Porträt

Die bayerischen Traumfängerinnen

Martin Wocher
Die internationale Expansion war kein Selbstläufer. Mit dem Fall der Mauer 1989 begriffen sie, dass sie raus konnten aus der einsamen Ecke im Dreiländereck, dass die Welt ihnen offen stand. "Wir hatten schon früh an Export gedacht, vom Bayerischen Wald allein konnten wir ja nicht leben", sagt Hintermann. Doch der erste Anlauf, das Nachbarland Tschechien zu erobern, floppte. Für die Bettwaren fanden sich keine Käufer, die gegründeten Filialen blieben leer. "Die Leute wollten reisen oder Schmuck kaufen, aber nicht das erste Geld für ein neues Bett ausgeben", sagt Pangerl.Der zweite Anlauf brachte den Erfolg, wenn auch nicht direkt. 1993 schlossen sie sich den Ausstellern einer Hotelmesse in Dubai an. Zwar noch etwas unbedarft, witterten sie doch die Chance: "Wir haben an die vielen Kissen gedacht, auf denen die Araber immer sitzen", sagt Hintermann und lacht.Den ersten Eindruck, den sie dann allerdings vor Ort in ihren weißen Hosenanzügen und mit ihrer Plastikgans machten, war nicht der beste. Die Araber hielten sie für Ärztinnen und das Tierchen kannten sie nicht. Dafür saß der zweite Eindruck. Mit ihrem Vortrag über die Vorzüge von Federbetten auch in der Wüste überzeugten sie und legten die Basis für ihren internationalen Durchbruch und Erfolg. Vier Jahre später statten sie das Burj al Arab aus, eines der teuersten Hotels der Welt. Und heute beliefert Mühldorfer fast alle Edelherbergen dieser Welt: Steigenberger, Interconti, Kempinski, Peninsula, Rezidor, Mövenpick.Die beiden Schwestern aus der Provinz jetten um die Welt, sprechen und scherzen mit Kunden und Lieferanten. Die Garne kommen aus der Schweiz, die Stoffe aus Norddeutschland, die Hüllen ihrer Kissen und Oberbetten von zwei Nähbetrieben aus der Ukraine und Rumänien, und in Haidmühle läuft alles zusammen. Und wie ganz selbstverständlich gehen Hintermann und Pangerl, wenn sie im heimischen Betrieb sind, mittags zur Mutter zum Essen.VITAEDie beiden Schwestern werden 1961 (Elisabeth) und 1966 (Maximiliana) in Passau geboren.Für ihr Studium geht Hintermann an die FH München und macht dort 1985 ihren Abschluss als Betriebswirtin. Danach arbeitet sie in einer Passauer Steuerkanzlei. Pangerl absolviert 1987 im väterlichen Betrieb eine Ausbildung zur Handelsfachwirtin und geht anschließend nach München, wo sie als Assistentin der Geschäftsführung eines Einrichtungshauses arbeitet.In die väterliche Firma steigt Hintermann 1987 als Geschäftsführerin ein. Ihre Schwester folgt ihr zwei Jahre später. Beide bauen den Betrieb zu einem führenden Anbieter von hochwertige Bettwaren für die Top-Hotels der Welt aus .Lesen Sie mehr über erfolgreiche Familienunternehmer:Almdudler: Der Kräuterzwerg aus den Bergen
Beckers Bester: Der Neffe übernimmt den Saftladen
Rodenstock: Für die rosarote Brille ist kein Platz
Dieser Artikel ist erschienen am 12.07.2010

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