Sportindustrie

Das große Spiel: Karriere machen bei Adidas und Co.

G. Lawecki, K. von Elm, S. Hergert, M. Winkelmann
In den Startlöchern: Nachwuchskräfte in der SportbrancheFoto: © Harald Bauer - Fotolia.com
Christian Kortmann, 29, ist bereits in Asien, genauer: in Schanghai. Dort sitzt er seit zwei Wochen im Büro der Münchener Agentur Avantgarde und plant Werbe- und Promotionveranstaltungen für Nike, den Weltmarktführer und schärfsten Rivalen von Adidas. Auch der US-Konzern will sich in Peking der Weltöffentlichkeit von seiner besten Seite präsentieren. Kortmann hat an der Deutschen Sporthochschule (DSHS) in Köln Sportwissenschaften mit Schwerpunkt Ökonomie und Management studiert und arbeitet seit vier Jahren für Avantgarde. "Im vergangenen Sommer habe ich mit meinen Chefs darüber gesprochen, dass ich mich beruflich verändern möchte", sagt Christian Kortmann. "Als dann das Angebot kam, nach China zu gehen, habe ich nicht lange gezögert." Beim Großereignis Olympia wollte er auf jeden Fall dabei sein. Dass der Job stressig und sehr zeitintensiv wird, kalkuliert er gerne ein.
Über Hertha BSC zum FC AugsburgDas ist, unabhängig von Olympischen Spielen, keine Seltenheit im Sportbusiness. "Wer mitspielen möchte, muss die teilweise gewöhnungsbedürftigen Arbeitszeiten akzeptieren. Die Veranstaltungen oder Spiele finden zumeist abends oder am Wochenende statt", sagt Till Kraemer von der Personalvermittlungsagentur Sport-Job. Rouven Kasper hat damit keine Probleme. Er betreut für den Sportrechtevermarkter Sportfive die Sponsoren beim Fußball-Zweitligisten FC Augsburg und ist bei jedem Heimspiel des Klubs im Einsatz - meist sonntags. Der 26-Jährige hat zudem das, was Marktexperte Kraemer Stallgeruch nennt: Er hat als Student viele Praktika absolviert und wichtige Kontakte geknüpft. Während er in der Marketingabteilung von Hertha BSC hospitierte, lernte er etwa Olaf Bauer kennen, der ihm wiederum zum Praktikum bei Sportfive, seinem heutigen Arbeitgeber, verhalf.Die Agentur, die 2001 aus einer Fusion von Ufa Sports mit zwei französischen Agenturen entstand, seit 2006 zum Konzern Lagardère gehört und sich am Markt mit Konkurrenten wie IMG und Infront misst, beschäftigt derzeit 250 Mitarbeiter in Deutschland. Aktuell vermarktet das Unternehmen acht Fußball-Erstligisten - darunter den Hamburger SV, Eintracht Frankfurt, Hertha BSC und Borussia Dortmund - sowie die Zweitliga-Teams in Kaiserslautern und Augsburg. Die Zeichen stehen auf Wachstum. Gesucht werden pro Jahr 30 bis 40 neue Mitarbeiter, nicht zuletzt deshalb, weil Sportfive sich neben dem Kerngeschäft Fußball verstärkt auch im Rugby und im Handball engagiert. Handball gilt spätestens seit dem WM-Triumph der deutschen Mannschaft Anfang 2007 als neues Schwergewicht in der Sportvermarktung.Neben dem Marketing kümmert sich Sportfive auch um rechtliche Fragen. Hier kommt Till Johannsen, 31, ins Spiel. Der Jurist ist für die Verträge beim Ein- und Verkauf der Rechte zuständig. Eine spannendere Aufgabe kann sich HSV-Fan Johannsen gar nicht vorstellen. Dennoch, oder vielleicht gerade deswegen, bleibt der Job nicht ohne Folgen: "Ich gucke mir Bundesligaspiele in der Sportschau schon mit anderen Augen als früher an. Schließlich kenne ich viele Kunden und achte deshalb besonders darauf, wie deren Banden- oder Trikotwerbung zur Geltung kommt." Straf- oder Zivilrecht dagegen hat ihn nie interessiert. "Ich wollte immer in die Wirtschaft. Dass ich Job und private Interessen verknüpfen kann, ist ideal", sagt Johannsen.Junge StudiengängeDie Verbindung von Sport und Wirtschaft ist heute selbstverständlich. Tatsächlich aber sind Studiengänge wie Sportökonomie und Sportmanagement vergleichsweise jung. Als erste deutsche Universität bot Bayreuth Sportökonomie 1985 an. 70 Studenten setzten sich damals in die Vorlesungen, etwas unsicher, was auf sie zukommen würde. "Wir haben die Idee des Sportmanagement-Studiums aus den USA übernommen. In den 80er-Jahren wurde Sport endgültig zum Werbemedium für die Unternehmen. Das Bedürfnis nach einer adäquaten Ausbildung war groß, und darauf haben wir reagiert", erzählt Professor Herbert Woratschek. Das Studium in Bayreuth umfasst drei Bereiche: Wirtschaft, Sport und Recht. "Unser Drei-Säulen-Konzept ist hierzulande einzigartig", sagt Woratschek und verweist auf die große Nachfrage aus der Wirtschaft.Die Absolventen aus Bayreuth stehen hoch im Kurs. Das Alumni-Netzwerk der "Spökos" tut sein Übriges, um Kontakte zu den Unternehmen, Vereinen und Verbänden herzustellen. 70 Studienplätze werden jährlich neu besetzt. Die Zahl der Bewerber, die neben guten Abi-Noten auch eine überzeugende Eignungsprüfung hinlegen sollten, liegt regelmäßig bei 400 bis 500. Anders als in Bayreuth sind in Köln-Marsdorf vor allem technische Fähigkeiten gefragt. Toyota entwickelt hier seine Formel-1-Fahrzeuge und beschäftigt dazu 650 Mitarbeiter aus 30 Nationen. Neue Stellen sind geplant, vor allem Ingenieure haben gute Chancen, sagt Personalleiter Rob Leupen. "Es handelt sich um Aufgaben in der Fahrzeugentwicklung und Konstruktion sowie in der Aerodynamik. Im Vordergrund steht die Entwicklung von Hochleistungskomponenten für unser Formel-1-Fahrzeug." Zum Einsatz kommen die Ingenieure auch an den Teststrecken in Südeuropa.Jobs wie bei Toyota sind verlockend und scheinen Glamour zu versprechen. Doch den Traumjob findet nicht jeder Absolvent. "Man kann von einer Zweiklassengesellschaft sprechen", sagt Ulrich Semblat. Er ist Vorstandsvorsitzender des Verbandes für Sportökonomie und Sportmanagement in Deutschland (VSD) und beobachtet den Markt seit vielen Jahren. "Die Stellen bei den großen Unternehmen und Profi-Klubs sind natürlich heiß begehrt. Aber Positionen bei kleineren Vereinen bleiben schon mal länger unbesetzt", sagt Semblat. "Das erscheint vielen Sportmanagern nicht so attraktiv."
Dieser Artikel ist erschienen am 01.05.2008

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