Karl-Thomas Neumann

"Der Start ist mir schwer gefallen"

Tanja Kewes
Wie lösen Sie diese Zielkonflikte?Der Auftrag an die Automobilindustrie lautet, sichere und energieeffiziente Autos zu entwickeln und herzustellen. Das haben wir verstanden und daran arbeiten wir. Doch klar muss auch sein, dass diese Entwicklungen Geld kosten und das Auto teurer machen. Die Hersteller erhöhen also die Preise - und dann liegt es wieder an jedem Einzelnen zu entscheiden, ob es sich lohnt. Das wird eine ähnliche Rechnung sein wie heute schon bei der Entscheidung zwischen Diesel- und Benzinmotor. Der Diesel ist bei Anschaffung und Besteuerung teurer, aber günstiger beim Fahren. Wenn ich viel fahre, lohnt sich ein Diesel, wenn nicht, dann nicht.Gibt es auch Antitrends in der Autoindustrie?Ja, die Brennstoffzelle ist eine Entwicklung, die sich nicht durchsetzen wird.Was fahren Sie selbst für ein Auto?Dienstlich einen Mercedes S400. Das ist ein milder Hybrid mit Verbrennungs- und Elektromotor. Auf den Markt kommt das Modell im Sommer 2009. Es gibt derzeit 100 Autos der Vorserie, die ich und andere testen. Einen fährt noch Joachim Löw, der Trainer unserer Fußballnationalmannschaft.Fahren Sie selbst - oder lassen Sie sich chauffieren? Ich fahre selbst. Vor allem weil es mir Spaß macht, aber auch, weil derzeit nicht die richtigen Zeiten sind, um sich Luxus zu gönnen und einen Fahrer zu engagieren.Vor einem Jahr hätten Sie noch jeden für verrückt erklärt, der Ihnen gesagt hätte, dass Sie der neue Vorstandschef sein werden. In einem Jahr - wo wird Continental stehen und wo Sie? Zunächst sehe ich die Krise nicht nur negativ, sie ist auch eine Chance. Wettbewerber, die nicht so solide finanziert sind wie wir, werden aufgeben. Wenn wir wie geplant die angestrebten Kostenstrukturen erreichen, werden wir im nächsten Aufschwung überproportional profitieren. Und was mich persönlich angeht, habe ich auf jeden Fall vor, dann noch Vorstandsvorsitzender zu sein!Zur Person: Der 47-Jährige ist seit September der neue Vorstandschef des Automobilzulieferers Continental. Geboren in Twistringen in Niedersachsen studierte Neumann an der TU Dortmund Elektrotechnik. Anschließend war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fraunhofer Institut für integrierte Schaltungen und Systeme in Duisburg, wo er auch promovierte. Ins Berufsleben startete er mit 32 Jahren als Entwicklungsingenieur bei Motorola. Es folgten fünf Jahre bei Volkswagen. Seit dem Jahr 2004 ist Neumann bei Continental in Hannover. Der Dax-Konzern ist mit einem Jahresumsatz von zuletzt rund 16 Milliarden Euro und über 150 000 Mitarbeitern einer der weltweit führenden Zulieferer der Automobilindustrie. Die Übernahme durch den fränkischen Familienkonzern Schaeffler segnete die EU-Kommission im Dezember wie erwartet ab.
Dieser Artikel ist erschienen am 01.02.2009

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