxissemester, schrieb dann ihre Diplomarbeit hier und stieg nach dem Studium bei MTU ein. In Jeans und Bluse läuft sie durch den schmalen Gang zu den Versuchsständen bei MTU, der Pferdeschwanz wippt mit jedem ihrer forschen Schritte. Sie kümmert sich als Versuchsingenieurin um die Abgasnachbehandlung, koordiniert und betreut Versuche mit den MTU-Motoren. Ihr Arbeitstag begann heute um 6.15 Uhr. "Viele hier beginnen recht früh und haben dafür am Nachmittag Zeit für den See", sagt sie.

Zur Entspannung über Berg und Tal

Das Wasser und die Berge sind es, die jährlich fast 230000 Touristen allein nach Friedrichshafen ziehen. Wenn im Sommer auch noch Messebesucher die Stadt bevölkern, kommen Fußgänger ohne Probleme über die Straße, weil der Verkehr steht. Eva Cochems nimmt es sportlich. Sie fährt leidenschaftlich gern Mountainbike und Rennrad, 90 Kilometer über Berg und Tal dürfen es schon mal sein. "Oft setze ich mich auch abends noch aufs Rad zum Abschalten. Das genieße ich total", sagt sie. Was sie begeistert: Selbst kleinste Wege seien beschildert.

Ausschlaggebend für ihre Entscheidung, zu MTU zu gehen, war der Bodensee nicht. Der Job passte und sie kann sich weiterentwickeln, das war ihr wichtig. Inzwischen hat sie hier ihre Heimat gefunden, ist angekommen und hat neue Freunde. "Ich genieße es jeden Tag, hier zu wohnen." Am "Dit" in ihrer Aussprache hört man, dass sie nicht aus der Region stammt. Sie ist in der Nähe von Trier aufgewachsen, hat dort studiert und wollte danach in eine andere Region, den "Horizont erweitern".

Das haben auch die Landräte und Wirtschaftsförderer getan. "Die Wirtschaft endet nicht an Verwaltungsgrenzen", sagt Hans-Joachim Hölz von der Wirtschaftsförderung im Landkreis Ravensburg. Der Wirtschaftsraum Bodensee umspannt vier Landkreise, doch eigentlich gehören das österreichische Vorarlberg und die Nordschweiz auch dazu.

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1 Kommentare zu “Die Regionen der Zukunft”


von Ullrich Schnappe am 16.11.2009 15:27 Uhr



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