Management

Der Aufsichtsrat: jung, kritisch, versiert

Stefani Hergert, Tanja Kewes
Volljährig und geschäftsfähig - mehr forderte der Gesetzgeber lange von den Kontrolleuren nicht. Jetzt sind Unabhängigkeit und Sachverstand Pflicht. Einen Finanzexperten braucht nach dem Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz heute jedes Gremium. Auch der Rest der Aufsichtsräte muss genauer hinschauen, vor allem das Gesetz zur Angemessenheit der Vorstandsvergütung betont die Kontrollpflichten und Haftungsfragen. Und das Regelwerk mit dem schönen Namen "Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich" macht die Aufseher zu Partnern bei der Unternehmensplanung.Auch Multi-Aufsichtsräte der alten Schule wie Ex-Bayer-Chef Manfred Schneider, heute einer der höchstdotierten Dax-Kontrolleure, stellen sich den neuen Herausforderungen. "Die Anforderungen sind in jedem Fall gestiegen und die Verantwortung ist gewachsen. Die Aufsichtsratsarbeit muss sich deshalb professionalisieren." Im Gremium komme es deshalb auf einen gesunden Mix an. So sollte Expertise aus dem Finanzsektor, aus den jeweiligen Zuliefer- und Kundenindustrien oder - bei forschenden Unternehmen - aus der Wissenschaft vertreten sein, sagt er.Langsamer WandelDennoch: Auch wenn der Bedarf erkannt ist, in der Praxis setzt sich der professionelle Kontrolleur erst langsam durch. Noch immer werden 70 bis 80 Prozent der Aufsichtsratsposten in Dax-Konzernen unter der Hand vergeben. Nur ein Bruchteil läuft über Headhunter, die hier ein großes Geschäft sehen. "Es wird seit Jahren viel mehr darüber geredet als gehandelt", sagt von Pfeil von Korn Ferry. Der Dax sei immer noch ein weitestgehend geschlossener deutscher Club, und im Mittelstand dominierten Familie und Freunde des Hauses die Räte.Aber es muss ja auch nicht immer die reine Lehre sein. Axel Herberg ist ein gutes Beispiel für einen mittleren Weg. Der 52-Jährige war bis Juni Vorstandschef des MDax-Konzerns Gerresheimer. "Nach 15 Jahren im Vorstand, davon zehn als Vorsitzender wollte ich mich einer neuen Herausforderung stellen, dem Unternehmen aber weiter verbunden bleiben", erklärt Herberg. Nachdem ihn Aufsichtsrat und Anteilseigner gebeten hatten, in den Aufsichtsrat zu gehen, wurde er in der Hauptversammlung mit 95 Prozent in das Gremium gewählt.Nur Aufsichtsrat zu sein, ist ihm aber zu wenig. "Dafür bin ich wohl noch zu jung." Da kam das Angebot von Blackstone gerade recht. Ab Oktober leitet Herberg das Geschäft des Finanzinvestors im deutschsprachigen Raum.Wie wird man Aufsichtsrat? Lesen Sie mehr zum Thema:
Aufsichtsrat: Kann man Kontrolleur lernen?
Dieser Artikel ist erschienen am 02.09.2010

Der jobturbo: eine suche - alle jobs

Themen im Überblick

Werden Sie eine Fair Company

Allgemeinbildung

Jetzt Neu: Die besten Vertriebsjobs

Die besten Trainee-Stellen

Karriere-Städteranking

Jobsuche + Bewerbung

Wer verdient wieviel?

Newsletter bestellen

Berufsreport