Elke Engels

"Der Mensch braucht unverplante Zeit"

Tina Groll / Zeit.de
Phasen und VerlaufAn Burnout kann jeder erkranken: Schüler, Studenten, Berufstätige, Führungskräfte, Arbeitslose. Charakteristisch für die Erkrankung ist zunächst eine Phase der Euphorie und besonders starken Engagements. Die Betroffenen verzichten nahezu ganz auf Erholungsphasen, sie rücken ihren Beruf völlig in den Mittelpunkt ihres Lebens und vergessen darüber ihre eigenen Bedürfnisse. Häufig isolieren sich die Betroffenen in dieser Zeit. Ein Großteil der sozialen Kontakte wird nur noch zu Kollegen, Kunden oder Mitarbeitern gepflegt, für alles andere hat man keine Zeit mehr.Nach einigen Wochen, Monaten und manchmal auch erst Jahren setzt eine Phase der Erschöpfung ein: chronische Müdigkeit, Traurigkeit, Antriebslosigkeit und das Gefühl, dass alles einfach nur noch zu viel ist, kennzeichnen diese zweite Phase. Es kommen auch körperliche Symptome dazu: Schlafstörungen, Ausschlag, Schwindel, Angst- und Panikattacken, Rückenschmerzen, Kopfschmerzen.Typisch ist auch, dass jetzt das Engagement abnimmt. Die Betroffenen ziehen sich zurück und verändern sich. Manche werden zynisch, andere depressiv. Wer vormals sehr gut organisiert war, ist plötzlich völlig desorganisiert. Viele verrichten jetzt nur noch Dienst nach Vorschrift. Ein Gefühl von innerer Leere, Desinteresse und Einsamkeit tritt an die Stelle, wo einmal Leidenschaft für den Job war.Ursachen und VorsorgeDie Ursachen sind sehr unterschiedlich. Menschen, die besonders engagiert sind und ihren Selbstwert über die Arbeit definieren, sind eher gefährdet. Auch die Mitarbeiter von Unternehmen, in denen ein hoher Personal-, Zeit- und Kostendruck herrscht, können eher erkranken. Wer einen unsicheren Job hat und schlecht bezahlt wird, ist außerdem gefährdet. Zudem liegt die Zahl der Erkrankungen in sozialen und Pflegeberufen höher, weil hier die emotionale Belastung deutlich größer ist als in anderen Berufen. Auch Freiberufler scheinen gefährdeter zu sein. Zudem ist der Handlungsspielraum entscheidend: Wenn Menschen das Gefühl haben, an ihren Arbeitsbedingungen nicht mitwirken zu können, fühlen sie sich ausgeliefert. Wer in einem Unternehmen arbeitet, in dem nicht offen kommuniziert und selten oder nie gelobt wird, scheint auch gefährdeter zu sein.Gemeinhin kann ein Burnout-Syndrom mit einer Therapie gut behandelt werden. Häufig ist dabei ein stationärer Aufenthalt von einigen Wochen in einer speziellen Klinik vonnöten. Die Rückkehr in den Job erfolgt nach der Therapie über Teilzeitmodelle. Die Chance, wieder ganz zu genesen, ist hoch.(Zuerst erschienen auf Zeit Online)Lesen Sie weitere Tipps für ein "glücklicheres Berufsleben":
Yoga in der Mittagspause
Buch: Weniger Karrieredruck, mehr Leben
Dieser Artikel ist erschienen am 10.06.2010
  • Entspannung

    Buddeln und Grillen mit Kollegen

    Unternehmen richten Gärten ein, in denen sich die Mitarbeiter entspannen können. In manchen Firmen werden die Angestellten selbst zum Gärtner.

  • Betriebssport

    Schwitzen mit Kollegen

    Sport

    Ob Fußball, Badminton oder Gymnastik - Betriebssport ist gut für Gesundheit und Betriebsklima. Doch nicht bei jeder Sportart sind die Mitarbeiter auch versichert. Was zu beachten ist.

  • Work-Life-Balance

    Auszeit für den Stand-by-Manager

    Manager genießt die Ruhe in der Natur

    Email, SMS, Anrufe - die ständige Erreichbarkeit kann auf Dauer krank machen. Dabei gibt es durchaus clevere Ansätze, wie Führungskräfte in Teilzeit ihr Arbeits- und Privatleben ausbalancieren können.

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