Deutschland

Die Regionen der Zukunft

S. Hergert, C. Sonnet, M. Detering
Um das zu ändern, kooperiert Elau mit mehreren Hochschulen. Die Studenten an den Fachhochschulen in Würzburg, Schweinfurt und Aschaffenburg sowie an der Universität Kassel erhalten von ihren Professoren praxisnahe Aufgaben, für die Elau die Technik zur Verfügung stellt. Auch mit Praktika und Diplomarbeiten werden die Studenten auf das Nischenunternehmen aufmerksam.Einer, für den es keine schönere Region als den Spessart gibt, ist Sebastian Diehm. Er programmiert bei Elau die Software für die Automatisierung von Maschinen. Der 29-Jährige ist in Hasloch, einem kleinen Dorf im Spessart, aufgewachsen und hat an der Fachhochschule Würzburg Technische Informatik studiert. Er informierte sich auch bei Unternehmen in Würzburg und München nach Arbeitsstellen, blieb dann aber doch im Spessart. Er hat dort viele Freunde, und auch seine Frau kommt hierher. Er wohnt nun in Wertheim, einer 24000-Einwohner-Stadt im Nachbarlandkreis. "Wertheim hat eine romantische Altstadt. Und die Stadt ist so groß, dass da auch mal etwas los ist", sagt Diehm. Beim "Night-Groove" sorgen Bands für gute Stimmung in allen Kneipen und Restaurants, und auf der hoch über der Stadt gelegenen Burg Wertheim führen Schauspieler Theaterstücke auf.In der Region seien auch die Karriereaussichten besser, meint Diehm. Neben dem Studium hatte er für ein Unternehmen in Aschaffenburg programmiert, das Software für Banken und Versicherungen entwickelt. Dort saß er mit Dutzenden Kollegen in einem Büro, alle Mitarbeiter betreuten denselben Kunden. "Man bearbeitete dort immer nur kleine Detailfragen. Das konnte ich mir langfristig nicht vorstellen", erzählt der Informatiker. Über einen Freund, der bei Elau ein Praktikum gemacht hatte, hörte er zum ersten Mal von Elau. "Ich hatte die Hoffnung, dass man im Mittelstand schneller eigene Projekte machen kann und Verantwortung übernimmt", sagt er. Die Hoffnung hat sich erfüllt: Diehm ist inzwischen einer von zwei Projektleitern in einem sechs Mitarbeiter großen Entwicklerteam.Wie erkläre ich es meinen Freunden?
Wen es in die Provinz verschlägt, der sollte sich auf eine nervende Frage gefasst machen: "Was willst du denn da?" Wer das nicht spontan beantworten kann, hat wohl etwas falsch gemacht. Am besten kalkuliert man daher gleich beim Vorstellungsgespräch mehr Zeit ein, erkundet die Stadt und fragt junge Leute. Landkarte, Reiseführer und das Internet helfen ebenfalls, Freizeitangebote ausfindig zu machen.
Im Landkreis Main-Spessart könnte die Antwort dann lauten: "Hier kann man wunderbar mountainbiken." Tief abfallende Täler und steile Berghänge erfordern großes Können. Einer der größten Fahrradmarathons findet im Spessart statt. Oder man macht die Freunde neidisch mit dem Satz: "Kommt mich mal im Winter besuchen, dann können wir Ski fahren." Zum Beispiel im Skigebiet Winterloch bei Heigenbrücken.Wenn das nicht hilft, rettet vielleicht noch der Verweis auf Bier und Wein. Viele fränkischen Städte haben eigene Brauereien, und aus der Rebsorte Silvaner wird Wein hergestellt, der als einer der besten in Deutschland gilt.

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