Informationstechnologie

Die Jobperspektive für junge Informatiker

Kirstin von Elm
"Flowlines": Mit einem Klick zur SturmflutFoto: © Arnaud SANTINI - Fotolia.com
Neben Berufserfahrung brauchen Freiberufler Disziplin und Weitsicht. Projekte sollten sie nicht nur nach Profit wählen, sondern so, dass sie technologisch am Ball bleiben. "Ein Jahr Segeltörn ist für Selbstständige nicht drin", sagt der 41-jährige Diplom-Informatiker. Wer diese Tipps befolgt, kann auf die Festanstellung verzichten. "Fragen Sie einen freien Spezialisten, ob er noch zu haben sei", sagt Thomas Götzfried, "die Antwort lautet garantiert Nein."
Portrait 1: Katastrophen leicht gemacht
Thomas Ganshorns Software für Großbrände und Flutwellen hat einen Oscar gewonnen.
Was haben Tom Hanks und Michael Douglas mit Thomas Ganshorn gemeinsam? Alle drei sind stolze Oscar-Preisträger. Gerade hat der 29-jährige Münchener einen der begehrten Academy Awards in Beverly Hills abgeholt. Ausgezeichnet wurde er allerdings nicht für sein mimisches Talent, sondern für sein technisches. Mit zwei Kollegen hat der filmbegeisterte Diplom-Informatiker eine besonders benutzerfreundliche und leistungsfähige Software zur Simulation von Flüssigkeiten entwickelt, die jetzt mit dem "Technik-Oscar" prämiert wurde. "Andere Systeme sind schwer zu bedienen oder eingeschränkt in ihren Möglichkeiten. Damit ein Glas Wasser virtuell zu füllen ist kein Problem, aber eine Sturmflut zu simulieren, wirkt nicht glaubwürdig", sagt Ganshorn über die Konkurrenz. Seine Software "Flowlines" ist dagegen so vielseitig, dass sie nicht nur Flutwellen und Wirbelstürme täuschend echt erschafft, sondern auch Rauch, Feuer und berstende Schiffe. Mit Flowlines sanken schon die antike Perserflotte im Kinohit "300" sowie der Luxusliner Poseidon im gleichnamigen Film und im Berliner Fernsehturm tobte ein Flammen-Inferno. Nach dem Baukasten-Prinzip kann sich jeder Grafiker seine Katastrophe zusammenbasteln."Computer-Grafik und -Animation war schon immer mein Hobby", sagt Ganshorn. Nach seinem Informatikstudium an der Fachhochschule Isny heuerte er Mitte 2000 aber erst mal als Entwickler bei einem Anbieter von Telefonauskunftsystemen an. Zum Ausgleich programmierte er Trickfilme für eine Münchener Disko. 2002 machte er sein Hobby zum Beruf und stieg als 3D-Grafiker bei der Firma Scanline VFX ein. Das Münchener Unternehmen mit 130 Mitarbeitern zähltzu den Marktführern für Visual Effects, also der Produktion von Spezialeffekten für Kino- und TV-Filme. Es hält auch die Rechte an Flowlines. "2003 hat mein Kollege Stefan Trojansky mir ein Programm gezeigt, das er in der Freizeit zusammengehackt hatte. Das war die Geburtsstunde von Flowlines", erzählt Ganshorn. Er hat die Software bis heute weiterentwickelt, zunächst als Angestellter, seit 2005 als selbstständiger Software-Architekt. Mit dem Technik-Oscar düfrten ihm neue Aufträge sicher sein, die Villa in Beverly Hills muss allerdings noch warten. "In der Grafikbranche wird nicht gerade toll bezahlt, dafür darf man umso länger arbeiten, wenn fünf Zeitzonen weiter der Star-Regisseur drängelt", sagt der Freiberufler. Und wie steht es mit Ruhm und Ehre? "Manchmal steht mein Name im Abspann", sagt Ganshorn und setzt noch einen drauf: "Neulich hat mich ein Restaurantbesitzer erkannt und mir eine Pizza spendiert."Portrait 2: Schöner shoppen
Für den Supermarkt der Zukunft bringt Mira Spassova Weinflaschendas Sprechen bei.
Hallo, ich bin ein trockener Riesling und passe besonders gut zu mildem Käse und Nudelgerichten", verrät die Weinflasche, wenn man sie aus dem Regal nimmt. Im "Innovative Retail Laboratory" beim Handelsunternehmen Globus im saarländischen St. Wendel sorgt modernste Funktechnologie für futuristische Einkaufserlebnisse. "Alle Flaschen hier sind mit kleinen Sendern versehen", erklärt Diplom-Informatikerin Mira Spassova, wie der von ihr mitentwickelte Weinberater funktioniert. Spezielle Sensoren am Regal erkennen, welche Flasche der Kunde gerade aus dem Regal nimmt. Über einen Lautsprecher erklingt dann die Produktbeschreibung. Das Computersystem erkennt sogar, ob ein Kunde die Flasche interessiert hin- und herwendet. "Wer die Rückseite studiert, erhält noch mehr Infos, etwa zur optimalen Trinktemperatur oder zum Anbaugebiet", sagt die junge Wissenschaftlerin.
Foto: © Junge Karriere
Ende 2008 wird sie ihr Informatikstudium an der Uni Saarbrücken mit dem Doktortitel abschließen. Parallel zu ihrer Promotion tüftelt die 30-Jährige seit knapp einem halben Jahr an innovativen Technologien. Denn im Globus-Labor können nicht nur Weinflaschen und Müslipackungen sprechen. Einkaufswagen navigieren hier anhand eines digitalen Einkaufszettels selbstständig durch den Laden, und ein Kühlschrank schlägt Alarm, wenn zum Beispiel die Milch im Wagen zu warm geworden ist. Wissenschaftlicher Träger des Innovative Retail Labs ist das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz, bei Softwareentwicklungen eine der führenden wirtschaftsnahen Forschungseinrichtungen in Deutschland. Die SB-Warenhauskette Globus finanziert das zunächst auf drei Jahre angelegte Forschungsprojekt über eine Stiftungsprofessur.
Wie lange Mira Spassova dabeibleibt, ist noch offen: "Den Handel finde ich spannend", sagt sie. "Er erfordert nicht nur technisches Wissen, sondern auch psychologisches Gespür, nützliche Lösungen für die Kunden zu entwerfen." Allerdings reizen die angehende Doktorin, die im Nebenfach Medizintechnik belegt hat, auch andere Aufgaben: "Ich könnte mir sehr gut vorstellen, technologische Lösungen speziell für ältere Menschen zu entwickeln", sagt sie - sprechende Flaschen und Kühlschränke sind da sicherlich nur der Anfang.Info: Jobs, Jobs, Jobs - Einsteiger haben die Qual der WahlAuf der CeBIT 2008 vom 4. bis 9. März in Hannover präsentieren sich die wichtigsten Arbeitgeber der IT- und Telekommunikationsbranche potenziellen Mitarbeitern. Junge Karriere hat die wichtigsten Infos und Termine für Bewerber zusammengestellt.
- Firmenkontakte: 27 Top-Arbeitgeber wie Microsoft, SAP oder Siemens präsentieren sich während der Messe auf dem "Job und Career Market" in Halle6. Im persönlichen Gespräch mit Firmenvertretern lassen sich Einstiegschancen ausloten.
- Zukunftskongress: Wie werden wir 2015 arbeiten? Welches sind die Jobs der Zukunft? Diese Fragen diskutieren 1 000 junge Leute mit Experten auf dem CeBIT-Kongress 2008 der Initiative D21 am 8. März. Die Diskussionsrunde "Neugründungen im Web 2.0" moderiert Junge-Karriere-Chefredakteur Sven Scheffler im Convention Center. 
IT-Fitness-Campus: Am 8. und 9. März vergibt die Personalvermittlung Randstad in Halle 16 circa 1000 Jobs. CeBIT-Besucher, die eine Bewerbungsmappe dabei haben und ihre Qualifikation bei einem IT-Fitnesstest nachweisen, sollen mit einer sofortigen Entscheidung rechnen können. Für Studenten und Absolventen gibt es eine Karriereberatung, geplant ist außerdem eine Party, um Kontakte zu knüpfen.
- Job-Wall: Am Stand der Online-Stellenbörse Stepstone werden rund 300 aktuelle Stellenangebote an zwei Wänden präsentiert. Interessenten können dafür am Stand ihre Bewerbung ausfüllen. Zu den Besonderheiten der Online-Bewerbung finden Vorträge statt. Die Termine: 4. und 6. März (jeweils um 14.30 Uhr) sowie 8. März um 13.30 Uhr in Halle 6 am Stepstone-Stand. 
- Personaler-Nachwuchstage: An Absolventen der Personalwissenschaften, die in der Computerbranche arbeiten wollen, richten sich am 8. und 9. März in Halle 6 Experten-Vorträge. 
Foto: © Junge Karriere
- Online-Stellenbörsen: CeBIT-Aussteller veröffentlichen ihre vakanten Stellen online unter http://cebit.career-online.de. 
- IT-Girls: Am 8. März haben Frauen, die sich für IT-Berufe interessieren, freien Eintritt auf der CeBIT.
Dieser Artikel ist erschienen am 01.03.2008

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