Umweltwirtschaft

Die grüne Branche wächst

Marc Winkelmann
Stephan Grüger arbeitet als Ingenieur für Thermotechnik bei BoschFoto: © Emanuel Bloedt
Stephan Grüger: Arbeits- und Zeitwirtschaft bei Bosch
Natürlich hatte Stephan Grüger die freie Wahl. Er hätte sich auch bei anderen Unternehmen bewerben können. Aber dann reichte sein Professor in der Vorlesung eine Bosch-Stellenanzeige herum, wies auf die heutigen Anforderungen an Ingenieure hin, und fortan lief es bei ihm auf den Stuttgarter Konzern hinaus. Praktikum, Diplomarbeit, Festanstellung: alles bei Bosch.Seit November ist der Ingenieur im Thermotechnik-Werk in Wettringen bei Münster beschäftigt, und gleich nach seinem Einstieg musste er mit anpacken. Fünf Wochen lang standen die Bänder Anfang des Jahres still, die Halle wurde um- und ausgebaut. "Das war eine riesige Planungsaufgabe. Kein Stein ist auf dem anderen geblieben", sagt er. In Spitzenzeiten werden jetzt rund um die Uhr bis zu 1000 Solarkollektoren pro Tag gefertigt. Die Saison hat gerade begonnen, sie geht von April bis Oktober.Der 27-Jährige ist für die Arbeits- und Zeitwirtschaft zuständig, so steht es auf seiner Visitenkarte, und das bedeutet: die Taktung von Arbeitsabläufen analysieren, Prozesse bewerten und standardisieren, Arbeitsplätze ergonomisch gestalten, Mitarbeiter schulen. Die Frage dahinter: Wie lässt sich die Produktivität erhöhen? "Meine Arbeit berührt sämtliche Aspekte, vom Einkauf und der Entwicklung über die Logistik bis zur Produktion. Ich darf keine Scheuklappen haben."Für den Werksleiter, dem Stephan Grüger direkt unterstellt ist, war es nicht leicht, jemanden für diese Aufgabe zu finden. Grüger aber brachte aus seinem Maschinenbau-Studium an der TU Dortmund gleich zwei Qualifizierungen in Arbeitsorganisation und Zeitstudien mit; in der Regel erwerben Mitarbeiter diese erst berufsbegleitend. Schnell war klar, dass er die Stelle übernimmt. Sein Professor, ein ehemaliger Bosch-Mitarbeiter, hat ihn auf die richtige Fährte gelockt.Sibylle Hase: Vertragsverhandlungen für WSB Neue EnergienVon Chefs erwartet man ja, dass sie alles wissen. Dass sie jedes Detail kennen. Im Grunde ist das aber gar nicht notwendig. Es kommt vielmehr darauf an, dass ihre Mitarbeiter sie richtig beraten. Sibylle Haase ist genau dafür zuständig. Für das Dresdener Unternehmen WSB Neue Energien führt sie die Verhandlungen, wenn ein neuer Windpark entstehen soll.Die 29-Jährige pflegt die Kontakte zu Investoren, bespricht mit Entwicklern technische Fragen und arbeitet die Verträge aus. "Ich bereite alles so vor, dass die Geschäftsführung eine gute Entscheidungsgrundlage hat und unterschreiben kann." Bis zu 50 Millionen Euro beträgt das Investitionsvolumen für einen Windpark. Ein bis zwei Wochen pro Monat ist sie im Schnitt unterwegs, häufig in Spanien, Frankreich und den Niederlanden.Nach ihrer Fremdsprachenausbildung studierte sie International Business in Dresden und im französischen Lille und legte ihren Fokus auf Umweltmanagement und Lateinamerika. Zwischenzeitlich ging sie für ein Jahr nach Chile und beschäftigte sich mit der Erschließung erneuerbarer Energien. Einfach war die Arbeit nicht immer, sagt Haase. Gelernt hat sie aber gerade deshalb viel. "Die Verhandlungen mit den verschiedenen, kritisch eingestellten Interessengruppen und den unterschiedlichsten Mentalitäten, das hilft mir heute sehr weiter."Ausgelernt hat sie trotzdem noch nicht. Weil ihr Kenntnisse der Windbranche fehlten, meldete sie sich für den berufsbegleitenden Studiengang Windenergietechnik und -management an. Noch bis zum Sommer fährt sie einmal im Monat für ein paar Tage an die Uni nach Oldenburg. Der Rest wird über Telefonkonferenzen und Projektarbeiten erledigt. Die Belastung ist sehr hoch, sagt sie. Aber wenn sie fertig ist, dürfte das Vertrauen in ihre Fähigkeiten bei der Geschäftsführung noch größer sein.Zurück zum Artikelstart

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