Autobranche

Das weibliche Autohaus

Lukas Grasberger
Doch gibt es das überhaupt, speziell weibliche Bedürfnisse, Kundinnen, die ein Frauen-Auto verlangten? Generell könne man das so nicht sagen, räumt Erkner ein. Allerdings achteten Frauen insgesamt stärker auf Details. Wo Mann sich mit einer bestimmten PS-Zahl zufrieden gebe, seien Käuferinnen zusätzlich die Farbe, Ausstattungsdetails wie Sitzheizung oder die Größe des Kofferraumes wichtig.Kinderspielecke gehört zur StandardausstattungVor allem aber ist es der Umgang untereinander, der bei „Senorita Maria“ schnell auffällt. Leiser, verbindlicher geht es zu, ein Leitbild auf der Homepage spricht etwas sperrig von „familienorientiertem demokratischen Führungsstil“. Heißt konkret: Frauen sollen gleich viel verdienen wie Männer in vergleichbaren Unternehmen und die junge Chefin bietet flexible Arbeitszeitmodelle, wenn sich bei einer Mitarbeiterin Nachwuchs einstellt. Es gibt eine Kinderspielecke, für die sich Maria Erkner beinah entschuldigt: Die gehöre ohnehin zur Standardausstattung des Ladens. Ein Leitbild schreibt Frauenorientiertheit und Gleichberechtigung vor – für Mitarbeiter wie für Kunden.Kundin Daniela Schütt lobt eine angenehmere Atmosphäre als bei der männerdominierten Konkurrenz, bei der sie bislang zur Repartur vorfuhr. „Wir sind hier irgendwie auf einer Ebene“, sagt die junge Hennigsdorferin. „Ich habe schon das Gefühl, dass sich die Frauen gut auf mich eingestellt haben.“Für Franziska Fengler, die in der Werkstatt unterdessen energisch an Schütts Kleinwagen schraubt, findet es schon angenehmer, nur mit Frauen zu arbeiten. „Da gucken einem die Männer nicht dauernd auf die Finger. Und die Frauen trauen sich auch mal ´was zu fragen.“ Das Autohaus plant nun spezielle Kurse, um Frauen fit zu machen für Reifen- oder Ölwechsel.Hoffen auf das OstergeschäftAus der Kfz-Branche kommt Lob für neue Modelle wie das Frauen-Autohaus: „Es ist gut, dass sich Betriebe genau überlegen, wie sie sich positionieren, um speziell in ihrer Region und ihrem besonderen Umfeld besser angenommen zu werden. Um so wichtiger ist dies, wenn der Absatz zurückgeht“, sagt Ulrich Köster vom Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe. Frauenautohaus-Chefin Erkner hat seit Oktober bereits 20 Fahrzeuge verkauft – ganz ohne Abwrackprämie, denn die galt da schon nicht mehr. Ganz zufrieden ist sie damit dennoch nicht, „aber wir kommen über die Runden“.Damit scheint es bei Händlerin Erkner jedenfalls runder zu laufen als für Seat insgesamt. Das Sorgenkind im VW-Konzern schreibt ein dreistelliges Millionenminus, 2009 lag der operative Verlust bei 339 Millionen Euro. „Wir erhoffen uns durch diesen außergewöhnlichen Weg neue Verkaufsimpulse. Von der Idee eines Frauenautohauses waren wir von Anfang an sehr angetan“, heißt es bei Seat. Der Autohersteller und Geschäftsführerin Erkner setzen nun auf die übliche Frühjahrsbelebung in Deutschland. Rund um Ostern sind die Werkstätten erfahrungsgemäß voll und das Neuwagengeschäft zieht an. Dann hofft Maria Erkner, dass sich die Wolken über „Senorita Maria“ verzogen haben - und sie ordentlich Gas geben kann.Weitere erfolgreiche Frauen im Beruf finden Sie hier:Katharina Bernau-Seiguer: Coffee-Queen will ihr Reich vergrößern
Weidong Xu: In Deutschland fest verankert
Dieser Artikel ist erschienen am 24.03.2010

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