Deutschland

Die Regionen der Zukunft

S. Hergert, C. Sonnet, M. Detering
Andreas Hilgers verschlug es nach OstwestfalenFoto: © Juergen Rehrmann
Paderborn - Kühe contra Computer
Paderborn hat ein Informationsproblem: "Natürlich ist es schwierig, jemanden von Paderborn zu überzeugen", gibt Nikolaus Risch zu. Aber nur, weil zu wenig Leute wüssten, wo die Stadt liegt und was sie ausmacht. "Wer erst mal hier ist, will so schnell nicht mehr weg", sagt der Präsident der Universität Paderborn. Zu konservativ, zu klein, zu katholisch, so lautet das Bild, gegen das er angeht. Dabei steht hier die Vergangenheit im direkten Kontakt mit der Zukunft: Das platte Land von Ostwestfalen-Lippe (OWL) mit seinen vielen Höfen ist eine der am dichtesten besiedelten Technologie-Regionen Deutschlands.Mehr als 2000 landwirtschaftliche Betriebe bewirtschaften in und um Paderborn große Flächen, halten Rinder, Milchvieh oder Schweine. In Paderborn gibt es ein Traktorenmuseum, aber auch das größte Computermuseum der Welt. Der Computer-Pionier Heinz Nixdorf hat die Region maßgeblich geprägt und die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Wissenschaft vorangebracht.Bis 2015 soll Nordrhein-Westfalen zur Zukunftsregion Nummer eins in Deutschland werden. Dieses ehrgeizige Ziel hat sich die Landesregierung gesetzt. Dafür entsteht jetzt die Technologiemeile an der Paderborner Fürstenallee: Drei riesige Forschungs- und Entwicklungsbauten sind geplant, die Bauarbeiten beginnen Anfang 2010. Bis zu 1000 neue Arbeitsplätze sollen langfristig entstehen, viele der Projekte für die IT-Meile laufen schon. Größter Einzelgesellschafter ist mit 55 Prozent die Uni Paderborn, beteiligt sind aber unter anderem auch die Stadt und die Industrie- und Handelskammer.Die enge Vernetzung mit der Forschung macht den Standort für Unternehmen interessant. Zwei von drei Geldautomaten in Deutschland tragen den Namen eines der größten Arbeitgeber der Region: Wincor Nixdorf. Grün spiegeln sich die Scheiben des flachen Glaskastenbaus der Zentrale im bedeckten Nachmittagshimmel. Ein riesiger Parkplatz bietet Platz für die mehr als 2000 in Paderborn Beschäftigten. Der Linienbus an der Hauptstraße hält nur alle halbe Stunde, aber ohne eigenes Fahrzeug wäre man in Paderborn ohnehin ziemlich aufgeschmissen.Frankfurt, Venedig, Florenz - Paderborn!Anke Oestereich hat eins. Bevor sie vor fünf Jahren aus ihrer Heimat Hamburg nach Paderborn zog, hatte sie schon in Frankfurt, Venedig und Florenz gewohnt. Und jetzt Paderborn. "Die Wege sind kürzer, das Umland ist wunderbar grün." Studiert hat sie Italienisch, Kunstgeschichte und Pädagogik, all das, was sie am meisten interessierte. Sie arbeitet bei Wincor Nixdorf im Marketing und in der Kommunikation für Osteuropa, Afrika und den Mittleren Osten. "Dafür musste ich am Anfang erst mal mein interkulturelles Verständnis ausbauen."Mit der Mentalität der Einwohner hatte sie sich dafür schnell arrangiert. "Die sind den Hamburgern ähnlicher als ich dachte." Nur das Leben sei ruhiger, nicht so "bunt". Es gebe nicht so viele individuelle Szenen oder kulturelle Gruppen und auch nur zwei Kinos. Aber das mache nichts, sagt sie. Nur der Hamburger Hafen und das Wasser, das fehlt ihr hier.Paderborn gilt als konservativ, der Altersdurchschnitt der Einwohner von 39,5 Jahren belegt diese These allerdings nicht. Paderborn zählt zu den jüngsten der größeren Städte. Im Stadtgebiet wohnen etwa 140000 Menschen, das Einzugs- und Pendlergebiet umfasst insgesamt etwa 300000. Die Arbeitslosenquote liegt bei 7,2 Prozent, knapp unter dem Bundesdurchschnitt von acht Prozent.

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