Thomas Blunck

"Die Beratung ist oft ein Sprungbrett"

Til Knipper
Sie sind mit Anfang 40 in den Vorstand der Münchener Rück berufen worden. Hatten Sie zu Anfang Probleme sich dort durchzusetzen?
Das habe ich mich vor meiner ersten Vorstandssitzung auch gefragt. Ich war ganz froh, dass ich dort keinen eigenen Tagesordnungspunkt zu vertreten hatte. Das hat sich aber schnell gelegt. Die Zusammenarbeit im Vorstand ist hierarchiefrei. Wir tauschen uns fachlich und inhaltlich intensiv aus - ohne Rücksicht auf Alter und Position.
Sie sind für Spezialrisiken und Kapitalanlagen zuständig. Bekommt Ihre Aufgabe durch die aktuelle Krise einen höheren Stellenwert?
Sie ist dadurch auf jeden Fall spannender und nicht unbedingt einfacher geworden. So sind das Warenkreditgeschäft und die Kapitalanlagen naturgemäß von der Finanzkrise besonders betroffen. Aber durch unsere solide und konservative Geschäftspolitik sind wir bisher gut über die Runden gekommen.
In die toxischen Kreditverbriefungen haben Sie demnach nicht investiert?
Nein, solchen Papieren haben wir in den vergangenen zehn Jahren sehr skeptisch gegenübergestanden. Im Markt wurden wir dafür häufig als Langweiler belächelt. Jetzt ist das natürlich ein Riesenvorteil, und wir sind froh, das so durchgehalten zu haben.
Sind die Jobs in der Branche daher auch krisensicher?
Das ist in der Rückversicherung von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich. Bei uns ist die Fluktuation generell sehr niedrig und dank unserer relativ stabilen Performance über die Krise hinweg, gibt es keinen Grund das zu ändern. Das ist Teil unserer Personalpolitik und kommt in Krisenzeiten offenbar gut an. Wir bekommen im Moment mehr Bewerbungen, gerade von Berufseinsteigern.
Sind Sie als langweiliger Risikoexperte auch für andere Branchen interessanter geworden?
Für mich persönlich kann ich sagen, dass ich bei der Münchener Rück meine Heimat gefunden habe. Als Rückversicherer haben wir ein sehr interessantes und komplexes Aufgabenfeld zu bearbeiten. Wir teilen dabei das Risiko mit unseren Kunden, so dass ich hier auch die Umsetzungsverantwortung ganz intensiv leben kann, die mir in der Beratung gefehlt hat.
Also wollen Sie nur noch innerhalb der Münchener Rück Karriere machen?
Da ist ja nicht mehr viel Luft nach oben. Es gibt in der Münchener Rück für mich sehr viel Raum für Neues und Forderndes. Gerade die Finanzkrise zeigt, dass sich meine Aufgaben dauernd verändern, und das macht es für mich äußerst spannend hier. Mein Ziel ist immer auch ein Gleichgewicht zwischen Familie und Beruf zu erhalten, und das funktioniert im Moment ganz prima.
Sie sind als Kind eines Hoechst-Expats in Chile geboren und unter anderem in Spanien, in der Dominikanischen Republik und in Venezuela aufgewachsen. In Ihrem Berufsleben fehlen längere Auslandsaufenthalte bisher. Warum?
Das ist eher Zufall. Ich war zweimal schon auf dem Weg ins Ausland. Ich hatte zuerst das Angebot bekommen, die Leitung der Niederlassung in Buenos Aires zu übernehmen, später sollte ich für die Münchener Rück nach Hongkong gehen. In beiden Fällen kam es dann zu einer Strukturveränderung, und man hat mich deswegen auf anderen Positionen eingesetzt. Aber beide Standorte hätten mich wahnsinnig gereizt.
Thomas BlunckThomas Blunck, 44, wurde 1965 in Santiago de Chile geboren. Dank der Expat-Karriere seines Vaters bei Hoechst wuchs Blunck in Chile, Spanien, in der Dominikanischen Republik und in Venezuela auf. Er studierte Betriebswirtschaft an der Esade in Barcelona und im schweizerischen Fribourg und promovierte über interne Beratungsleistungen in Großunternehmen. Ab 1993 arbeitete er zwei Jahre als Unternehmensberater bei Roland Berger und wechselte dann in die Strategieabteilung von Siemens und Bosch Hausgeräte in München. Seit 1999 ist er bei der Münchener Rück. Nach leitenden Tätigkeiten in den Abteilungen Unternehmensplanung, Spezialrisiken und Lateinamerika wurde er 2005 in den Vorstand des Dax-Konzerns berufen. Blunck ist verheiratet und hat drei Kinder.
Dieser Artikel ist erschienen am 01.07.2009

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