Solarbranche

Das Geschäft mit der Sonne

Til Knipper
Karriereurteil SolarworldFoto: © Ralph Stegmaier
Die Begeisterung lässt man sich in Bonn auch nicht durch die erste große Krise der noch jungen Branche nehmen. Nachdem in den vergangenen Jahren die Photovoltaik-Hersteller von Rekordergebnis zu Rekordergebnis eilten und so fast 50000 Arbeitsplätze in Deutschland entstanden, hat die Wirtschaftskrise den Solarboom fürs Erste unterbrochen. Gefahr droht auch noch von anderer Seite: Anfang 2010 wird die gesetzliche Förderung für Solarenergie um neun Prozent gekürzt, und die neue schwarz-gelbe Regierung plant weitere Kürzungsschritte für Mitte kommenden Jahres.
Q-Cells muss 500 Arbeitsplätze streichenKrise, angekündigter Subventionsabbau, die billigere Konkurrenz aus Asien und ein Preisverfall von bis zu 30 Prozent bei den Solaranlagen wegen Überkapazitäten im Markt haben inzwischen schon einige Branchengrößen abstürzen lassen. Der Solarzellen-Hersteller Q-Cells aus Bitterfeld in Sachsen-Anhalt mutierte innerhalb kürzester Zeit vom Weltmarktführer zum Krisenfall. Der Q-Cells-Vorstand trat zu spät auf die Bremse und muss jetzt 500 Arbeitsplätze streichen.Die in Hamburg ansässige Conergy und ihre 1700 Mitarbeiter kämpfen seit Jahren ums Überleben. Bei Solon in Berlin sieht es nicht viel besser aus. Solarworld spürt den Preisverfall auch, kommt aber verglichen mit der Konkurrenz ziemlich gut durch die Krise. Sein Ziel, erstmals die Milliardengrenze beim Umsatz zu knacken, hat Vorstandschef Frank Asbeck kürzlich noch mal bestätigt. Das ist mutig, da Solarworld nach drei Quartalen erst 634 Millionen Euro erwirtschaftet hat. Wegen der anstehenden Kürzung der gesetzlichen Einspeisevergütung rechnet die ganze Branche mit einer Jahresendrally, weil sich die Endkunden noch die Maximalförderung sichern wollen.Verglichen mit dem Zeitraum Juli bis September 2008 ging das Ergebnis vor Steuern und Zinsen allerdings von 90,8 Millionen auf 34,7 Millionen Euro zurück. Netto verdiente Solarworld noch 16 Millionen Euro (Vorjahr: 36,1 Millionen). "Immerhin ist Solarworld noch profitabel", sagt Karsten Blumenthal, Analyst bei SES Research. Die operative Umsatzrendite von 15 Prozent sei auch immer noch sehr respektabel. "Die Zeiten mit Ebit-Margen von 30 bis 40 Prozent sind einfach vorbei", sagt Blumenthal.Eine starke MarkeDer Grund für den Erfolg fußt auf dem Geschäftsmodell von Solarworld. Der integrierte Konzern hat eine lange Wertschöpfungskette und führt alle Stufen der Produktion selbst durch: vom Gewinn des Rohstoffs über die Herstellung der Solarzellen, den Bau der Module bis hin zum Recycling. "So verdient Solarworld auf allen Stufen mit und kann dort stärker investieren, wo hohe Margen zu erwartensind", so Blumenthal.Der zweite Vorteil gegenüber der Konkurrenz ist, dass Solarworld schon früh angefangen hat, seine eigene Marke aufzubauen. "Dafür erhalten sie am Markt eine Prämie", sagt Analyst Blumenthal. Die Kunden seien bereit, für Solarworld-Produkte bis zu ein Drittel mehr auszugeben als für vergleichbare chinesische Geräte. Insofern werde das Unternehmen auch die bevorstehende Konsolidierung der Branche gut überstehen.

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