Gründer

Den Nebel vertreiben

Dietrich von Richthofen
CO2-Schnee vertreibt NebelFoto: © Robert Baumeister
Doch die Produktentwicklung war komplizierter als gedacht. In Kästen aus Plexiglas erzeugten sie mit Luftbefeuchtern Kunstnebel und testeten das Trockeneis. Es funktionierte nicht. "Man kann solche Versuche nur in der Natur durchführen", weiß Elbing heute. Eine größere Trockeneis-Kanone für einen Feldversuch musste her. Mit privaten Geldern, staatlichen Fördermitteln und Einkünften aus Beratungstätigkeiten stemmten sie die Investition. Es folgte wochenlanges Warten auf Nebel, die zwei Meter lange Kanone war in Position gebracht, die Forscher ständig auf Abruf. Dann schließlich die ersten erfolgreichen Versuche, die alle Erwartungen übertrafen - der Beweis, dass man mit Trockeneis-Schnee Nebel vernichten kann, war erbracht.
Die Flugbranche ist interessiertFlughafenbetreiber und Verkehrsexperten finden die Technik interessant. "Man sollte den Einsatz auf Autobahnen auf jeden Fall ausprobieren", sagt Michael Niedermeier, Meteorologe beim ADAC. Dabei werde sich zeigen, ob die Technik auf längeren Straßenabschnitten effizient und preiswert eingesetzt werden könne.Noch größer ist das Interesse im Flugverkehr. Hier hat der Nebel einen beträchtlichen Anteil an den durch Wetter bedingten Verspätungen. Bei schlechter Sicht sei eine niedrigere Staffelung der Flugzeuge gesetzlich vorgeschrieben, sagt Axel Raab, Pressesprecher der Deutschen Flugsicherung. Das führe zu Verzögerungen auf dem Rollfeld und damit zu erheblichen Kostenausfällen bei Flughäfen und Fluggesellschaften.Elbing witterte gute Absatzchancen: "Hier ist der Kostendruck am höchsten." Die Investition in eine Technologie zur Nebelbekämpfung würde sich deshalb besonders schnell amortisieren, so das Kalkül. Die Betreiber hätten auch großes Interesse gezeigt. Allerdings: "Die Zulassungsverfahren für den Einsatz auf Flughäfen sind sehr aufwendig und dauern lange", musste Elbing lernen.Das Projekt liegt im Moment auf EisDen Gründern von Weather Technologies dauerten sie zu lange. Sie konzentrieren sich wieder auf ihren Hauptberuf: Möller arbeitet als Hochschullehrer, Ulbricht treibt sein Laser-Unternehmen voran und Elbing gründete die Firma Cryosnow - und vertreibt Reinigungsgeräte. Allerdings hat Elbing die Hoffnung nicht aufgegeben. "Keiner von uns hat die Nebelbeseitigung mit Elan vorangetrieben", blickt er selbstkritisch zurück. Es sei nicht zu spät. Konkurrenz sei weiterhin keine in Sicht. Die Schutzrechte haben die Unternehmer auf Cryosnow übertragen. Elbing will weitere Praxistests durchführen, marktfähige Prototypen entwickeln und Referenzprojekte mit ersten Kunden auf den Weg bringen.Wenn neben Unternehmen und Familie noch Zeit bleibt, geht Elbing gerne segeln. Mit der Weiterentwicklung der Anti-Nebel-Kanone beißt sich dieses Hobby nicht: Bei Nebel ist es meistens windstill.
Dieser Artikel ist erschienen am 30.04.2009

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