Umweltwirtschaft

Die grüne Branche wächst

Marc Winkelmann
Philipp Mihajlovic, studierter Raumplaner, hilft Kommunen beim EnergiesparenFoto: © Emanuel Bloedt
Philipp Mihajlovic: Öffentlich finanzierter Energie-Berater
An die Sprüche mancher Kunden hat er sich inzwischen gewöhnt, verstehen kann Philipp Mihajlovic sie aber nicht. "Wir haben hier alles im Griff", bekommt der Berater zum Beispiel zu hören, wenn er zu einer neuen Firma gerufen wird. Oft stimmt aber genau das nicht. "Die Betriebsblindheit ist weit verbreitet", sagt Mihajlovic. Also analysiert er: Wird unnötig viel Strom verbraucht? Wie werden Gefahrenstoffe gelagert? Sind die Heizung und die Lüftung optimal eingestellt?Die Ergebnisse, die er in eine Excel-Tabelle einträgt, bilden die Basis für sein Maßnahmenpaket. Das Ziel: Energie einsparen und Kosten senken, so viel und so weit wie möglich. "Wir leisten Hilfe zur Selbsthilfe", sagt der 28-Jährige. Wir, das ist sein Arbeitgeber, die mittelständische Unternehmensberatung Baum Consult im nordrhein-westfälischen Hamm.Seit zwei Jahren koordiniert der studierte Raumplaner Projekte des öffentlich finanzierten Programms "Öko-Profit". Die Idee: Kommunen schlagen Firmen für eine Umweltberatung vor, Mihajlovic und seine Kollegen beraten ein Jahr lang, zum Abschluss werden die Unternehmen vom Umweltminister ausgezeichnet. Sein größtes Erfolgserlebnis hatte er in einem Berufskolleg. Für neue Geräte oder Anlagen fehlten der Schule die Mittel, Mihajlovic fand trotzdem ein paar Möglichkeiten. Er tauschte Glühbirnen aus, drehte die Heizung runter, ließ durchrechnen, ob die Turnhalle nicht mit weniger Frischluft auskäme.Das Ergebnis: Durch 500 Euro einmaligen Einsatz spart das Kolleg jetzt 30000 Euro pro Jahr. "Ich staune manchmal schon, dass die Mitarbeiter solche Dinge nicht sehen. Aber oft fühlt sich keiner zuständig, und dann werden die Dinge nicht hinterfragt." Alles im Griff? Meistens ist es wohl doch besser, jemanden zu fragen, der sich mit sowas auskennt.Christian Greiner: Grünes FinanzmanagementTheoretisch könnte Christian Greiner rund um die Uhr arbeiten. Irgendwo hat immer eine Börse auf. "Ein Fondsmanager schläft nie", sagt er deshalb. Es ist nicht bloß eine Floskel. Abends, wenn er im Bett noch mal die Entscheidungen des Tages durchgeht, bringt ihn das Grübeln manchmal um den Schlaf. Der Druck ist hoch. Aber er belastet nicht nur. Er ist auch die Herausforderung, die er sucht.Greiner, Spezialist für nachhaltige Vermögensverwaltung, verantwortet seit sechs Jahren grüne Aktienfonds bei der Meag, einer Tochter der Münchener Rück. Er investiert das Geld von Anlegern in Unternehmen der erneuerbaren Energien. Als der heute 34-Jährige anfing, war der Markt überschaubar. Inzwischen hat er großes Potenzial. "Früher war Ökologie in der Wirtschaft ein Luxusproblem, jetzt wird erkannt, dass die erneuerbaren Energien viele Arbeitsplätze schaffen."Fondsmanager wollte er schon während seines BWL-Studiums werden. Nach ein paar Praktika schrieb er seine Diplomarbeit bei der Meag und ließ sich zum CFA-Chartholder ausbilden. Inzwischen wacht Greiner über mehrere Fonds. Er kauft und verkauft Aktien, ändert die Gewichtung, spricht mit Händlern, sammelt und analysiert Daten und trifft zum Teil namhafte Unternehmer für Hintergrundgespräche. Bis zu 400 Firmen weltweit behält er im Blick, 80 davon hat er aktuell in seinem Fonds "Meag Klimastrategie" vereint. Investitionsvolumen: Zehn Millionen Euro. "Ich habe viele Freiheiten bei der Gestaltung des Fonds, bin aber auch für ihn verantwortlich. In guten wie in schlechten Zeiten", sagt er.Die Kunst liegt darin, kurzfristig erfolgreich zu sein, und gleichzeitig langfristig zu denken und anzulegen. Wie man diesen Spagat hinbekommt, hat man erst nach ein paar Jahren raus, sagt Greiner. Dass er gelingt, ist auch für ihn persönlich nicht ganz unwichtig: Ein Teil seines Gehalts hängt von der Leistung seiner Fonds ab.Zurück zum Artikelstart

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