Ahnungsloser Aufseher? Das war einmal! Das Berufsbild der Aufsichtsräte ist im Wandel. Immer mehr Vorstände entschließen sich vor ihrer Verrentung in den Aufsichtsrat zu wechseln. Die Neuen sind engagiert und bringen frischen Wind hinein.
Als Hasso Kaempfe im Jahr 2007 den Chefposten bei Jägermeister an den Nagel hängte, da wollte er sich die "Chance geben, noch einmal ganz anders zu denken". Nach zehn Jahren an der Spitze des Kräuterlikörherstellers hatte er keine Lust mehr, noch fünf weitere dranzuhängen und dann in Rente zu gehen. "Nach so einer Zeit weiß man doch oft morgens schon, was am Abend der Tag gebracht haben wird", erinnert sich der Manager. Damals mit 57 plante er seine zweite Karriere, er wollte sein Wissen auch in anderen Branchen weitergeben.Und genau das macht Kaempfe seitdem. Er beaufsichtigt im Hauptjob die Chefs etlicher mittelständischer Unternehmen. Er leitet den Aufsichtsrat und Beirat des Pharmaunternehmens Grünenthal und als Stellvertreter den des Sockenherstellers Falke. Zudem ist er in den Beiräten einer Beteiligungsgesellschaft und zweier Beratungen.Kaempfe gehört zur Riege von neuen Aufsichtsräten. Er ist ein Vorstandschef, der noch weit vor der Pensionierung beschlossen hat, vom Überwachten zum Überwacher zu werden, der hauptberuflich Managern auf die Finger schaut. Ähnlich ging auch Ex-Homag-Chef Klaus Bukenberger (53) vor. Er tummelt sich inzwischen in zig Räten im Mittelstand. Oder Axel Herberg (52). Er wechselt jetzt vom Vorstand in den Aufsichtsrat beim MDax-Konzern Gerresheimer und kann sich weitere Mandate vorstellen. Oder Martin Koehler (53). Der Geschäftsführer der Boston Consulting Group zieht sich aus der Beratung zurück, um sich voll aufs Überwachen zu konzentrieren - bisher von Lufthansa und der Managementholding Delton des BMW-Erben Stefan Quandt.Aufsichtsräte im WandelDer professionelle Aufsichtsrat - ein Beruf, den es in den USA und Großbritannien schon gibt, weil das System ein anderes ist - etabliert sich langsam, aber stetig in Deutschland. "Die Tätigkeit wandelt sich. Aufsichtsräte sind heute durchschnittlich jünger, kritischer und fachlich versierter", sagt Stefan Fischhuber, Geschäftsführer der Personalberatung Kienbaum. Der Wandel gehe von beiden Seiten aus. In Unternehmen wachse die Einsicht, das Gremium strategisch-systematischer zu besetzen. Und für viele Manager ab Anfang 50 sei Aufsichtsrat eine echte Alternative."Da entsteht gerade ein zweiter Arbeitsmarkt für Manager", sagt der Münchener Professor und Corporate-Governance-Experte Manuel René Theisen. Und Axel Smend, der mit seiner Beratung Aufsichtsräte schult, hat beobachtet: "Die Jungen bringen frischen Wind und neue Ansätze in die Gremien." Sie seien oft hungriger, hätten mehr Ehrgeiz, weil sie sich mit dem "Beruf", identifizierten, seien lernfähiger und flexibler.Hintergrund hierfür ist, dass sich die Lebensläufe beschleunigt haben. Früher waren Manager mit Anfang 50 gerade einmal Vorstand, heute habe sie in diesem Alter schon zehn Jahre Erfahrung auf der Top-Ebene und suchen nach neuen Herausforderungen.
Meterhohe Aktenstapel, Fotos von den Kindern, Spielfiguren aus Plastik: Schreibtische sind nicht nur nüchterne Arbeitsfläche, sondern Spiegel der Seele und unserer Gesellschaft. Weil unsere Arbeitswelt im Umbruch ist, wird der eigene Schreibtisch aber zum Auslaufmodell. Die Zukunft gehört flexiblen Arbeitsplätzen.
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Foto: G. Altmann/Pixelio
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